SHK Essen: Wärmepumpen top, Solarthermie flop

Brennwertechnik für Pelletskessel liegt im Trend. Hier der neue Brennwert-Wärmetauscher mit automatischer Reinigungsfunktion von Fröling. (Foto: Jens-Peter Meyer)
Brennwertechnik für Pelletskessel liegt im Trend. Hier der neue Brennwert-Wärmetauscher mit automatischer Reinigungsfunktion von Fröling. (Foto: Jens-Peter Meyer)
14.03.2016

Unser Autor war auf der diesjährigen Heizungs- und Sanitärmesse SHK Essen unterwegs und berichtet von den Auswirkungen der EnEV und des ErP-Labels auf die Markttrends. Die Stimmung bei den Wärmepumpen war gut und im Großen und Ganzen war die Lage bei Pelletskesseln stabil. Die Solarwärme fand sich dafür allerdings nur unter „ferner liefen“.

Die Verschärfung der EnEV, die seit Jahresbeginn in Kraft ist, wirkt sich schon aus. Bisher winkten viele Bauträger oder Planer ab, wenn es darum, ging eine effiziente und damit teure Wärmepumpe in ihre Planung einzubeziehen. Die Heizung sollte meistens möglichst wenig kosten. Jetzt sei das anders, wie Nico Moldenhauer feststellt, der den Vertrieb für Deutschland beim österreichischen Wärmepumpenspezialisten Ochsner leitet. Denn nun kalkulierten die Bauträger ganz genau, wie sich die Effizienz der Wärmepumpe in den Gesamtkosten zu Buche schlägt. Lohnt es sich eine gute Wärmepumpe einzusetzen und dafür weniger Dämmung zu verwenden? Oder ist es besser das Gebäude in eine effizientere Klasse zu bringen, um bessere KfW-Förderkonditionen zu erhalten? Egal wie die Antwort ausfällt, gute Wärmepumpen haben nun bessere Karten als früher.

Kompaktes für den Neubau

Oft ist der Platzbedarf im Neubau beschränkt. In Gebäuden ohne Keller muss die ganze Heiztechnik im Haustechnikraum untergebracht werden. Für solche Einbausituationen eignen sich ganz besonders Kompaktgeräte, die den Wärmespeicher und die Heizkreisgruppen mit den Wärmepumpenkomponenten in einem Geräte vereinen. Sonnenkraft hat ein solches Gerät als Split-Luftwärmepumpe neu im Programm. Auch bei Ochsner ist dieser Tower neu. Hier kann der Kunde beim Außenteil zwischen dem sehr effizienten Air Eagle oder einer kostengünstigen Lösung aus der Basic-Reihe wählen.

Auch Pelletskessel können so klein und kompakt sein, dass sie in den Haustechnikraum passen. Der raumluftunabhängige Nano PK von Hargassner leistet bis zu 15 kW. Er verfügt laut Hersteller über eine DiBt-Zulassung, die die Aufstellung in Wohn- oder Haustechnikräumen erlaubt. Ein speziell entwickelter 210-L-Warmwasserspeicher wird direkt neben dem Pelletskessel platziert. Das erlaubt eine schnelle Montage und passt optisch perfekt.

Der wichtigere Markt für Pelletskessel ist aber die Heizungssanierung und die kommt nach wie vor nicht voran. Nicht zuletzt darum ist der Marktanteil von Pelletskesseln am Gesamtwärmerzeugermarkt zuletzt gesunken. Doch Insider der Branche gehen davon aus, dass die Pelletsspezialisten gar nicht so viel verloren haben. Der Marktrückgang geht zu Großteil zu Lasten der bekannten großen Heizungstechnikmarken. Denn die konzentrieren sich zurzeit wieder auf die fossilen Brennstoffe Gas und Öl. Ein Eindruck den ein Messerundgang in Essen bestätigt. So viele neue Gas- und Ölkessel waren lange nicht zu sehen. Auf der anderen Seite spielt die Solarwärme eine immer geringere Rolle in den Messeauftritten – von Neuheiten ganz zu schweigen.

Brennwerttechnik im Trend dank MAP

Ein neuer Trend bei Pelletskesseln ist der Einsatz von Brennwerttechnik. Das ist eigentlich nichts Neues. Ökofen hat zum Beispiel schon 2004 den ersten Pellets-Brennwertkessel herausgebracht. Lange verharrte die Technik in der Nische. Doch nun sind die Förderbedingungen im Marktanreizprogramm so gut, dass der Staat praktisch die Mehrkosten für die Brennwerttechnik übernimmt. Ökofen hat die Brennwerttechnik auf die größeren Kessel bis 64 kW Leistung ausgedehnt. In einer Kaskade von vier Pellematic Maxi Kesseln sind so 256 kW mit Brennwerttechnik realisierbar.

Neu ist auch ein Brennwert-Wärmetauscher bei Fröling. Er kann bei Hackschnitzelkesseln bis 50 kW, bei Pelletskesseln bis 48 kW und bei Scheitholzkesseln bis zu 28 kW eingesetzt werden. Sowohl bei Ökofen als auch bei Fröling ist der Brennwert-Wärmetauscher mit einer automatischen Reinigung ausgestattet. Neben der Steigerung der Effizienz durch den Brennwerteffekt kommt ein weiteres Plus dazu: Die Kondensation des Wasserdampfes aus dem Rauchgas filtert Feinstaubbestandteile heraus und verbessert so die Umweltbilanz der Kessel.

Neben der Verschärfung der EnEV sollte eigentlich auch eine neue EU-Verordnung Auswirkungen auf den Heizungsmarkt haben. Seit September 2015 gilt die Pflicht zum ErP-Label. Doch dieses Effizienzlabel scheint bisher keine Rolle zu spielen. Insider berichten, dass es von vielen Handwerksbetrieben schlichtweg ignoriert wird. Weniger als 20 % der Heizungsbauer kämen bei ihren Angeboten der Pflicht nach, das Verbundlabel anzugeben. So die Einschätzung der momentanen Situation.

Jens-Peter Meyer

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