Begrenzt erneuerbar

Glen Dimplex Thermal Solutions will mit einem hochwertigem Design seiner Außeneinheiten der Luftwärmepumpen punkten. (Foto: Jens-Peter Meyer)
Glen Dimplex Thermal Solutions will mit einem hochwertigem Design seiner Außeneinheiten der Luftwärmepumpen punkten. (Foto: Jens-Peter Meyer)
18.03.2017

Aus Sicht der erneuerbaren Energien bot die ISH viele im neuen Design herausgeputzte Wärmepumpen. Hybridheizsysteme gewinnen genauso wie Power-to-Heat-Systeme an Bedeutung. Solarthermie rutscht immer mehr zum netten, aber nicht notwendigen Beiwerk ab.

Früher präsentierten Unternehmen auf Messen ihre neuen Produkte. Heute präsentieren sie stylish aufgepeppte Touchdisplays. Hier kann der interessierte Fachhandwerker durch die neuen Möglichkeiten der digitalen Welt surfen: Mit drei Klicks zum Angebot, dem kein Kunde widerstehen kann. Bei aller Berechtigung der Heizungsindustrie die neuen Mittel zu nutzen und ihre Handwerkspartner optimal im Vertrieb zu unterstützen: Fast scheint es als wäre mittlerweile das „Wie“ wichtiger als das „Was“ beim Verkauf von Heizungstechnik. Ob dieses Vorgehen den Herausforderungen gerecht wird, die eine Wärmewende für die Branche bedeutet? Die immer noch dominierenden mit fossilen Brennstoffen befeuerten Kessel setzen da ein anderes Zeichen.

Und doch bietet eine Weltleitmesse wie die ISH natürlich auch innovative Neuheiten im Sektor der erneuerbaren Wärmequellen. Heliotherm hat zum Beispiel eine modulierende Erdwärmepumpe entwickelt, die R290 als Kältemittel nutzt. Dabei handelt es sich um Propan. Dieser Stoff hat einen sehr geringen GWP-Wert, trägt also viel weniger zur Klimaerwärmung bei die herkömmlichen, fluorierten Kältemittel. Auch der SCOP kann sich sehen lassen: Er erreicht im mittleren Klima einen Wert von 6,7.

Auch bei den Hybridheizsystemen, die Wärmepumpen mit weiteren Wärmeerzeugern kombinieren, war eine neue Lösung zu sehen. Guntamatic hat einen Scheitholzvergaserkessel mit einer Luftwärmepumpe gekoppelt. Im Sommer und in der Übergangszeit, wenn die Luftwärmepumpe effizient arbeitet, steht der Scheitholzkessel still. Im Winter aber spielt er seine Vorteile aus. Die Regelung kann zudem so eingestellt werden, dass die Luftwärmepumpe nur einen einem COP von mehr als 4 anspringt. Die Idee hinter dem Produkt ist aber vor allem, dass die Hybridlösung deutlich mehr Komfort bietet als der reine Scheitholzvergaser. Denn die Hausbewohner können damit das Nachlegen des Scheitholzes ganz nach ihrem Gusto gestalten. In Kombination mit einer PV-Anlage kann die neue Hybridlösung auch Stromüberschüsse nutzen. Das ging beim bisherigen Hybridsystem aus Luftwärmepumpe und Pelletskessel nicht, da hier kein Wärmespeicher vorgesehen ist.

Neue Wärmepumpen verfügen über eine SG-ready Schnittstelle, über die sie von einem Energiemanagementsystem angesteuert werden, wenn PV-Stromüberschüsse zur Verfügung stehen. Yellowstone Soft hat nun eine Lösung entwickelt, um auch Bestandswärmepumpen ohne SG-ready Funktion in das Energiemanagement einbinden zu können. Das Energiemanagementsystem Cloudy Heat wird an den Temperatursensor der Wärmepumpenregelung angeschlossen und kann damit den Betrieb der Wärmepumpe so beeinflussen, dass PV-Überschüsse optimal genutzt werden.

Strom und Wärme wachsen zusammen

Nicht nur die Wärmepumpe kann PV-Überschüsse nutzen. Einfache Elektroheizstäbe sind die kostengünstige Alternative. Oventrop hat eine neue Variante seiner Energiespeicher-Zentrale Regucor herausgebracht. Sie besteht aus einem Pufferspeicher, einer Frischwasserstation und einer Heizkreisgruppe. Anstelle der Solarwärmebaugruppe kann nun auch ein Power-to-Heat-Modul integriert werden, das aus der Leistungselektronik, der Wirkleistungserfassung und einem Elektroheizstab besteht. Es besteht auch die Möglichkeit einen zweiten Heizstab im Pufferspeicher anzusteuern. Dann kann der PV-Überschuss entweder oben oder unten im Speicher in Form von Wärme gespeichert werden. Auch Resol hat mit dem DeltaTherm PV nun eine Steuerung für Elektroheizstäbe im Programm, die wechselrichterunabhängig PV-Überschüsse erkennen und verwerten kann.  

Allein mit der Solarstromanlage ist Stromautarkie nicht zu erreichen. Der Pelletsspezialist Ökofen hat daher ein Paket entwickelt, das aus PV-Anlage, Batteriespeicher und einem Pellet-Stirling-BHKW besteht. Das BHKW bietet 9 KW thermische und 600 W elektrische Nennleistung. Damit ein vollständig stromautarkes Haus realisierbar, das auch zu 100 Prozent mit erneuerbarer Wärme versorgt wird.

15 bis 22 kW thermische und 500 W elektrische Leistung erzielt das Nano-BHKW e-Kaminofen. Der wassergeführte Wohnraum-Scheitholzofen von HE Energy soll Ende 2017 auf den Markt kommen und erzeugt Strom mithilfe von Thermoelementen.

Und die Solarthermie? Die geringe Messepräsenz spiegelt die schlechte Marktentwickung. Neu bei Viessmann sind Heatpipe-Vakuumröhrenkollektoren, die auch bei horizontaler Montage über eine Temperaturbegrenzung verfügen. Der Vitosol 300-TM; schaltet bei 150 °C ab. Die dickeren Röhren des Vitosol 200-TM begrenzen die Temperatur bei 170 °C. Die Belastung für die glykolhaltige Wärmeträgerflüssigkeit wird so deutlich verringert. Ein neuer Flachkollektor, der einen hochkant eingebauten Mäander mit Sammelrohr enthält, ergänzt bei Wagner Solar das Portfolio. Neu ist hier vor allem die werkzeuglose Steckverbindung. Bei Greenonetec ist der Tankkollektor Solcrafte nun in der Ausführung Blue Edition zu haben. Eine spezielle Beschichtung sorgt dafür, dass der Tank auch bei einer schlechten Wasserqualität lange hält.

Jens-Peter Meyer