Dritte Ausschreibungsrunde: keine 30 % der Gebote erfolgreich

99,2 % des Zuschlagsvolumens der 3. Ausschreibungsrunde geht an Bürgerenergiegesellschaften (Foto: iStock)
99,2 % des Zuschlagsvolumens der 3. Ausschreibungsrunde geht an Bürgerenergiegesellschaften (Foto: iStock)
22.11.2017

Die Bundesnetzagentur hat die Ergebnisse der dritten Ausschreibungsrunde für Onshore-Windenergie bekanntgegeben: Der durchschnittliche Zuschlagswert liegt bei 3,4 Ct/kWh. Der ausgeschriebenen Leistung von 1.000 MW standen 2.591 MW Gebote gegenüber. 99,2 % des Zuschlagsvolumens entfallen auf Bürgerenergiegesellschaften.

Die Ausschreibung war deutlich überzeichnet, bei einem Ausschreibungsvolumen von 1.000 Megawatt wurden 210 Gebote mit einem Volumen von 2.591 Megawatt abgegeben. Die Bundesnetzagentur hat 61 Geboten mit einem Gebotsumfang von 1.000,4 MW einen Zuschlag erteilt. 149 Gebote gingen folglich leer aus. Der Wettbewerbsdruck führte zu sinkenden Gebotswerten; die Gebotswerte der bezuschlagten Gebote reichten von 2,2 ct/kWh bis zu 3,82 ct/kWh. Im Mittel betrug der Gebotswert der bezuschlagten Gebote 3,4 ct/kWh.

Das Netzausbaugebiet hatte in dieser Ausschreibung keine Auswirkungen auf die Zuschlagsentscheidungen. Von dem dort maximal möglichen Zuschlagsvolumen von etwa 430 MW wurden 231 MW bezuschlagt. Die meisten Zuschläge erhielten Nordrhein-Westfalen mit 17 und Brandenburg mit 16 Zuschlägen, das bezuschlagte Volumen beträgt in diesen Ländern jeweils gut 270 MW.

Erneut hoher Anteil an Bürgerenergiegesellschaften

Mit 89 % der eingereichten Gebotsmenge waren Bürgerenergiegesellschaften auch bei dieser Ausschreibung besonders stark vertreten. Im Ergebnis entfallen 98 % der Zuschläge (60 Zuschläge), bzw. 99,2 % des Zuschlagsvolumens auf Bürgerenergiegesellschaften. Der Zuschlagswert der Bürgerenergiegesellschaften wird nach dem Einheitspreisverfahren ermittelt und beträgt 3,82 ct/kWh. Bei dem anderen Bieter wird der Zuschlag zum individuell gebotenen Wert erteilt (Gebotspreisverfahren). Damit liegt auch der durchschnittliche gewichtete mittlere Zuschlagswert bei annähernd 3,82 ct/kWh.

Diese Ausschreibungsrunde war von Geboten ohne Genehmigung geprägt. Die Gebote haben ein stark spekulatives Element, da sie offenbar innerhalb der 54-monatigen Realisierungsfrist erhebliche Preissenkungen voraussetzen. In den ersten beiden Ausschreibungen für Windenergie an Land im Jahr 2018 ist für eine Teilnahme das Vorliegen einer Genehmigung zwingend erforderlich. Ein Problem liegt allerdings darin, dass das EEG vorschreibt, dass sich dann der maximale Gebotswert einer Auktion aus den höchsten Zuschlägen der vorangegangenen drei Ausschreibungsrunden ableitet, dann allerdings ohne die lange Realisierungsfrist.

Die Gebote entsprachen auch in der dritten Ausschreibungsrunde weit überwiegend den formalen Anforderungen. Lediglich 15 Gebote mussten ausgeschlossen werden. Zwölf der Ausschlüsse erfolgten wegen unzureichender Gutachten, zwei wegen fehlender Zahlungen und einer wegen eines Formfehlers.

Erste Kritik

Erste Kritik kam unmittelbar nach der Veröffentlichung. So sieht Dr. Thomas E. Banning, Vorstandsvorsitzender der Naturstrom AG, erhebliche Verwerfungen auf den Markt zukommen:Die bestehenden Ausnahmen für Bürgerenergie verfehlen ihr Ziel, die Beteiligung engagierter Bürger am Windenergie-Ausbau zu sichern, und unterminieren zugleich die Ausbauziele der Bundesregierung. Der Windenergie-Ausbau steht ab 2019 auf tönernen Füßen“, warnt er.

„Die weitere Beteiligung der Bürgerenergie-Bewegung muss auf anderem Wege als bisher ermöglicht werden. Ein einfach zu handhabendes Differenzierungskriterium ist die Projektgröße, denn kleinere Projekte im regionalen Zusammenhang sind für große Player uninteressant. Vorhaben mit einer Leistung von weniger als 10 MW von Gesellschaften, an denen mehrheitlich Bürger beteiligt sind, dürfen nicht den Ausschreibungen unterworfen werden– egal, ob es sich um Windenergie- oder Solarprojekte handelt“, so sein Vorschlag. Eine solche sogenannte De-minimis-Regelung werde von der EU-Kommission ausdrücklich gebilligt, wie Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager bereits Anfang 2016 klarstellte. In Frankreich wird eine solche Regelung derzeit eingeführt.

Die Zuschläge wurden auf der Internetseite der Bundesnetzagentur veröffentlicht (www.bundesnetzagentur.de/windanlandausschreibungen17-3).

Buddensiek / Bundesnetzagentur  / Naturstrom AG

Google+