Preiswettbewerb treibt Konsolidierung - niedrigere Renditen, Turbinenpreise runter

 Studie erwartet Preiswettbewerb und Konsolidierung im Windenergiemarkt (Foto: iStock)
Studie erwartet Preiswettbewerb und Konsolidierung im Windenergiemarkt. (Foto: iStock)
11.05.2017

Im Zuge der ersten Ausschreibungen zur Vergabe von Onshore-Windprojekten rechnet die Windbranche mit einem deutlichen Preisverfall. Die Mehrzahl der größeren Projektentwickler will vor diesem Hintergrund ihre Geschäftsmodelle erweitern und künftig verstärkt als Independent Power Producer (IPP) auftreten, Turbinenhersteller steigen verstärkt in Projektentwicklung ein.

Das sind wesentliche Aussagen einer heute veröffentlichten Studie „Ausschreibungen für onshore Wind nach dem EEG 2017 – strategische Handlungs- und Finanzierungsoptionen“, die gemeinsam von der Wirtschaftskanzlei Norton Rose Fulbright, der Hamburger Privatbank Berenberg, der BayernLB und dem Finanzdienstleister Hypoport  erstellt wurde. Für die Studie wurden rund 60 deutsche Windprojektentwickler, Investoren und Turbinenhersteller befragt, wie sie sich auf die Einführung der Ausschreibungsverfahren im onshore Bereich einstellen.

Die Autoren erwarten, dass Projektentwickler in der Folge des verstärkten Preiswettbewerbs engere Kooperation mit Investoren anstreben und internationales Wachstum vorantreiben werden. Turbinenhersteller werden – neben Investitionen in bessere und kostengünstigere Turbinentechnik – die Übernahme von Projektentwicklern und Serviceunternehmen anstreben oder verstärkt auf Wind offshore setzen, um ihre Absatzchancen zu verbessern.

„Die Ausschreibungsverfahren erhöhen den Preisdruck auf die Windenergiebranche. Dies bringt neue Dynamik in die Übernahmepläne der Hersteller, großen Projektentwickler und Investoren. Wir stehen vor einer Konsolidierung im Onshore-Windenergiemarkt. Enge Kooperationen und strategische Beteiligungen unter den Marktteilnehmern sowie darauf angepasste und geänderte Finanzierungsstrategien könnten sich als Schlüssel für eine erfolgreiche Positionierung erweisen. Vor allem kleinere und mittelgroße Projektentwickler stehen unter Druck, wenn sich die volle Wirkung des neuen EEG zeigen wird“, erklärt Dr. Klaus Bader, Head of Energy, Europe, von Norton Rose Fulbright.

Wirtschaftlichkeit nur bei niedrigerer Rendite

Die Bundesnetzagentur prüft bekanntlich zur Zeit die im Zuge der ersten Ausschreibungsrunde Anfang Mai eingegangenen Gebote für Onshore Windprojekte. Voraussichtlich werden die Gebote deutlich unter dem vom Gesetzgeber festgelegten Höchstwert liegen. „Je stärker die Vergütung auch für Onshore-Windenergie fällt, desto mehr müssen Betreiber und Investoren ihre Geschäftsmodelle anpassen. Die Wirtschaftlichkeit der Windparks ist künftig nur noch dann gegeben, wenn die Investitions- und Finanzierungskosten sinken und die Effizienz der Windturbinen weiter steigt. Die Investoren werden aber auch mit einer niedrigeren Rendite kalkulieren müssen“, betont Sebastian Schenk, Leiter Firmenkunden Norddeutschland bei der BayernLB.

Turbinenpreise müssen bis 50 % sinken

Die Studie berechnet verschiedene Szenarien in Bezug auf die Vergütungshöhe und die sich daraus ableitende Kostenstruktur. Bei einer Senkung der Einspeisevergütung von bislang 8,03 ct/kWh auf 6 ct/kWh wäre beispielsweise eine Senkung des Kaufpreises um 32,7 % oder eine Senkung des Turbinenpreises um 50 % notwendig, um eine Rendite auf das eigensetzte Eigenkapital (Internal Rate of Return – IRR) von 5 % zu erzielen.

