Plenticore plus – eine Innovation für den Speichermarkt

Kostal-Speichersystem mit Batterien der Hersteller BYD und Kreisel in einer Messepräsentation (Foto: Kostal)
Kostal-Speichersystem mit Batterien der Hersteller BYD und Kreisel in einer Messepräsentation (Foto: Kostal)
09.11.2017

Mit dem Plenticore plus bringt Kostal einen Speicherwechselrichter auf den Markt, der nicht einfach eine Weiterentwicklung seines Vorgängers Piko BA ist, sondern eine neue Funktionalität bietet. Die innovative Lösung soll mehr Flexibilität bei Speichersystemen erlauben, zugleich aber die Installation und die Bedienung weiter vereinfachen.

Der neue Speicherwechselrichter ist weder ein klassischer PV-Wechselrichter noch ein klassischer Batterieinverter. Er vereint die Netzeinspeisung und die Zwischenspeicherung von Solarstrom samt Energiemanagement in einem Gerät. Für den Kunden bringt Plenticore plus zunächst einmal mehr Auswahlmöglichkeiten, weil Kostal den Wechselrichter für mehrere Batteriesysteme freigeben wird, derzeit schon für Speicher des chinesischen Herstellers BYD und des österreichischen Anbieters Kreisel. „Jede Batterie, die wir für den Plenticore Plus freigeben, wird in Kooperation mit dem Batteriehersteller intensiv getestet“, betont Pressesprecher Markus Vetter.

Damit verbunden ist der Abschied von einer festgelegten Systemkonfiguration, wie Kostal sie 2012 beim Speichersystem Piko BA eingeführt hatte: Dieses System mit Backup-Funktion ist ausschließlich mit der PIKO Battery Li als Speicher lieferbar – und wird zunächst auch im Programm bleiben. Die Zukunft aber ist bei Monitoring und Speichertyp offener: Im Produktnamen steht der erste Teil („plenty“) für den Aspekt der Vielseitigkeit, der Auswahlmöglichkeit für Installateure und Endkunden. Kostal konzentriert sich damit auf die Kernkompetenz der Leistungselektronik. Die, so deutet es der zweite Teil des Produktnamens („core“) an, ist und bleibt das Kernstück einer PV-Speicher-Kombination, das alle Funktionalitäten vereinen und leicht zu bedienen sein soll. „So reduzieren wir die Komplexität für den Kunden weiter und das bei größeren Auswahloptionen“, so Markus Vetter.

Variabel einsetzbar

Die Anwendungsmöglichkeiten sind ebenfalls vielfältig: Der Hersteller setzt mit diesem Konzept nicht nur auf Kunden mit einer Neuanlage, die gleich mit Batteriesystem ausgelegt wird. Der Speicherwechselrichter soll auch im Austauschfall in älteren Anlagen neue Möglichkeiten eröffnen, indem er nicht nur einen defekten oder veralteten Wechselrichter ersetzt, sondern gleich die leistungselektronische Voraussetzung für die DC-seitige Nachrüstung eines Speichers mitbringt. Die Grundlage dafür ist die Ausstattung mit drei Anschlüssen (drei MPP-Tracker oder zwei MPP-Tracker plus ein Batterieeingang). Wer an einem Speicher zunächst nicht interessiert ist, kann einen Anschluss frei lassen oder alle drei MPP-Tracker für die Photovoltaikanlage und deren mögliche Erweiterung nutzen. Eine spätere Ergänzung der Installation durch einen Speicher ist sehr einfach möglich, denn die Freigabe für die Batterieoption des Plenticore-plus kann im Webshop bestellt und online aktiviert werden. Ist im konkreten Anwendungsfall kein Anschluss am Plenticore Plus mehr frei, so kann ein Speicher immer noch auf der AC-Seite nachgerüstet werden.

Sind im Haushalt weitere Stromerzeuger vorhanden, auch AC-Erzeuger wie etwa ein Mini-BHKW, kann der Plenticore plus diese Energie ebenfalls in der Batterie speichern – ein sehr hoher Eigenversorgungsgrad wird dann möglich, denn die gespeicherte Energie muss nicht mehr ausschließlich aus der Solarstromerzeugung stammen. Auf diese Weise ist eine Nutzung des Speichers auch in den Jahreszeiten möglich, in denen zu wenig Solarstrahlung zur Verfügung steht, um den Speicher regelmäßig zu beladen. Die Entlastungsfunktion des dezentralen Speichers für die Verteilnetze komme so nicht nur saisonal zum Tragen, betont Thomas Garber, Leiter Produktmanagement PV bei Kostal.

