Offshore-Windparks mit extrem niedrigen Zuschlägen

Der Ostsee-Windpark Baltic 2 von EnBW besteht aus 80 WEA. In der Nordsee will das Unternehmen bis 2025 den Park He Dreiht ohne EEG-Förderung bauen und betreiben. (Foto: EnBW)
Der Ostsee-Windpark Baltic 2 von EnBW besteht aus 80 WEA. In der Nordsee will das Unternehmen bis 2025 den Park He Dreiht ohne EEG-Förderung bauen und betreiben. (Foto: EnBW)
13.04.2017

Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der ersten Auktion für Offshore-Windparks liegen vor. Im Schnitt beträgt der Zuschlagswert nur 0,44 Ct/kWh. Es gibt aber auch bezuschlagte Gebote zu 0,0 Ct und zu aus heutiger Sicht immer noch niedrigen 6 Ct/kWh. Zu den erfolgreichen Bietern gehören Dong und EnBW.

Es ging zum Gebotstermin 1.April um 1,55 GW, vier Gebote waren erfolgreich. Die allesamt in der Nordsee geplanten Projekte schöpfen den Rahmen mit 1,49 GW nahezu aus. Das niedrigste Gebot verzichtet gleich komplett auf eine Förderung, das höchste erfolgreiche Gebot liegt bei 6 Ct/kWh. Als mengengewichteten durchschnittlichen Zuschlagswert hat die Bundesnetzagentur 0,44 Ct/kWh errechnet – das sind 4,40 € für die Megawattstunde.

Für die Projekte müssen die Bieter den Netzanschluss nicht selbst finanzieren, der Betrieb ist auf 25 Jahre angelegt. Da die Windparks erst bis 2025 in Betrieb gehen werden, enthalten die Gebote einige Prognosen zur künftigen Technologie- und Marktentwicklung. Ein Gebot, das auf eine Einspeisevergütung ganz verzichtet, zeigt nicht nur, dass eine deutliche Kostensenkung bei Anlagen und Installation erwartet wird. Man geht offenbar auch davon aus, dass der Strommarkt in der Zukunft für den Windstrom von See auskömmliche Preise hergeben wird.

Aus Sicht der Bundesnetzagentur ist das Auktionsergebnis ein Zeugnis der Wettbewerbsfähigkeit, wie ihr Präsident Jochen Homann betont: „Die Offshore-Windenergie stellt ihre Wettbewerbsfähigkeit mit Nachdruck unter Beweis. Dies ist erfreulich für alle Stromverbraucher, die über die EEG-Umlage die Förderung der Erneuerbaren Energien mitfinanzieren.“ Homann zufolge sei aber offen, ob sich so niedrige Zuschlagswerte in der nächsten Ausschreibung wiederholen werden. Den Durchschnittswert kommentiert er nüchtern: „Mit 0,44 ct/kWh liegt der durchschnittliche gewichtete Zuschlagswert weit unterhalb der Erwartungen. Das Ausschreibungsverfahren hat demnach mittel- und langfristige Kostensenkungspotentiale freigesetzt, die zu einer in diesem Umfang nicht erwarteten Senkung der Förderung führen werden.“

In den beiden Ausschreibungen 2017 und 2018 sind Nord- und Ostseeprojekte mit einer geplanten Gesamtleistung von 6 bis 7 GW zur Teilnahme berechtigt, ausgeschrieben werden 3,1 GW. Die zweite Ausschreibung, an der die nicht erfolgreichen Bieter der ersten Runde erneut teilnehmen können, erfolgt am 1. April 2018 mit dann 1,61 GW. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben wird der Ostseeraum unabhängig von den Gebotshöhen mindestens 0,5 GW erhalten.

900-MW-Zuschlag für EnBW

Der süddeutsche Energieriese EnBW war mit dem nördlich von Borkum geplanten Offshore-Windpark „He Dreiht“ und 900 MW Leistung erfolgreich. Das Unternehmen teilt mit, dass sein Projekt „ohne EEG-Subventionen“ auskomme. Der Windpark soll sich offenbar auf eine positive Entwicklung des Strommarktes auch für volatile Erzeuger verlassen.  

„Wir sind sehr glücklich über dieses Ergebnis“, betont der EnBW Vorstandsvorsitzende Frank Mastiaux: „Wie im März auf unserer Bilanzpressekonferenz angekündigt, werden wir auch in der Zeit nach 2020 den Ausbau der erneuerbaren Energien als strategischen Schwerpunkt unseres Unternehmens vorantreiben. Mit dem Zuschlag für He Dreiht haben wir die Grundlage für langfristiges Wachstum über das Jahr 2020 hinaus geschaffen.“ Das Gebot zeige, dass die Marktintegration der Offshore-Technologie bis Mitte des nächsten Jahrzehnts möglich sei.

EnBW geht davon aus, dass der 900-MW-Windpark mit einer geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2025 von der Technologieentwicklung und einer weiteren Professionalisierung in der Windenergiebranche profitieren werde. Das Unternehmen setzt aber auch auf Skaleneffekte: Als größtes Einzelprojekt im Wettbewerb sei He Dreiht besonders effizient zu realisieren – auch wegen der räumlichen Nähe zu den beiden EnBW-Windparks Hohe See und Albatros. „Unsere Planung fußt auf umfangreichen Marktanalysen und einem intensiven Austausch mit der Zulieferindustrie, die an zahlreichen technologischen Weiterentwicklungen arbeitet und die Kosteneffizienz absolut verinnerlicht hat. Die dem Gebot zugrundliegenden Strompreisannahmen bewegen sich dabei auf einem moderaten Niveau“, so Dirk Güsewell, bei EnBW zuständiger Leiter für den Ausbau des Erzeugungsportfolios des Unternehmens.

Ralf Ossenbrink

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