Ertragsabhängige Förderung läuft gut an

22.10.2015

Als am 1. April die ertragsabhängige Förderung für Solarthermieanlagen eingeführt wurde, ging für viele ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung. Auch wenn die Förderung nicht so weit ging, wie man gehofft hatte. Wie sich nun zeigt, wird sie offenbar gut angenommen.

Das Marktanreizprogramm (MAP) bietet seit dem Frühjahr neben der regulären Förderung nach Kollektorfläche auch die Möglichkeit eine Vergütung in Abhängigkeit des Kollektorjahresertrags zu erhalten. Gewünscht hatten sich das große Teile der Solarthermiebranche schon lange. Wie das BAFA nun bekannt gegeben hat, werden inzwischen 30 % aller Förderanträge großer Solarthermieanlagen über diese ertragsabhängige Förderung gestellt.

Ertragsabhängig nur für große Solarthermie

Wichtig ist dabei das Adjektiv „groß“, denn für kleine Anlagen gibt es diese Förderoption noch nicht. Im regulären Gebäudebereich erhalten lediglich Solarthermieanlagen mit Kollektorfeldern von 20 bis 100 m² diese Förderung (Förderübersicht). Auch Prozesswärmeanlagen können ertragsabhängig gefördert werden, spielen dabei aber bisher noch keine große Rolle. Wegen der längeren Projektlaufzeiten, ist das aber nicht wirklich verwunderlich.

Grund dafür ist, dass die Förderung pauschal nach dem berechneten Kollektorjahresertrag am Standort Würzburg vergeben wird. Dieser ist auf dem SolarKeymark-Datenblatt vermerkt, das in Deutschland Voraussetzung ist, damit ein Kollektor überhaupt in irgendeiner Form förderfähig zu sein.

Allerdings wurde das Datenblatt erst vor wenigen Jahren um die Jahreserträge ergänzt. Zuvor waren lediglich weniger eingängige Werte vermerkt. Dies, so war es im April aus dem Wirtschaftsministerium zu hören, sei auch der Grund gewesen, erst einmal nur bei dem vergleichsweise kleinen Marktsegment der Großanlagen die ertragsabhängige Förderung zu testen.

Interview zum Marktanreozprogramm auf der ISH 2015 mit Thorsten Herdan (BMWi)

So soll Unternehmen Zeit gegeben werden ihre älteren Datenblätter zu aktualisieren, um dann für ein Ausrollen der ertragsabhängigen Förderung in der Breite gewappnet zu sein. Der benötigte Referenzwert ist aber grundsätzlich sehr leicht und schnell zu berechnen. Der Bereich große Solarthermieanlagen dient somit auch in erster Linie als Test in einem kleinen Umfeld.

Solarertrag wird nicht gemessen

Wichtig zu wissen ist zudem, dass der Begriff „ertragsabhängig“ ein wenig missverständlich ist. Da lediglich der berechnete Wert für den Standort Würzburg bei fest definierten Bedingungen die Grundlage der Förderung bildet, hat sie im Grunde nur indirekt mit dem Ertrag der Solarthermieanlage zu tun.

Der Würzburger Wert sagt etwas über die Effizienz des eingesetzten Kollektors aus und ordentliche Solarkollektoren sind natürlich Grundvoraussetzung für einen hohen Ertrag der gesamten Solarthermieanlage. Nur besteht eine Heizung eben noch aus viel mehr Komponenten. Die Hydraulik, Speicher, Regelung und vieles mehr erfasst die ertragsabhängige Förderung nicht.

Mehr Geld für gute Solarkollektoren

Korrekter wäre es daher wohl von einem Förderprogramm für Premiumkollektoren zu sprechen, denn die sogenannte ertragsabhängige Förderung ist nur dann interessant wenn der Kollektor einen vergleichsweise ordentlichen Jahresertrag liefert.

Anträge für das Marktanreizprogramm:

  2014 2015

 

Solarthermie

Biomasse

Wärmepumpe

Solarthermie

Biomasse

Wärmepumpe

Januar

1.910

2.667

511

1.151

1.960

350

Februar

1.496

2.197

497

1.012

1.651

366

März

1.686

2.192

472

994

1.467

466

April

1.898

1.891

503

1.523

1.393

1.087

Mai

2.156

1.963

412

2.001

1.451

1.474

Juni

2.071

1930

347

2.728

1.884

1.776

Juli

2.372

2.195

355

3.087

2.118

1.881

August

2.093

2.080

323

2.644

1.981

1.603

September

2.151

2.423

435

2.481

2.037

1.541

Aber auch hier gibt es eine Einschränkung. Denn die ertragsabhängige Förderung wird immer nach dem gleichen Muster gezahlt. Der Kollektorjahresertrag wird jeweils mit 0,45 € multipliziert und ergibt so die jeweilige Fördersumme. Dabei ist es unerheblich, ob die Anlage lediglich für die Warmwasserbereitung oder aber für eine Kombianlage genutzt wird, die auch die Heizung unterstützt.

Die Grundförderung sieht hiereigentlich unterschiedliche Sätze vor, da Warmwasseranlagen vergleichsweise günstiger sind. Die ertragsabhängige Förderung macht diesen Unterschied nicht, sodass hier auch schon mit sehr durchschnittlichen Kollektoren eine höhere Förderung zu bekommen ist. Kollektoren, die für Warmwasseranlagen einen zu niedrigen Jahresertrag haben, um hier zu profitieren, sind etwa in unserer Datenbank nahezu keine zu finden.

Jan Gesthuizen (@jgesthuizen)

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