„Wir zielen auf Nischen und auf Service“

Mathias Mader startete im Jahr 2002 nebenberuflich zu seinem Elektrotechnik-Studium mit der Planung von PV-Anlagen, für die er bereits Solarmax-Wechselrichter einsetzte. Von 2005 bis 2008 war er CTO der SonnenEnergy Corp. Toronto (Börsengang Ende 2006), von 2008 bis 2014 CEO der Firma actensys GmbH. Seit 2011 ist Mader CEO der RenerVest GmbH, seit 2015 außerdem CEO der SolarMax-Gruppe. (Foto: Solarmax)
Mathias Mader startete im Jahr 2002 nebenberuflich zu seinem Elektrotechnik-Studium mit der Planung von PV-Anlagen, für die er bereits Solarmax-Wechselrichter einsetzte. Von 2005 bis 2008 war er CTO der SonnenEnergy Corp. Toronto (Börsengang Ende 2006), von 2008 bis 2014 CEO der Firma actensys GmbH. Seit 2011 ist Mader CEO der RenerVest GmbH, seit 2015 außerdem CEO der SolarMax-Gruppe. (Foto: Solarmax)
08.12.2015

Seit Juli sind Wechselrichter der Marke SolarMax wieder im Markt, seit September werden die Geräte mit der Technologie von Sputnik Engineering wieder hergestellt – in Burgau in der bayerischen Region Schwaben. Der Sitz des Unternehmens liegt 20 km entfernt in Ellzee. Die SolarMax-Gruppe hat von der insolventen Sputnik Engineering AG alle Markenrechte, das Produktionsequipment sowie die Servicestandorte im sächsischen Annaberg-Buchholz und in Salez in Sankt Gallen übernommen. Über die Ausrichtung des Unternehmens und die Pläne für die Zukunft sprach SW&W mit dem Geschäftsführer Mathias Mader. Mader kennt sich aus mit Geräten der Marke Solarmax, schließlich nutzt er sie bereits seit 2002 und gestaltet nun den Neuanfang mit.

SW&W: Herr Mader, welches Portfolio bietet Solarmax im Wechselrichtermarkt?

Mathias Mader: Die ganze Bandbreite vom einphasigen 2-kW-Wechselrichter bis zur 600-kW-Maschine. Wir haben die modernste Generation der Stringwechselrichter von Solarmax übernommen, die produzieren wir derzeit. Im Bereich der Zentralwechselrichter gab es eine Neuentwicklung, die wir nun zur Serienreife bringen und zertifizieren. Wir haben weitere Entwicklungen in Arbeit, aber dazu kann ich noch keine Details nennen. Doch spätestens zur Intersolar kommen wir damit raus.

SW&W: Wie wird die Marke Solarmax nach dem Neuanfang wahrgenommen?

Mader: Da gab es zunächst einen Kongress in Olten in der Schweiz, wo die Nachricht sehr positiv aufgenommen wurde, dass es mit Solarmax weitergeht. Der Marktanteil in der Schweiz liegt ja bei 45 Prozent, und viele hatten noch gar nicht realisiert, dass der Hersteller insolvent war. Seit Juni liefern wir in der Schweiz und Deutschland wieder aus, und das Feedback ist sehr positiv, obwohl es auch Skeptiker gab, die fragten: Was machen die anders als vorher?

SW&W: Was machen Sie anders?

Mader: Wir haben die Kostenstruktur im Vergleich zu Sputnik deutlich reduziert, arbeiten jetzt mit 60 statt 350 Mitarbeitern. Wir haben die Zeit, die uns der Gerätebestand gelassen hat, genutzt, um die Effizienz der Produktion und die Qualitätssicherung zu verbessern. Die Prozesse sind gestrafft, dokumentiert und auch die Zertifizierung nach ISO 9001 ist durch. Der Anspruch ist die Null-Fehler-Produktion und ein hoher technologischer Standard. Es ist auch nach wie vor so, dass ein Wechselrichter „made in Germany“ bei den Kunden gut ankommt. Im Vertrieb setzen wir übrigens auf erfahrene Sputnik-Partner, die unsere Technologie und die Geräte sehr gut kennen und den Kontakt zu den Kunden haben.

SW&W: Demnach ist nur ein kleiner Teil des ehemaligen Teams bei Solarmax geblieben . Wie viel Kompetenz ist geblieben?

Mader: Sehr viel, vor allem in der Entwicklung und beim Service können wir auf erfahrene Mitarbeiter bauen. In unserer neuen Umgebung in  Schwaben findet man zudem gute Fachkräfte, die bereits in der Elektronik oder Geräteendmontage gearbeitet haben.

SW&W: Wie ist es eigentlich möglich, im umkämpften Markt eine Produktion neu aufzubauen?

