1. Ausschreibung Onshore deutlich überzeichnet - 5,71 ct/kWh Durchschnitt

BNetzA gibt die Ergebnisse der 1. Onshore-Wind-Ausschreibung bekannt (Foto: Bundesnetzagentur)
BNetzA gibt die Ergebnisse der 1. Onshore-Wind-Ausschreibung bekannt. (Foto: Bundesnetzagentur)
19.05.2017

Die Bundesnetzagentur hat heute die Zuschläge der ersten Ausschreibung für Windenergie an Land erteilt. 70 von 256 Geboten wurden bezuschlagt. Der durchschnittliche Zuschlagswert lag bei 5,71 Cent/kWh.

Weitere Informationen:
Pressemitteilung der WAB zum Thema

Das Volumen der eingereichten Gebote lag bei 2.137 MW, davon waren 807 MW (37,8 %) letztlich erfolgreich. Besonderheiten dieser Ausschreibung waren die unterschiedliche Ermittlung der Zuschlagshöhe zwischen Bürgerenergiegesellschaften und den übrigen Bietern sowie eine Begrenzung der Zuschlagsmenge im sogenannten Netzausbaugebiet.

Der durchschnittliche Zuschlagswert liegt bei 5,71 ct/kWh, Der höchste Gebotswert außerhalb des Netzausbaugebiets, der noch einen Zuschlag erhalten konnte, bei 5,78 ct/kWh. Der höchste Gebotswert innerhalb des Netzausbaugebiets, der noch einen Zuschlag erhalten konnte, liegt bei 5,58 ct/kWh. Die Zuschläge sind breit über das Bundesgebiet auf insgesamt neun Bundesländer verteilt.

Hoher Anteil an Bürgerenergiegesellschaften

Mit 70 % der eingereichten Gebote (169) waren Bürgerenergiegesellschaften in dieser ersten Runde besonders stark vertreten. Im Ergebnis entfallen 93 % der Zuschläge (65), bzw. 96 % des Zuschlagsvolumens auf Bürgerenergiegesellschaften. Der Zuschlagswert der Bürgerenergiegesellschaften wird nach dem Einheitspreisverfahren ermittelt und beträgt für bezuschlagte Gebote außerhalb des Netzausbaugebiets 5,78 ct/kWh, bzw. für bezuschlagte Gebote innerhalb des Netzausbaugebietes 5,58 ct/kWh. Bei allen anderen Bietern ist der Zuschlagswert der individuell gebotene Wert (Gebotspreisverfahren).

Für Bürgerenergiegesellschaften galten im Rahmen des Verfahrens folgende weitere besondere Regelungen: Bürgerenergiegesellschaften müssen bestimmte Anforderungen an die Gesellschaftsstruktur erfüllen, die per Eigenerklärung darzulegen sind. Sie konnten darüber hinaus - anders als alle anderen Bieter - Gebote für Anlagen auch vor Erteilung einer Genehmigung nach Bundes-Immissionsschutzgesetz abgeben, wovon 95 % auch Gebrauch gemacht haben. Schließlich gilt für Gebote von Bürgerenergiegesellschaften eine um 24 Monate verlängerte Realisierungsfrist: statt 30 Monate nach öffentlicher Bekanntgabe sind es hier 54 Monate. Damit sind belastbare Aussagen zur Realisierungsrate und der damit einhergehenden Zielerreichung des  Windausbaupfades erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt möglich.

Als "auf den ersten Blick erfreulich" beurteilt Andreas Wieg vom Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband e.V. (DGRV) den hohen Anteil an erfolgreichen Geboten seitens der Bürgerenergiegesellschaften. Allerdings gibt es von anderer Seite auch Bedenken, dass Bürgerenergiegesellschaften bei ihren Geboten "gepokert" haben könnten, indem sie auf die Sonderregelung gesetzt haben, dass alle erfolgreichen Gebote die Vergütung des höchsten noch erfolgreichen Gebots bekommen.

