PV-Markt 2018: „Das moderate Wachstum kann für mehr Qualität sorgen“

Sonepar-Geschäftsführer Thomas Laur fordert eine faire und sachgerechte Aufklärung der Bevölkerung über die Vorteile und Möglichkeiten der erneuerbaren Energien. (Foto: Sonepar)
Sonepar-Geschäftsführer Thomas Laur fordert eine faire und sachgerechte Aufklärung der Bevölkerung über die Vorteile und Möglichkeiten der erneuerbaren Energien. (Foto: Sonepar)
19.02.2018

Leicht angestiegen sind die Absatzzahlen für den Photovoltaikmarkt im vergangenen Jahr. Wie der Elektrogroßhändler Sonepar Deutschland Erneuerbare Energien aus Düsseldorf die momentane Lage einschätzt und welche Entwicklung er in diesem Jahr erwartet, erläutert Geschäftsführer Thomas Laur im Interview mit SONNE WIND & WÄRME.

SW&W: Herr Laur, wie hat sich der Photovoltaikmarkt in Deutschland im Jahr 2017 aus Ihrer Sicht entwickelt?

Thomas Laur: Grundlegend positiv. Wir sind besonders mit der Entwicklung im kleinen und mittleren Anlagensegment zufrieden. Wir stellen fest, dass unsere Kunden und damit sicherlich auch die Endverbraucher weiterhin auf Qualität setzen.

SW&W: Welche Perspektiven sehen Sie für dieses Jahr?

Laur: Die Energiewende ist bei den meisten Politikern leider wieder an das Ende der Agenda gerückt. Solange es keine positiven Signale gibt, werden wir uns mit einem moderaten Wachstum zufriedengeben müssen. Das bedeutet ein Plus von 10 bis 20 % gegenüber 2017. Womit das Zubauziel der Bundesregierung möglicherweise wieder verfehlt wird. Da Eigenheimbesitzer auf langfristige Investitionen setzen, kann das moderate Wachstum für mehr Qualität sorgen und das bedeutet letztendlich zufriedene Kunden. Wir könnten gut damit leben, denn wir gewinnen Vertrauen in die Technik.

SW&W: Mit welchen Leistungen wollen Sie sich weiter im Markt positionieren?

Laur: Eine PV-Anlage ist heute wesentliche einfacher und schneller auszulegen als noch vor rund zehn Jahren. Preise können in Sekundenschnelle über das Internet abgefragt und Ware bestellt werden. Was auf der Strecke bleibt, ist die Kundenberatung, die jedoch bei immer komplexeren Lösungen gleichzeitig immer wichtiger wird. Genau hier liegen unsere Stärke und unser Potenzial für die Zukunft. Unser Ziel ist es, für alle technischen und wirtschaftlichen Problemstellungen passende Lösungen anbieten zu können. Bei intensiven Kundengesprächen gilt es, den individuellen Bedarf zu ermitteln und richtige Lösungen zu finden. Außerdem bieten wir eine hohe Produktdifferenzierung – dort wo es Sinn macht – und ein großes Lagersortiment. Schließlich soll die Ware schnell und preiswert den Weg zum Kunden finden. Wir schaffen das innerhalb von 24 Stunden –überall in Deutschland.

SW&W: Sehen Sie derzeit bestimmte Marktsegmente in Deutschland als besonders vielversprechend an?

Laur: Wie in den vergangenen Jahren konzentrieren wir uns auf die Komplettlieferung von PV-Anlagen. Unsere Kunden setzen darauf, dass wir dieses Geschäft beherrschen. Darüber hinaus messen wir uns bei der Lieferung einzelner Komponenten für größere Projekte mit dem Wettbewerb. Das allerdings nicht um jeden Preis. Schließlich hat eine Veränderung der Gewährleistung zugunsten der Installateure stattgefunden. Dass der Handwerker darauf zurückgreifen kann, ist eine Leistung des Handels.

SW&W: Welche Rolle spielt das Thema Elektromobilität bislang für Ihre Geschäftstätigkeit?

Laur: Wir freuen uns, bei der E-Mobilität zu den Vorreitern in Sachen Lösungsorientierung zu gehören. Dabei ist die öffentlich vieldiskutierte Infrastruktur, sprich die Verkabelung von Lade-Stellplätzen, nur eines von mehreren wichtigen Aspekten. Wir kümmern uns sowohl um Ladesysteme einschließlich dazugehöriger Infrastruktur in und an Gebäuden als auch um Konnektivität und geeignete Abrechnungsmodelle für die Nutzer.

SW&W: Wie schätzen Sie die Entwicklung bei den Komponentenpreisen und Systemkosten ein?

Laur: Strom aus erneuerbarer Energie muss weiterhin wirtschaftlicher werden. Das sollte aber in einem Maße passieren, dass Hersteller überleben und Rückstellungen für Garantien bilden können. Werden sie später gebraucht, hilft es Endverbrauchern nicht, wenn Rückstellungen zwischenzeitlich beim Insolvenzverwalter gelandet sind. Deshalb sollte ein niedriger Preis nicht der einzige Entscheidungsgrund für Produkte mit einer solchen Lebensdauer sein.

SW&W: Welche Maßnahmen halten Sie für die wichtigsten, um die politischen Rahmenbedingungen für die Photovoltaik in Deutschland wieder zu verbessern?

Laur: Die Energiewende muss von der Mehrheit der Bevölkerung wirklich gewollt sein. Dazu gehört, dass sich die politischen Verantwortlichen der Dringlichkeit bewusst sind und die Energiegewinnung durch Wind und Sonne endlich wieder in ein positives Licht rücken. Ludwig Ehrhardt hat einmal gesagt, dass Wirtschaft zu 50 % Psychologie sei. Das trifft auf die Erneuerbaren zu. Wir benötigen eine faire und sachgerechte Aufklärung der Bevölkerung über die Vorteile und Möglichkeiten der erneuerbaren Energien – möglichst bevor ein Reaktorunfall oder der Klimawandel uns zum Handeln zwingt.

Die Fragen stellte Joachim Berner.

Das Interview entstand im Rahmen der Recherche für einen größeren Beitrag zum PV-Großhandel, den Sie ab dem 2. März in der SONNE WIND & WÄRME 3/2018 lesen können.

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