„Wer künftig in Deutschland onshore Projekte rentabel entwickeln oder betreiben will, muss die Investitionskosten und die Ausgaben für den laufenden Betrieb nachhaltig reduzieren. Die Projektentwickler werden darüber hinaus ihr Bestandsportfolio erweitern und künftig als unabhängige Energieproduzenten (IPP) auftreten. Dazu werden sie von Investoren neues Kapital einwerben; besonders groß ist das Interesse an Mezzanine Kapital“, so das Fazit von Olaf Lüdemann, Head of Infrastructure & Energy bei Berenberg.

Marktteilnehmer wollen enger kooperieren

Etwa jeder vierte Investor gibt an, sich künftig an Projektentwicklern beteiligen oder Entwickler übernehmen zu wollen, um sich für den verschärften Wettbewerb zu wappnen. Nahezu alle befragten Investoren streben zudem engere Kooperationen an. Als Königsweg gilt das “Preferred Partnership“-Modell mit Projektentwicklern, um den Unwägbarkeiten zeit- und kostenintensiver Bieterverfahren zu entgehen.

Die Turbinenhersteller werden ebenfalls die Marktkonsolidierung vorantreiben. Die Turbinenpreise machen derzeit 70 bis 80 % der Gestehungskosten eines Windparks aus. Die Hersteller benötigen laufend Kapital für Investitionen in Forschung und Entwicklung. Die überwiegende Mehrheit erwägt eine Ausweitung der ohnehin schon bestehenden Kooperationen mit Projektentwicklern. Die Hälfte der befragten Hersteller geht noch einen Schritt weiter und erwägt die Übernahme von Projektentwicklern oder den Aufbau eigener Projektentwicklungsteams zur Absatzförderung oder zur Verbesserung der Marge.

Projektentwickler setzen auf Expansion in Nordamerika

Zur Erschließung neuer Märkte und Kunden steht neben der Optimierung des Geschäftsmodells in Deutschland die internationale Expansion auf der Agenda. Die Projektentwickler favorisieren hier neben dem Gang ins europäische Ausland mehrheitlich die USA und Kanada. Alle befragten Investoren streben an, den Anteil ihrer Investitionen im Erneuerbare-Energien-Sektor außerhalb Deutschlands in den nächsten Monaten wesentlich zu erweitern.

„Die Abnehmer der entwickelten Onshore-Windenergieprojekte sind meist konservativ agierende institutionelle Investoren. Sie bevorzugen ein regulatorisch sicheres Umfeld. Auch wenn China, Indien oder Länder in Latein- und Südamerika mit hohen Renditechancen locken, wird es durch die veränderte Marktsituation bei der Förderung in Deutschland vorerst eher zu einem Ansturm auf Projekte in etablierten Märkten kommen“, erklärt Jan Bewarder, Leiter Corporate Finance bei DR. KLEIN Firmenkunden, einer Tochtergesellschaft der Hypoport AG.

Fazit der Studie: Während große Projektentwickler und Investoren die Internationalisierung vorantreiben und in neue Geschäftsmodelle investieren werden, könnten kleinere Entwickler und Turbinenhersteller das Nachsehen haben, wenn sie sich nicht erfolgreich in einer Nische positionieren können. Hier ist mit einer Konsolidierungswelle zu rechnen. Wichtigster Indikator für die Intensität des Veränderungsprozesses wird am Ende das Ergebnis der ersten onshore Auktionen sein. Je tiefer die Preise sinken, desto stärker wird der Druck zur Konsolidierung sein.

Volker Buddensiek / Norton Rose Fulbright

Quelle: 

iStock

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