Trotz 10H entstehen in Franken drei Windriesen

Die Errichtung der Vestas-Anlagen ist im fränkischen Neuhof/Zenn in vollem Gang. (Foto: Wraneschitz)
Die Errichtung der Vestas-Anlagen ist im fränkischen Neuhof / Zenn in vollem Gang. (Foto: Wraneschitz)
05.09.2016

Drei Windenergieanlagen werden derzeit bei Neuhof/Zenn in Mittelfranken errichtet. Doch trotz ihrer Gesamthöhe von 220 Metern wird ihr Abstand zu der Wohnbebauung viel näher sein, als es das „10H“-Gesetz in Bayern vorschreibt. Die Bauleitplanung und die Zustimmung der Nachbargemeinden machten das möglich.

Wie berichtet, hat die CSU-Mehrheit in Bayerns Parlament vor gut einem Jahr festgelegt: Windräder müssen zehn Mal so weit weg von der nächsten Wohnbebauung, wie sie hoch sind. Das Projekt „Bürgerwindenergie Neuhof“ sei „vermutlich das erste Windprojekt nach 10H“, sagt der Planer Erich Wust. Der verlangte Abstand hätte 2.200 Meter betragen – in dieser Gegend „praktisch unmöglich“, sagt Wust: Nur knapp einen Kilometer weg sind hier einige Häuser. Dennoch hat das Landratsamt (LRA) Neustadt den Bauantrag positiv beurteilt. „Championsleague-Niveau“ bescheinigt Wust den LRA-Beamten gar. Denn die hätten gerade mal vier Monate vom Antrag bis zur Bewilligung gebraucht.

Doch warum gibt es trotz 10H-Gesetz diese Windräder? Das begründet der Markt Erlbacher Windplaner mit „dem Wohlwollen der Gemeinden“. Neuhof habe einen Bebauungsplan für die Aufstellorte der drei Windriesen erstellt; der dortige Gemeinderat wie auch jene der Nachbar-Gemeinden Dietenhofen und Wilhermsdorf haben den Planungen zugestimmt. In solchen Fällen lässt die bayerische Abstandsregel ausdrücklich eine Ausnahme zu. Im Frühjahr 2015 hatte Wust seine Ideen öffentlich gemacht in sechs Bürgerversammlungen rund um Neuhof. Danach kamen die Planungen, die artenschutzrechtlichen Untersuchungen, der Bauantrag – und die Genehmigung im Frühjahr 2016.

Eigenkapital von Bürgern bereitgestellt

Das positive Interesse der Bevölkerung war enorm: 189 Bürger rund um die drei Standorte auf Neuhöfer Grund hätten das notwendige Eigenkapital von 4,2 Mio. Euro bereitgestellt. „In nur sechs Wochen nach dem Verkaufsstart. Und nicht wie anderswo habe es auch bislang „keinen einzigen negativen Leserbrief in Zeitungen, keinerlei Kritik bei der Auslegung der Pläne gegeben“, erinnert sich Wust. Vielleicht, weil sich direkt hinter der Kreisgrenze bereits mehrere Windräder drehen? Im Dietenhofer Ortsteil Neudorf und in Wilhermsdorf. Oder weil die Gemeinde und ein Pool von 50 Grundstückseignern an der Pacht gemeinsam teilhaben?

Das war bei einem parallel geplanten Wust-Projekt in Wachenroth im Kreis Höchstadt/Aisch völlig anders. Auch dort wollte er Windräder mit Bürgerbeteiligung auf Gemeindegrund errichten. Doch kaum waren die Pläne öffentlich, formierte sich eine Gegen-Bürgerinitiative. In einem Bürgerentscheid lehnte die knappe Mehrheit den Bau ab. Der Planer verschob daraufhin die Standorte der Windräder um 800 Meter nach Osten, in Staatswald. Damit wird „10H“ eingehalten, die Anlagen wurden genehmigt. Doch nicht mehr die Gemeinde, sondern die Staatsforsten machen nun das Geschäft mit der Pacht.

400 Hektar Windfläche

Doch zurück nach Neuhof. Die Gemeinde liegt im Naturpark Frankenhöhe, die Windradflächen selbst gehören nicht dazu: Der Regionale Planungsverband hatte schon vor einigen Jahren 400 Hektar wegen der guten Bedingungen als Windfläche „zoniert“.

So muss es auch nicht verwundern, dass die örtliche Raiffeisenbank 12,3 Mio. Euro „Fremdkapital“ aufgebracht hat für die rein regionale Finanzierung des Projekts. Drei Vestas-Maschinen, Typ V126-3,3 MW werden errichtet. Die drei Windräder sollen künftig zusammen pro Jahr mindestens 18,8 Mio. Kilowattstunden Ökostrom produzieren, dank der für fränkische Verhältnisse guten Windprognosen von 5,6 m/s im Durchschnitt. Und, wie Wust stolz ergänzt: „Jeder kann diesen Strom von hier ab Ende September auch direkt kaufen.“

Denn noch in diesem Monat werde das erste Windkraftwerk seinen Betrieb aufnehmen – an dem sind bereits die Rotoren montiert. Die anderen beiden Anlagen würden im Oktober fertig. Die unteren 55 Meter der Masten stehen bereits, die restlichen Stücke liegen auf den Baustellen. Der dänische Hersteller, der bis auf die Masten alle Teile in Deutschland fertigen lasse, sei momentan gleich mit zwei Montageteams und riesigen Kränen zwischen Neudorf und Rothenhof aktiv, erzählt Wust.

Der aktuelle Bauzustand, kurz vor der Fertigstellung, war auch der Grund, zur Besichtigung zu laden. Die Besucher waren an den Details genauso interessiert wie an den riesigen Teilen: Flügel, Gondel, Maststücke, Schrauben. All das wird nun bald in den Anlagen verschwinden. Der Strom wird übrigens ins nahe Umspannwerk des Netzbetreibers Main-Donau-Netzgesellschaft bei Neudorf eingespeist: Die Übergabestation steht dort bereits.

Heinz Wraneschitz

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