Büsingen wird als Energie-Kommune des Monats ausgezeichnet

Die Solarthermiekollektoren rund um die Heizzentrale und an deren Fassade decekn 12 %des örtlichen Wärmebedarfs. (Foto: solarcomplex)
Die Solarthermiekollektoren rund um die Heizzentrale und an deren Fassade decekn 12 %des örtlichen Wärmebedarfs. (Foto: solarcomplex)
24.02.2017

Die Agentur für Erneuerbare Energien hat die baden-württembergische Gemeinde Büsingen als Energie-Kommune des Monats ausgezeichnet. In der Ortschaft mit 1.300 Einwohnern werden seit dreieinhalb Jahren 107 Haushalte sowie alle öffentlichen Gebäude mit Wärme aus einer Kombination von Solarthermie und Bioenergie versorgt. Ein 6 km langes Nahwärmenetz liefert die Wärme frei Haus.

„Durch den Betrieb der Holzhackschnitzelanlage in Kombination mit Solarwärme gelingt es dem Bioenergiedorf Büsingen rund 450.000 l Heizöl und 1.200 t CO2 jährlich einzusparen“, erklärt Nils Boenigk, stellvertretender Geschäftsführer des Agentur für Erneuerbare Energien e.V.

Entstanden ist das Projekt aus dem Wunsch der Gemeinde sich adäquat für die Zukunft zu wappnen. Nachdem man frühzeitig die Bürger in die Planung mit eingebunden und sich eine große Zahl von Unterstützern und Anschlussnehmern gesichert hatte, erfolgte die Realisierung durch die solarcomplex AG, einem Unternehmen aus der Region. Dieses kümmerte sich nicht nur um die Planung und den Bau, sondern betreibt die Anlage und das Nahwärmenetz auch gegenwärtig noch.

Das Nahwärmenetz in Büsingen ist seit 2012 in Betrieb, die Solarthermieanlagen wurden 2013 angeschlossen. Ein 1.090 m² großes Solarthermie-Kollektorfeld erzeugt 12 % der Wärme, vorwiegend für den Bedarf im Sommer. Der größte Teil der Vakuumröhrenkollektoren befindet sich auf zwei Freiflächen, aber auch die Fassade der Heizzentrale ist mit Kollektoren bestückt. Die restlichen 88 % Wärme stellt ein Hackschnitzelheizwerk mit einer Leistung von 1.350 kW zur Verfügung. Zwei Speicher mit der Kapazität von je 50 m³ Warmwasser unterstützen die Versorgung.

Der Holzbedarf der Gemeinde Büsingen wird durch den Einsatz der solarthermischen Anlage jährlich um viele Kubikmeter Holz gesenkt und ermöglicht so Einsparungen bei den Betriebskosten. Die Solarthermie vermeidet unwirtschaftliche Teillastbetriebszustände und schafft Zeit für Wartungen an der Holzhackschnitzelheizung.

Profitieren konnte die Kommune von Förderungen durch das Land Baden-Württemberg aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und einem zusätzlich KfW-Darlehen Teilschulderlass. Der restliche Anteil wurde aus dem Aktienkapital des Betreibers finanziert. Die Investitionskosten für das Tandem von Bio- und Solarenergie sind gegenüber dem Heizen mit nur einem System erst einmal höher, werden durch die verminderten Brennstoffkosten allerdings schnell ausgeglichen.

Ein ausführliches Online-Portrait zum Nahwärmeprojekt in Büsingen finden Sie auf kommunal-erneuerbar.de

Philipp Kronsbein / Agentur für Erneuerbare Energien