Mader: Das ist recht einfach: Unser Businessplan zielt zum einen auf Nischen, wie bei einphasigen Geräten für das Repowering. Zum anderen geht es uns nicht nur um Neugeräte: wir haben ein Portfolio von vier Gigawatt mit Sputnik-Geräten im Markt, für die wir Reparatur- und Austausch-Service anbieten. Wir haben im Werk eine eigene Straße für einen qualitätsgesicherten Reparaturprozess. Ein sauber definierter Prozess wird ein wichtiges Thema der Zukunft sein, denn die Versicherer der Anlagen werden danach fragen, wer nach welchen Standards die Geräte repariert hat – und ob der Service überhaupt vom Hersteller lizensiert ist.

SW&W: In welcher Zeitspanne laufen Reparatur und Austausch im Störungsfall ab?

Mader: Service muss schnell und sicher sein. Wir haben dafür nicht nur unseren Austauschpool von mehreren Tausend Geräten, sondern auch Partner, die im Störungsfall ein passendes baugleiches Austauschgerät dabei haben und das Defekte in den Reparaturprozess geben. Bei Zentralwechselrichtern passiert das Gleiche mit defekten Modulen. Die Anlage arbeitet gleich wieder, die Reparatur kann gründlich und qualitätsgesichert ablaufen, und das überholte Gerät kommt wieder in den Pool. Es kommt hier auch vor, dass wir Fremdgeräte austauschen, was aufgrund eines hohen Auslegungsbereichs auch geht. Aber das muss natürlich beim Netzbetreiber gemeldet werden. Diesen Service können wir inzwischen neben der Schweiz und Deutschland mit Partnern in Tschechien, Italien, Spanien, Frankreich und UK anbieten.

SW&W: Wie hoch sind nach Ihrer Erfahrung die Ausfallquoten?

Mader: Die sind je nach Gerätetyp etwas unterschiedlich, aber sehr gering. Nach unseren Marktumfragen kommt es bei 0,5 bis 2 Prozent einer Serie zu Störungen. Das ist leistungs- und typabhängig, im Einzelfall haben aber auch die Auslegung der Wechselrichterleistung durch den Installateur und die Umgebungsbedingungen ihren Einfluss.

SW&W: Gibt es eine Altersgrenze für die Reparatur?

Mader: Zunächst geht es ja um die Geräte in der Garantiezeit, die wir preisgünstig und zuverlässig reparieren müssen. Aber auch fünf bis sechs Jahre alte Wechselrichter sind noch gut brauchbar, und es macht Sinn, sie wieder instand zu setzen. Wenn ein Gerät zum Beispiel acht Jahre alt ist, kommt man in den Bereich, wo der bessere Wirkungsgrad, die bessere Performance eines neuen Wechselrichters die Investition in ein Neugerät sinnvoller erscheinen lassen.

SW&W: Klar, Solarmax will auch im Neugeräte-Markt punkten – in Europa oder darüber hinaus?

Mader: Der Schwerpunkt ist Europa, vor allem bei unseren String-Wechselrichtern. Das sind technologisch hervorragende Geräte, die wir im europäischen Markt bei Repowering und anspruchsvollen Neuinstallationen einsetzen. Allerdings fertigen wir im Vergleich zu Sputnik in reduzierten Stückzahlen. Das Produktionsequipment wurde zwar komplett übernommen, aber ein Teil der Linien ist eingelagert und kann bei Bedarf reaktiviert werden. Derzeit können im Jahr etwa 42.000 Geräte vom Band laufen, das sind ungefähr 200 MW. Wenn der europäische Markt ein Wachstumsszenario erlebt in den kommenden Jahren, können wir auch die Fertigung schnell auf 700 MW steigern. Aber zunächst wollen wir attraktive Nischen besetzen. Wir wollen intelligente Geräte, die das Energiemanagement in der Industrie und den Speicherbetrieb unterstützen.

SW&W: Wie wichtig sind Speicher – inzwischen ist klar, dass die Förderung in Deutschland doch fortgesetzt wird – für die Auftragslage ihrer Kunden im Handwerk?

Mader: Das ist ganz unterschiedlich, wir haben Kunden, die jede zweite Anlage mit Speicher bauen, manche liegen bei 80, manche nur bei 10 Prozent. Mitunter wird zunächst die PV-Anlage gebaut, der direkte Eigenverbrauch längere Zeit gemessen und erst dann ein passender Speicher ergänzt.

SW&W: Können Sie sich vorstellen, ein komplettes Speichersystem anzubieten?

Mader: Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Es kommt ja darauf an, den Installateur zu unterstützen mit einer Systemlösung inklusive Energiemanagement. Wir sind da noch in der Identifikation. Ich bevorzuge eine Systemlösung mit unserem Branding, doch bei der Entwicklung beschränken wir uns auf unsere Kernkompetenz. Bei der Batterietechnik kommen für mich nur ganz wenige Lösungen in Frage, und ich möchte, dass der Hersteller der Batterie auch das Batteriemanagement macht – sonst hat man im Feld Startschwierigkeiten, die dem guten Ruf der Marke schaden können.

Das Interview führte Ralf Ossenbrink.

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