Windindustrie: positive Bilanz, Akteursvielfalt gefährdet

Die Windbranche bleibt auch 2016 optimistisch. (Grafik: HSH Nordbank)
Die Windbranche bleibt auch 2016 optimistisch. (Grafik: HSH Nordbank)
17.03.2016

Die Windbranche ist trotz des ab 2017 geltenden Ausschreibungsverfahrens optimistisch. Sie sieht ihre Chancen hauptsächlich im europäischen Ausland. Nach einer positiven Bilanz 2015 sieht die Branche erneut steigenden Umsätzen entgegen. Allerdings werden Akteure vom Markt verschwinden. So lauten kurzgefasst die Ergebnisse der Marktstudie "Entwicklung des Onshore-Windernerigemarktes" der HSH Nordbank, für die am Anfang des Jahres etwa 80 Unternehmen aus der Branche befragt wurden.

Zu beobachten ist wegen der Herausforderungen des Ausschreibungsverfahrens eine verstärkte Aktivität im europäischen Ausland – hier vor allem Skandinavien, Irland und Frankreich. Es kommt verstärkt zu Kooperationen und Partnerschaften. Trotz der vorliegenden Eckpunkte der EEG-Novelle 2016 geht mehr als die Hälfte der Unternehmen davon aus, dass der jährliche Ausbaukorridor von 2,5 GW bis zum Jahr 2025 erreicht wird. Aufgrund der im §24 EEG 2014 enthaltenen Sechs-Stunden-Regel erwarten die Unternehmen Erlösausfälle bis zu 10 %. Durch die Verknüpfung des Day-Ahead-Marktes mit dem Intra-Day-Markt in Bezug auf die negativen Sechs-Stunden-Blöcke wird die Prognose der relevanten negativen Strompreise schwieriger und damit die Berechnung möglicher Erlösausfälle unsicherer.

Akteursvielfalt wird schrumpfen

Die Kosten einer Ausschreibung lassen sich nicht sinnvoll erfassen. „Tatsache aber bleibt, dass Akteure vom Markt verschwinden werden" sagt Lars Quandel, Leiter Energie & Versorger bei der HSH Nordbank. Originalzitat aus der Studie: "Das werden vor allem kleine Projektentwickler, Privatinvestoren, Bürgerwind-Initiativen und Landwirte sein. Dagegen werden sich große Projekt-Entwickler, Hersteller sowie Energieversorger weiter auf dem Markt etablieren."

Diese Akteursvielfalt zu erhalten sei eine Grundvoraussetzung für die Zustimmung der Branche zum Ausschreibungsverfahren. "Die befragten Unternehmen sehen die Gefahr einer Oligopolisierung und stellen die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz der Windenergie in Frage, denn mit der schwindenden Vielfalt der Akteure wird ein Ziel des Ausschreibungsverfahrens verfehlt", erklärt Quandel.

Uneinigkeit besteht bei den befragten Unternehmen darüber, ob das Ausschreibungsverfahren geeignet ist, eine Überförderung der erneuerbaren Energien zu vermeiden. Insbesondere Projektentwickler und kleinere Unternehmen sind davon nicht überzeugt. Sie argumentieren mit Erfahrungen aus dem europäischen Ausland. So wurden beispielsweise in Großbritannien nur 30 % der Onshore-Windanlagen tatsächlich realisiert, die bei Ausschreibungen den Zuschlag bekamen. Dabei ging es weniger um normale Ausfallraten, sondern darum, dass einzelne Unternehmen Zuschläge auf Vorrat gekauft hätten, um Mitbewerbern zu schaden. Unter den Befragten herrschte Einigkeit darüber, dass das Ausschreibungsverfahren die Errichtung neuer Windparks beeinflussen wird. Die hohen Kosten seien nach dem Ergebnis der Befragung nur noch von großen Unternehmen zu tragen.

Jörn Iken

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