PV-Markt Türkei: Kräftiger Zubau erwartet

Solarpark im türkischen Kayseri in Anatolien (Foto: Schletter)
Solarpark im türkischen Kayseri in Anatolien (Foto: Schletter)
27.01.2016

Branchenvertreter rechnen mit einem kräftigen Wachstum der Photovoltaik am Bosporus. Erwartet wird für dieses Jahr ein Zubau von mindestens 500 MW. Auf der größten türkischen Energiemesse, der ICCI, findet denn auch Ende April erstmals ein Sonderforum-Solarenergie statt.

„Der Markt hat in diesem Jahr das Potenzial die Zubaumarke von 500 MW zu knacken“, sagt Josefin Berg, Analystin beim Beratungsunternehmen IHS. Denn es sei damit zu rechnen, dass in 2016 und 2017 verstärkt Großprojekte mit mehr als 1 MW Leistung ihre Lizenzen zugeteilt bekämen und realisiert werden könnten. Die erste Tranche für die lizensierten Großanlagen beträgt insgesamt 600 MW.

Unternehmen wie Schletter, die über Tochterfirmen in der Türkei verfügen, zeigen sich auf Anfrage von Sonne, Wind & Wärme optimistisch über die dortigen Geschäftsaussichten. „Wir erwarten für 2016 eine Marktgröße von etwa 500 MW und hoffen, dass wir unsere gute Position weiter ausbauen können“, untersteicht Christian Salzeder, Leiter des Business Developments. Im vergangenen Jahr habe der Zubau insgesamt bei 250 MW gelegen, wovon man etwa 70 MW geliefert habe. Aktuell baue und liefere man vor allem für lokale EPC`s und Investoren, so zwei Tracker-Projekte mit einer Größe von 11,5 MW im anatolischen Kayseri und 5 MW in Isparta. „Außerdem beliefern und bauen wir gerade fest aufgeständerte Freiflächen von etwa 20 MW auf diversen Projekten in Mersin, Isparta und anderen Regionen“, berichtet Salzeder. Auch bei Dachanlagen ziehe die Nachfrage in 2016 an. Generiert werde das Geschäft über die lokale Tochterfirma. Salzeder rechnet damit, dass sich das Photovoltaik-Marktwachstum in der Türkei mittelfristig bei 1 GW jährlich einpendelt. Damit erreiche der türkische Markt künftig etwa die Bedeutung von Südafrika, Brasilien oder Russland. Allerdings müsse er recht aufwändig lokal bedient werden und sei nur schwer von außen zugänglich. „Für uns als Firma wird aber die Türkei als Bindeglied zwischen Ost und West zusätzliche Bedeutung bekommen“, betont Salzeder.

Besteuerung von Importmodulen

Ähnlich optimistisch äußert sich IBC-Solar. „Für 2016 liegt das Ziel der installierten PV-Kapazität bei 800-900 MW, wobei wir einen Marktanteil von 10 Prozent erzielen möchten. Aktuell stehen unsere Chancen gut, dieses Ziel zu erreichen“, sagt Bülent Yildiz, Managing Director bei IBC Solar Türkiye. Die im Dezember in Kraft getretene Besteuerung von Import-Modulen in der Türkei tangiere das Projektgeschäft in aller Regel nicht. Denn die Investoren könnten eine Mehrwertsteuer-Befreiung, auch der importieren Module beantragen. Betroffen seien dagegen kleinere Projekte, für die eine Beantragung der Steuerberfreiung zu aufwändig sei. Offensichtliche verfolge die türkische Regierung die Absicht, gerade in diesem Segment, die Verwendung lokal produzierter Module zu fördern. Momentan liege die Gesamtkapazität türkischer Modulhersteller bei rund 300 MW.

„Wir sehen, dass aktuell viel passiert, sagt Stefan Müller, Vorstand von Enerparc. Jüngst habe man eine Vereinbarung mit einem Investor getroffen, der sich schon Rechte und Grundstücke für Solarparks mit einer Leistung von 100 MW gesichert habe. Auch Can Sözen, Chef des türkischen Systemanbieters Zenit Enerji mit Sitz in Izmir, zeigt sich optimistisch und rechnet mit einem PV-Geschäft von bis zu 100 MW für 2016. Entscheidend sei jedoch die Sicherung der Finanzierung von Projekten, auch über eine verstärkte Kooperation mit ausländischen Investoren.

„Wir wollen mit einem Solarenergie-Sonderforum bei der ICCI eine Plattform für Investoren und die Industrie bieten, um das Photovoltaik-Potenzial in der Türkei verstärkt zu erschließen“, sagt denn auch Murat Özer, der stellvertretende Generaldirektor der Hannover Messe Türkei. Die 22. Internationale Energie- und Umweltmesse und Konferenz (ICCI) findet vom 27.-29. April in Istanbul statt und gilt als das wichtigste Energieevent in der Türkei und der Region. Erwartet werden über 340 Aussteller und mehr als 16.000 Fachbesucher.

Hans-Christoph Neidlein

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