„Gemeinsam die politische Lobbyarbeit gestalten“

04.09.2017

Die Fachverbände für Erneuerbare Energien haben vor Jahren erkannt, dass man gegenüber Politik und Öffentlichkeit bei vielen Themen mit einer Stimme sprechen sollte und engagieren sich deswegen im BEE als Dachverband. Auch auf Landesebene gehen immer mehr Landesvertretungen diesen Schritt, so auch der BWE-Landesverband Niedersachsen/Bremen und der Fachverband Biogas Regionalbüro Nord. Nach jahrelanger gemeinsamer politischer Arbeit bei Kampagnen und Stellungnahmen hat man sich in diesem Jahr dazu entschlossen, die Zusammenarbeit zu vertiefen und den Branchentag Erneuerbare Energien Niedersachsen-Bremen ins Leben gerufen. Silke Weyberg, Leiterin des FvB-Regionalbüro, sprach im Interview über die Zukunft der Bioenergie, wieso sie die Kooperation für wichtig und sinnvoll hält und an welchen Stellen man auf Widerstand stößt.

Frau Weyberg, Sie waren sieben Jahre Abgeordnete im Niedersächsischen Landtag und sind nun in der Verbandsarbeit tätig. Wie beeinflusst diese Erfahrung die Lobbyarbeit für die Erneuerbaren?

Silke Weyberg ist Leiterin Regionalbüro Nord Fachverband Biogas (Foto: FvB)

Silke Weyberg: Ich war schon vor meiner Abgeordnetentätigkeit im Verbandswesen tätig und konnte diese Erfahrungen in die politische Arbeit einbringen, was ich positiv fand. Nachdem ich selbst Abgeordnete war, habe ich ein besseres Verständnis für die parlamentarische Arbeit, deren Möglichkeiten und Grenzen bekommen. Ich kann bei meiner jetzigen Tätigkeit für den Fachverband Biogas die während der Abgeordnetenzeit geknüpften Vernetzungen nutzen und habe dadurch manchmal einen leichteren Zugang. Grundsätzlich ist der Wechsel von Perspektiven im beruflichen Leben sehr hilfreich. Daher weiß ich auch, wie wichtig es ist, dass sich Interessengruppen zusammenschließen, um überhaupt im politischen Geschäft Gehör zu finden.

Wo sehen Sie bei Ihrer Arbeit im Verband momentan die Hauptprobleme für die Bioenergie in Deutschland?

Weyberg: Produktion von Bioenergie ist günstiger als die konventioneller Energien, aber teurer als Wind und Sonne, da sie ständigen Input benötigt. Daher ist es wichtig, dass diese wertvolle Energie auch punktgenau zum Ausgleich der volatilen Energien Wind und Sonne eingesetzt wird. Viele Betreiber wollen ihre Anlagen flexibilisieren, stehen hier aber häufig vor Problemen mit Genehmigungen und Netzanschluss. Nachvollziehbare und umsetzbare Rahmenbedingungen sind daher wichtig. Das gilt auch grundsätzlich für die politische Perspektive. Hier gibt es momentan keine Verlässlichkeit, die jahrzehntelange Planungen kalkulierbar machen.

Die Bioenergie hat bereits vor Jahren ein hartes Los mit der Änderung des EEG getroffen, nachdem viele die Vermaisung der Landschaft beklagten. Reststoffverwertung ist das Zukunftsthema. Mit welchen Auswirkungen für die Branche?

Weyberg: Die effizienteste Energiepflanze ist nach wie vor der Mais. In einigen Regionen gibt es zu viel Mais, was zu Akzeptanzproblemen führt. Kurioserweise gibt es die Akzeptanzprobleme auch in Regionen mit lediglich 10 bis 20 % Maisanteil in der Fruchtfolge, was zeigt, dass hier gefühlte Faktoren eine große Rolle spielen. Reststoffe werden schon in der Vergärung eingesetzt und das Ausbaupotential ist nachweisbar gering, so dass wir es hier mit einem beschränkten und nur noch gering wachsenden Markt zu tun haben. Potentiale stecken gerade in Niedersachsen in der Gülle- und Mistvergärung. Hierdurch könnte der Treibausgasausstoß vermindert werden. Klar muss aber auch sein, dass der Energiegehalt einer Tonne Gülle viel geringer ist als der von Mais. Der Gülleeinsatz kann sich nur durch eine entsprechende Vergütung rechnen, beispielsweise eine Bepreisung des CO2-Ausstoß.

Seit Beginn Ihrer Arbeit für den FvB haben Sie großen Wert auf die Kooperation mit dem BWE gelegt. Wie sind die Reaktionen bei ihren Mitgliedern, wenn Sie die Leute auf die stärkere Kooperation mit dem BWE auf Landesebene hinweisen?

Weyberg: Die Zusammenarbeit wird immer positiver gesehen. Es gibt das Bestreben, gemeinsam die Energiewende zu gestalten. Zu Beginn meiner Arbeit habe ich noch Veranstaltungen erlebt, wo wir gegenüber der Politik die besonderen Vorteile der einen Sparte auf Kosten der anderen dargestellt haben, Wind und Sonne sind günstiger, Biogas speicherbar. Das geht natürlich gar nicht. In den letzten beiden Jahren ist aber die Erkenntnis gereift, dass man gemeinsam die politische Lobbyarbeit gestalten muss. Die Umsetzung müssen wir natürlich noch ein bisschen üben, aber ich bin mir sicher, dass wir durch persönliches Kennenlernen schnell weiter kommen werden. Gemeinsame Stellungnahmen und der Branchentag Erneuerbare Energien sind erste Schritte in die richtige Richtung.

Das Interview führte Linda Kabalan

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