Datenbasierter Betrieb

Für die Überwachung und Steuerung sind serienmäßig  die Protokolle TCP/IP, RS485, EEBus, Modbus und Sunspec integriert, weitere lassen sich nach Herstellerangaben leicht ergänzen. Plenticore plus verfügt über eine selbstlernende Ertrags- und Verbrauchprognose, erläutert Thomas Garber: „Über einen ausreichend langen Zeitraum werden die DC-Erzeugung und der AC-Verbrauch im Haushalt erfasst. Auf dieser Basis wird die Beladung des Speichers an die Verbrauchskurve angepasst, um die Kappung von Einspeisespitzen zu vermeiden.“ Denn neben einem optimierten Eigenverbrauch bleibt die Einspeisung ins Netz ein Wirtschaftlichkeitsfaktor für private PV-Anlagen mit und ohne Speicher.

Als Option bietet der Plenticore plus den Anschluss an externe Energiezähler. Damit kann auch ohne Einsatz eines Speichers der Hausverbrauch erfasst und über das Kostal Solar Portal ausgewertet werden. Kommt ein Speicher hinzu, ist diese Erfassung die Grundlage dafür, dass die gespeicherte Energie immer optimal zum Hausverbrauch passend abgegeben wird. Eine weitere Option ist das Zusammenspiel mit „ProsumerHome“, einem Home-Automation-Konzept von Schneider Electric. Die Kostal-Wechselrichter sind mit dieser Lösung kompatibel und unterstützen deren Funktionalität, beispielsweise beim Laden von Elektrofahrzeugen in Abhängigkeit von der Solarstromerzeugung.

Komfort und Sicherheit

Die konstruktiven Eigenschaften des Plenticore plus bieten auch Vorteile bei der Installation und Bedienung: alle Funktionen für Einspeisung, Speicherung und Eigenverbrauch sind in einem Gerät versammelt. Alle Schnittstellen haben die Entwickler in einem separaten Anschlussraum untergebracht, der einzeln geöffnet werden kann. Die werkzeuglosen Sunclix-Kabelanschlüsse vereinfachen die Arbeit des Installateurs weiter.

Den Speicherwechselrichter wird Kostal wie bisher über den dreistufigen Vertriebsweg in den Markt bringen, also primär über den Großhandel. Die Markteinführung ist für das Ende des ersten Quartals 2018 geplant, mit dem Plenticore plus 5.5 beginnend. Als weitere Leistungsstufen sind 7 kW, 8,5 kW und 10 kW vorgesehen, zudem wird es eine 4,2-kW-Variante geben, diese allerdings mit nur zwei Anschlüssen. Ebenfalls für das kommende Jahr plant Kostal, den Freigabeprozess für weitere Batterien abzuschließen. Welche Produkte dann mit dem Plenticore plus kombiniert werden können, soll zeitnah bekannt gegeben werden. „Die Kriterien bei der Speicherauswahl sind Sicherheit, Qualität und Wirtschaftlichkeit“, so Thomas Garber, „und natürlich auch gegenseitiges Vertrauen.“

Beim Thema Sicherheit stehe für Kostal an erster Stelle, dass der Sicherheitsleitfaden für Speichersysteme erfüllt werde: „Wir haben dazu einen Kriterienkatalog erstellt, der die Grundlage für die Sicherheit und Funktionalität des Gesamtsystems bildet, um eine gegenseitige Freigabe zu erhalten“, so der Leiter des Produktmanagements. Dazu sei ein intensiver Austausch auf allen Ebenen zwischen dem Speicherhersteller und Kostal notwendig – und für beide Seiten vorteilhaft: „Kostal verfügt über umfangreiche Erfahrung und ausgereifte Prozesse aus dem Automotive-Business, um mit sicherheitskritischen Bauteilen und Funktionen entsprechend umgehen zu können.“

Ralf Ossenbrink

Dieser Beitrag ist in SW&W 10/2017 erschienen.

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