Höhere Akzeptanz für Windenergie durch mehr Bürgerbeteiligung

Trotz guten Willens werden die Bürger bei Windenergieprojekten nicht immer so einbezogen, wie es wünschenswert wäre. (Foto: Nordex)
Trotz guten Willens werden die Bürger bei Windenergieprojekten nicht immer so einbezogen, wie es wünschenswert wäre. (Foto: Nordex)
28.09.2015

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, die Deutsche Energie-Agentur (dena) sowie weitere europäische Partner arbeiten derzeit am Projekt "WISE Power", das Teil des Intelligent Energy Europe Programms der EU ist und sich mit der gesellschaftlichen Akzeptanz der Windenergie auseinandersetzt. Dabei werden unter anderem "Social Acceptance Pathways" (SAPs) entwickelt.

Diese soziale Akzeptanz-Strategien sollen die Akzeptanz von Windparks bei den Bürgern erhöhen und damit die Planungssicherheit für neue Windanlagen verbessern. Auf einem Workshop bei der Leitmesse Husum Wind haben das Fraunhofer ISI und die dena in Kooperation mit dem Bundesverband Windenergie e.V. (BWE) die bisherigen Projektergebnisse präsentiert. Diese stützen sich auf eine Auswertung von 40 Ratgebern und Handbüchern, 15 wissenschaftlichen Artikeln und Berichten sowie eine Expertenbefragung zur Akzeptanz von Windanlagen mit über 200 Teilnehmern aus 13 Ländern.

Großes Interesse der Branche

Die Windenergiebranche hat großes Interesse an aufbereitetem Wissen und Strategien wie den "Social Acceptance Pathways" (SAP) zur besseren Akzeptanz der Windenergie – das ist das zentrale Ergebnis des Workshops. Diese europaweit anwendbaren Strategien wurden kürzlich in einer vorläufigen Version veröffentlicht. Sie sollen helfen, eine ganzheitliche und maßgeschneiderte Beteiligungsstrategie für Windkraft-Projekte zu entwickeln und enthalten eine Reihe von Maßnahmen zu deren innovativer Finanzierung sowie zur Information, Konsultation und Beteiligung von Bürgern. Besonders wichtig waren den Teilnehmern des Workshops die Themen Bürger-Information und -Konsultation. Diese sollen künftig noch früher  im Planungsprozess neuer Windanlagen stärker berücksichtigt werden. Häufig sind Bürgerbeteiligungsmaßnahmen bereits fester Bestandteil von Windkraft-Vorhaben. Aufgrund paralleler Anforderungen wie Genehmigungsverfahren werden sie allerdings nicht immer systematisch umgesetzt. Hier setzen die SAPs an, indem sie in unterschiedlichen Projektstadien Unterstützung bei der Strategieumsetzung bieten.

Zu wenig Personal für Kommunikation

"Unser Workshop bestätigt die Ergebnisse unserer Befragung: Auf Projektebene bestehen oft Kapazitätsengpässe, es fehlt etwa an Personal für die Umsetzung von Kommunikations-Maßnahmen“, erläutert Dr. Elisabeth Dütschke, die das Projekt "WISE Power" am Fraunhofer ISI koordiniert.  „Zudem führen aus Sicht der Windenergiebranche die sich ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen wie die Einführung eines Ausschreibungssystems für die Stromerzeugung durch erneuerbare Energien zu großen Herausforderungen – die frühzeitige Aufnahme eines Diskussionsprozesses mit betroffenen Kommunen und Bürgern wird dadurch komplizierter."

Auf Grundlage der Erkenntnisse dieses und weiterer Workshops in den Partnerländern werden die sozialen Akzeptanz-Strategien (SAPs) validiert und weiterentwickelt. Anschließend werden sie in Gestalt eines interaktiven Tools allen relevanten Windenergie-Akteuren im Zusammenhang mit deren Projekten zur Verfügung gestellt, die daraus die für sich relevanten Erkenntnisse ableiten.

Bodo Höche / Fraunhofer ISI

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