Grenze im Netzausbaugebiet überschritten

Im Netzausbaugebiet durften Zuschläge nur bis zu einer festlegten Grenze von 258 MW erteilt werden. Diese Grenze wurde erreicht. Einige Gebote konnten aufgrund dieser Grenze nicht berücksichtigt werden. Vier Zuschläge an der Netzausbaugrenze mussten im Losverfahren entschieden werden.

Die Qualität der Gebote ist in der ersten Ausschreibungsrunde sehr hoch. Lediglich 12 Gebote mussten ausgeschlossen werden. Eine Ausschlussquote von unter 5 % zeigt, dass das Verfahren von den Bietern verstanden wurde und die Anforderungen an die Gebote erfüllbar sind. Die Zuschläge sind auf der Internetseite der Bundesnetzagentur veröffentlicht.

Weitere Kostensenkungen erwartet

Für die nächsten Ausschreibungsrunden werden wie bei den Photovoltaikausschreibungen weitere Kostensenkungen erwartet: Eine Analyse von Agora Energiewende kommt zu dem Ergebnis, dass die Vollkosten an hervorragenden Standorten in Deutschland auf 3 bis 4,5 Cent pro Kilowattstunde sinken könnten – das wäre nochmals ein deutlicher Rückgang gegenüber den 5,25 bis 5,78 Cent pro Kilowattstunde, die heute bei der ersten deutschen Auktion für Windstrom an Land erreicht wurden.

"Das Niveau von 5,71 ct/kWh verglichen mit dem bisherigen Preis von 8,03 ct/kWh hat gewaltige Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von Windparks. Die Projekte werden nur rentabel zu realisieren sein, wenn die Projektentwickler und Windturbinenhersteller neue Strategien zur Preissenkung in die Wege leiten. Bei einer unterstellten Renditeforderung des Investors von rund 5 Prozent müsste der Gesamtkaufpreis eines typischen Windparks um rund ein Drittel sinken“, erklärt Dr. Klaus Bader, Head of Energy Europe von Norton Rose Fulbright.

Gleichzeitig weist das Beratungsunternehmen Övermöhle Consult & Marketing darauf hin, dass mit der Veröffentlichung des Ausschreibungsergebnisses "nach unser ersten Schätzung mehrere 10 Millionen Euro an ausgegebenen Projektvorlaufkosten vernichtet" wurden und sich der Absturz der Projektrechtepreise (besonders für Projekte ohne Zuschlag) massiv fortsetzen werde. Geschäftsführer Klaus Övermöhle: "Die gesamte Windbranche und hier besonders die klein- und mitteständischen Projektentwickler, stehen vor einem großen Wandel und alle Akteure müssen ihr Geschäftsmodell den neuen Gegebenheiten anpassen. Wir haben hierfür frühzeitig entsprechende Kooperationsmodelle entwickelt, damit auch kleine Firmen zukünftig erfolgreich am Markt agieren können. Wer sich jetzt nicht zeitnah anpasst und meint, noch länger warten zu können, läuft große Gefahr, zu den Verlierern der bevorstehenden Konsolidierung des Windenergiemarktes zu gehören."

Realisierungsquote fraglich

So sehr der hohe Anteil an erfolgreichen Projekten von Bürgerenergiegesellschaften begrüßt wird, weist der VDMA auch auf Risiken hin: „Für die Hersteller aber auch für eine zügige Umsetzung der Energiewende ist nun eine hohe Realisierungsquote sowie eine zeitnahe Umsetzung der Projekte wichtig,“ sagte Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems und Energiepolitischer Sprecher des Verbands. In diesem Zusammenhang verwies er auf das Risiko durch die zulässige Realisierungszeit von 54 Monaten und die meist noch zu erreichenden Genehmigungen zum Bau der Bürgerenergieprojekte. „Das Neubauvolumen 2019 ist daher extrem schwer absehbar, sollte sich bei den nächsten Ausschreibungen hier ein Trend zeigen, muss die Regelung überprüft werden“, forderte er.

Buddensiek / BNetzA

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