UK möchte Förderung für Solarthermie stoppen

Werden auch ohne die RHI-Förderung noch Solarthermie-Anlagen in Großbritannien installiert werden? (Foto: The Solar Design Company)
Werden auch ohne die RHI-Förderung noch Solarthermie-Anlagen in Großbritannien installiert werden? (Foto: The Solar Design Company)
07.03.2016

Wenn im Jahr 2017 die Förderbedingungen des Programms Renewable Heat Incentive (RHI) überarbeitet werden, soll die Unterstützung für Solarthermie gestrichen werden. Das gilt für kleine sowie große Anlagen. Die britische Solar Trade Association (STA) und andere Industrieverbände kritisieren die neuen Pläne.

Eine Förderung für erneuerbare Wärme in Großbritannien, kurz RHI (Renewable Heat Incentive), wird überarbeitet, um das komplette Budget der Initiative bis 2021 zu reduzieren. In Nordirland wurde bereits Anfang Februar angekündigt, die gleichnamige Initiative komplett zu streichen. Seit dem 29. Februar 2016 können dort keine Bewerbungen mehr angenommen werden.

„Wenig Gegenwert fürs Geld“

Laut der britischen Solar Trade Association (STA) wurden seit Beginn des Programms im April 2014 nur 2.000 Solarthermieanlagen gefördert. Das entspricht weniger als einem Viertel des Solarthermiemarktes aus dem Jahr 2010. Während 17 % der erneuerbaren Wärmeproduzenten, die bis Dezember 2015 Förderung durch die RHI bekamen, Solarthermiesysteme waren, haben diese Anlagen nur 2 % aller mittels RHI geförderten Wärme geliefert. Da die Solarthermie gleichzeitig jedoch den höchsten RHI-Fördersatz erhält, macht sie das zur am wenigsten kosteneffizienten Technologie, verglichen mit Biomasse und Wärmepumpen. Eine Umfrage hat zusätzlich ergeben, dass die Hälfte der Bewerber für die RHI-Förderung laut eigener Aussage ohnehin eine Solarthermieanlage installiert hätten – unabhängig von der Förderung.  

Daher hat die DECC geschlussfolgert, dass „Solarthermie den Steuerzahlern wenig Wert für ihr Geld bietet“. Obwohl die Regierung die Vorteile der Solarthermie wie niedrige Investitionskosten und den Beitrag zur CO2-Reduzierung kennt, reichten diese offenbar nicht aus, um eine weitere RHI-Förderung zu begründen.

STA-Prognose: solare Wärme preislich gleichauf mit fossilen Brennstoffen

Im Gegensatz dazu kam die britische STA in einer Analyse zu dem Schluss, dass die Solarthermie bei den Wärmekosten gleichauf ziehen könnte, wenn der Sektor nur genug in Schwung kommt. Würden pro Jahr 200.000 Thermie-Anlagen auf Wohnhäusern installiert, ließe sich der Preis den Kosten für Wärme aus Strom oder fossilen Brennstoffen (zwischen 7,9 und 9,9 Pence/kWh) angleichen. Außerdem verzeichnete STA bei seinen Mitgliedern einen Anstieg bei den Kaufanfragen für Solarthermie um 88 % im Vergleich zu 2015.

Neben der Forderung, die Solarthermie weiter über das RHI-Programm zu unterstützen, möchte STA die Förderung auf Anwendungen wie solarthermische Raumheizungen ausweiten. Bisher galt diese nämlich nur für die Warmwasserbereitung.

Paul Barwell, Vorstandsvorsitzender der STA, kommentierte die geplanten RHI-Änderungen: „Der Vorschlag ergibt einfach keinen Sinn. Die Regierung erkennt die vielen Vorteile der Solarthermie an, schlägt aber trotzdem vor, sie als einzige aus dem Förderprogramm herauszunehmen. Da die erneuerbare Wärme im Vereinigten Königreich hoffnungslos hinter den Zielen zurückbleibt, sollte die Regierung vollauf hinter dieser Technologie stehen – als Teil eines strategischen Plans, die Wärmegestehungskosten für britische Familien dauerhaft zu senken.“ Barwell zeigte sich außerdem besorgt über die Botschaft, die die Streichung an die Haushalte senden werde, und um die Risiken für die Hersteller von solarthermischem Equipment.

Keine Förderung, keine Veränderungen?

Allerdings muss man sagen, dass das RHI-Programm in Großbritannien bei der Umsetzung solarthermischer Projekte oft ignoriert wird. (Sun & Wind Energy hat bereits darüber berichtet.) Entweder, weil die Förderung (z.B. bei Raumheizungen) ohnehin nicht angewendet werden könnte, oder aufgrund der zusätzlichen Kosten für die Akkreditierung des Installateurs und die umständliche bürokratische Genehmigung. Aufgrund dieser Tatsache lässt sich vermuten, dass es auch ohne Förderungen einen gesunden Markt für Solarthermie-Systeme geben wird.

Der Verband Heating & Hotwater Industry Council (HHIC) hat im April 2015 bereits auf die Differenz zwischen installierten Systemen und geförderten Systemen hingewiesen. Laut dem Vierteljahresbericht des DECC wurden damals insgesamt knapp 11.150 Anlagen für erneuerbare Wärmeproduktion durch das RHI gefördert. Damit kommt man auf ungefähr 1.000 Neuinstallationen pro Monat. Nach Berechnungen des HHIC wurden zu diesem Zeitpunkt monatlich jedoch schon rund 1.000 Wärmepumpen und ungefähr 500 Solarthermieanlagen installiert. Ein Großteil der Neuinstallationen schien also die RHI-Förderungen nicht zu nutzen.

Das vollständige Papier zur Überarbeitung des RHI-Programms vom DECC finden Sie hier: „Proposed reforms to the existing Domestic and Non-Domestic Renewable Heat Incentive schemes“ (89 Seiten).

Tanja Peschel

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