Flächenpotenziale für die Bioenergie

Regional käme es zwar immer wieder zu Interessenkonflikten, global gesehen gebe es aber keinen Flächenmangel. Lamp griff damit die öffentliche Debatte um eine landwirtschaftliche Nutzungskonkurrenz sowie die vor einem Jahr erschienene Studie »Thesen zur Bionenergie-Politik in Deutschland« der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) auf. Letztere legt dar, dass es bei einer weiteren Förderung der Bioenergie zu einer Verdrängung der Nahrungsmittelproduktion käme, da mit der Biomasseproduktion langfristig höhere Gewinne erzielt würden. Lamp betonte hingegen, dass die meisten Landwirte nicht nur auf einen Bereich setzten, sondern Nahrungsmittel und Energiepflanzen gleichzeitig anbauten.

Derzeit seien in der Europäischen Union 6 Millionen Hektar stillgelegter Agrarflächen vorhanden, die nicht mehr für die Nahrungsmittelerzeugung gebraucht würden. Bei einer weiteren Intensivierung der landwirtschaftlichen Anbaumethoden vor allem in Osteuropa geht Lamp von weiteren Stilllegungen aus. Allerdings bestehe im Energiepflanzenanbau erheblicher Nachholbedarf in den Bereichen der Pflanzenzucht und Weiterverarbeitung. »Die moderne Landwirtschaft wurde für die Nahrungsmittelproduktion entwickelt, nicht für Energiepflanzen«, sagte Lamp. Gerade um bei den Technologieentwicklung bei der Biomasseaufbereitung eine weltweit wichtige Rolle spielen zu können, sei es wichtig, die Technologie auch im eigenen Land anzuwenden und zu testen. Die Autoren der FAL-Studie vertraten hingegen die These, dass die Förderung besser in den Anlagenbau als in den Energiepflanzenanbau fließen sollte.

Die Bioenergiebranche in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Im Jahr 2006 erzielte sie einen Umsatz von 8,13 Mrd. €. Beim Endenergieverbrauch lag 2006 der Anteil des Stroms aus Biomasse bei 3 Prozent, der Wärme bei 5,5 Prozent und des Kraftstoffs bei 4,7 Prozent. In ganz Europa wird den Biokraftstoffen eine immer größere Bedeutung beigemessen. So einigten sich die EU-Mitgliedsstaaten in diesem Jahr darauf, bis zum Jahr 2020 zehn Prozent des Kraftstoffverbrauchs aus nachwachsenden Rohstoffen zu decken. Auf den Einwand, dass hierzu auch Palmöl importiert wird, für dessen Anbau Tropenwälder gerodet werden, entgegnet der Verband, nur ein geringer Teil des in Deutschland erzeugten Biodiesels stamme aus dem umstrittenen Palmöl.

Der Bundesverband Bioenergie wünscht sich bei der anstehenden Novellierung des EEG eine Flexibilisierung der Einspeisevergütung für Energie aus Biomasse, um einer nicht vorhersehbaren Entwicklung der Rohstoffpreise Rechnung tragen zu können. Bei den anderen erneuerbaren Energien steht die Energiequelle kostenlos zur Verfügung, während der Preis für Biomasse marktabhängig ist. Außerdem sollten mehr Anreize für die Biogaserzeugung aus Gülle geschaffen werden. Derzeit werden nur zehn Prozent der Gülle in Biogas umgesetzt.