Bessere Chancen für windschwächere Standorte

 Windkraftanlage bei Weikersheim in Baden-Württemberg (Foto: de Maddalena)
Windkraftanlage bei Weikersheim in Baden-Württemberg (Foto: de Maddalena)
21.03.2016

Das vorgesehene Referenzertragsmodell bei Ausschreibungen für Windparks stärkt die Wettbewerbsfähigkeit von windschwächeren Standorten im Südwesten. Diese Einschätzung vertritt Eckhard Kuhnhenne-Krausmann, Geschäftsführer von Enervis Energy Advisors. Branchenvertreter aus Baden-Württemberg weisen allerdings auf strukturelle Benachteiligungen hin.

Der vorgesehene Korrekturfaktor für das einstufige Referenzertragsmodell bei Ausschreibungen stärke die Chancengleichheit von windschwächeren Regionen in Süddeutschland gegenüber Starkwind-Regionen im Norden, sagte Kuhnhenne-Krausmann beim 2. Erneuerbare-Energie-Forum der Stadtwerke Heidenheim. Grundsätzlich kommen bei der vorgesehenen Auktionierung nach dem sogenannten Pay-as-bid-Verfahren die Windprojekte zum Zuge, die am günstigsten bieten. Doch über den Korrekturfaktor wird der Bieterpreis indexiert und ein Referenzertrag von 100 Prozent für windschwächere oder windstärkere Standorte jeweils nach oben oder unten angepasst. Nach den derzeitigen Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums liegt der Korrekturfaktor bei einer Standortqualität von minimal 70 % bei 1,29, bei einer Standortqualität von maximal 150 % dagegen bei 0,79.

Regionale Quoten nicht erforderlich

Über das vorgesehene Berechnungsverfahren des Referenzertrags werden laut Kuhnhenne-Krausmann zudem Windkraftanlagen mit höherer Nabenhöhe bevorteilt. Dies komme ebenfalls windschwächeren Standorten wie Baden-Württemberg zu Gute, weil dort mittlerweile meist Windräder mit Nabenhöhen von 130 bis 150 Metern gebaut würden. Dagegen sei die Nabenhöhe im windstarken Schleswig Holstein auf 100 Meter begrenzt. Weil dieser Ausgleichsmechanismus eine ausgewogene regionale Verteilung von Windkraftprojekten bei den geplanten Ausschreibungsverfahren gewährleiste, hält der Enervis-Geschäftsführer die Festlegung von regionalen Quoten für nicht erforderlich. Allerdings musste er einräumen, dass es für Standorte mit einem Referenzwindertrag von weniger als 70 % schwierig werde, im Wettbewerb mitzuhalten.

Höhere Pachtpreise im Süden

Nach dem bisherigen Berechnungsverfahren wiesen zahlreiche Windkraftstandorte in Süddeutschland jedoch nur einen Referenzertrag von 60 % auf, sagte Daniel Klaus Henne, Geschäftsführer von Südweststrom. Entscheidend sei nun deshalb, wie der Referenzertrag genau berechnet werde und wie die Korrekturfaktoren im Detail bestimmt würden. Hierüber habe das BMWi derzeit noch nicht abschließend entschieden, berichtete Kuhnhenne-Krausmann. Klar sei jedoch, dass der Wettbewerb insgesamt steige, die Margen niedriger würden und es darauf ankomme, viele kleine Stellschrauben bei der Planung, dem Bau und dem Betrieb von Windparks weiter zu optimieren. Standorte in Südwestdeutschland seien allerdings schon aufgrund der hügeligen Topographie und fehlenden Vergleichsflächen für Windertragsprognosen gegenüber dem flacheren Norden benachteiligt, so Hanno Brühl von den Stadtwerken Tübingen. Auch seien die Pachtpreise für Grundstücke meist höher als in Norddeutschland.

Hürden des Ausschreibungsverfahrens

Thorsten Gamm, Prokurist der Alb-Elektrizitätswerke Geislingen-Steige teilte grundsätzlich die Einschätzung von Envervis. Doch führe die Umstellung von der EEG-Vergütung auf das Ausschreibungsmodell grundsätzlich zu einer Marktkonzentration. Denn kleinere Anbieter täten sich schwerer als größere Anbieter, die geforderten Sicherheiten sowie die BImSchG-Genehmigung auf Risiko vorzufinanzieren und umfassende Wettbewerbsanalysen zu erstellen. Ähnlich sieht dies Thomas Dürr, Geschäftsführer Technik der Stadtwerke Heidenheim, der ebenfalls auf die insgesamt schwierigeren Standortbedingungen der bisher noch nicht so weit verbreiteten Windkraft in Baden-Württemberg gegenüber Starkwindregionen hinweist. Derzeit hat die Heidenheimer Stadtwerke-Tochter Hellenstein Solar-Wind 41 MW im Portfolio, Windkraft jedoch meist in Norddeutschland. Ob man sich an den geplanten Auktionen beteiligen werde, hänge stark von den letztlich festgelegten Bedingungen ab, so Dürr.

Hans-Christoph Neidlein

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