Prozesswärme: Solares Biogemüse vom Bodensee

Das Kollektorfeld ist direkt neben den Gewächshäusern installiert. Wegen des weichen Untergrunds wurde das Montagesystem 2,40 tief in den Boden gerammt. (Foto: Winkler Solar)

Das Kollektorfeld ist direkt neben den Gewächshäusern installiert. Wegen des weichen Untergrunds wurde das Montagesystem 2,40 tief in den Boden gerammt. (Foto: Winkler Solar)

29.06.2015

Seit 2012 fördert das Marktanreizprogramm  (MAP) große Solarthermieanlagen die Prozesswärme bereitstellen. Zwar wurden schon einige Anlagen gefördert, die waren im internationalen Vergleich aber vergleichsweise klein. Nun wurde auf einem Demeter-Hof mit 960 m² endlich eine richtig große Anlage gefördert.

Die neue Solarthermieanlage dient dazu, neun Gewächshäuser für den Biogemüseanbau zu heizen und zu entfeuchten.  Der 30-Hektar-Hof in Bohlingen am Bodensee wird von Thomas Keßler seit 1990 als Demeterhof geführt, zwei Jahre zuvor hatte er den Hof von seinem Vater übernommen.

Wärmebedarf auch im Sommer

Besonders geeignet für die Solarthermie sind seine Treibhäuser deshalb, weil sie jeden Tag mit Wärme versorgt werden müssen, selbst im Sommer, obwohl nur eine Temperatur von 16 bis 17 °C benötigt wird. Allerdings muss permanent die Luft entfeuchtet werden, wozu ebenfalls Wärme zum Einsatz kommt. Dazu wird die Luft mit einer vergleichsweise geringen Temperatur von 40 °C aufgeheizt, wodurch sie mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Die warme Luft mit der Feuchtigkeit verlässt dann über Lüftungsklappen das Gewächshaus, während gleichzeitig kühlere Luft in das Gewächshaus einströmt.

Insgesamt benötigt Keßler fast 1.500 MWh Wärme im Jahr. Schon seit über 10 Jahren setzt Keßler dafür auf Holz. 2004 installierte er eine Hackschnitzelheizung mit 300 kW Leistung und seit 2007 ergänzend auf eine Stückholzheizung mit 350 kW. Eine alte Ölheizung ist zwar noch vorhanden, allerdings nur als Reserve für Notfälle. Dank der neuen Solarthmieanlage muss nun im Sommer auch kein Holz mehr verbrannt werden.

Das Kollektorfeld ist direkt neben den Gewächshäusern aufgeständert und besteht aus VarioSol A Hochleistungskollektoren des österreichischen Unternehmens Winkler Solar. Der Bauherr wollte eigentlich Vakuumröhrenkollektoren installieren, ließ sich dann aber wegen der größeren Hagelsicherheit von Flachkollektoren überzeugen. Über seine Gewächshäuser hat der Landwirt auch vor Installation der Solarthermieanlage  schon seine Erfahrungen mit Hagelschäden gemacht.

Neuer Wärmespeicher für die Solarthermie

Für die Solarthermieanlage wurde ein neuer freistehender Pufferspeicher mit 42 Kubikmeter Volumen installiert. Er ergänzt einen bestehenden Wärmespeicher mit 30 Kubikmetern, der bereits für die Holzheizungen installiert war und daher nicht auf die Bedürfnisse der Solarthermie abgestimmt ist.  Im Gegensatz zum alten Speicher ist der neue Wärmespeicher mit zwei Entnahmepunkten ausgestattet. Am oberen Ende kann Wasser bei ungefähr 70 °C für die Beheizung entnommen werden, am unteren Ende kann dagegen ca. 40 °C warmes Wasser für die Entfeuchtung der Gewächshäuser entnommen werden.

Die Solaranlage speist vor allem den neuen Pufferspeicher, der alte Wärmespeicher, der auch nur eine Entnahmestelle bietet, wird nur bei großen Überschüssen beliefert. Die bisherigen Erfahrungen sollen sehr gut sein, Landwirt Keßler hat gerade erst einen dritten Pufferspeicher bestellt: Er will noch mehr Solarwärme nutzen.

Ohne die großzügige Förderung aus dem Marktanreizprogramm wäre die Anlage wohl nicht gebaut worden, selbst mit ihr ist die solarthermische Wärme noch ein kleinwenig teurer als aus der Hackschnitzelanlage. Allerdings geht Keßler davon aus, dass sich das in einigen Jahren ändert. Auch Holz wird teurer.

Jan Gesthuizen

 

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