Deutschland: Neue Rekordinstallation für 2012 in Sicht?

4,373 GW neue PV-Leistung sind im ersten Halbjahr 2012 ans Netz gegangen, wie die Bundesnetzagentur meldet. Der März 2012 mit über 1,2 GW und der Juni mit fast 1,8 GW Neuinstallation waren bislang die Rekordmonate. Im März rührte der starke Zubau offensichtlich aus der für den April angekündigten starken einmaligen Vergütungsdegression. So gingen in dem Monat über 41.000 Anlagen ans Netz, den Schwerpunkt bildeten kleinere Anlagen, nur 66 Anlagen ab 1 MW wurden angeschlossen. Im Juni dagegen machte sich das Auslaufen von Übergangsfristen sowohl für Aufdachanlagen als auch für größere Anlagen bemerkbar: Von insgesamt 14.750 Systemen, die neu ans Netz gingen, hatten 312 eine Nennleistung von 1 MW oder mehr.Erneut zu Vorzieheffekten könnte es im September kommen. Denn dann läuft auch für PV-Anlagen auf Konversionsflächen die gesetzliche Frist ab, um noch in den Genuss der alten EEG-Regelungen zu kommen. Projektierer, die die Übergangsfrist nicht mehr nutzen können, erhalten im Oktober 32% weniger Einspeisevergütung im Vergleich zum Vormonat. Nach Einschätzung des Bundesverbands Solarwirtschaft BSW Solar wird sich der Markt für Freiflächenanlagen anschließend erheblich abkühlen.

Im November steht zudem erstmals wieder eine erste starke zubauabhängige Tarifabsenkung an. Die Höhe der Degression wird sich nach dem tatsächlichen Zubau von Juli bis September richten. Ergeben sich hochgerechnet auf ein Jahr mehr als 7,5 GW Neuinstallation, sinkt die Vergütung fortan um 2,8% monatlich. Korrekturen erfolgen dann dreimonatlich. Den eigentlich vom Gesetzgeber angepeilten Zielkorridor von 2.500 bis 3.500 MW aber, der zu einer monatlichen Degression von 1% führen würde, wird die Branche weit hinter sich lassen.

Den bisherigen Zubaurekord erreichte der deutsche Markt im vergangenen Jahr mit rund 7,5 GW PV-Leistung.

Die Bundesregierung habe immer noch nicht gelernt, dass es panikartige Investitionen gebe, wenn dauernde Ankündigungen über Vergütungssenkungen und das Eindämmen des Marktvolumens gemacht würden, kommentierte Hans-Josef Fell, der energiepolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, die Halbjahrszahlen. Diese würden nun von den vielen PV-Gegnern bei Schwarz-Gelb dazu benutzt, um erneut Angriffe gegen die PV und das EEG insgesamt zu führen. „Für die Energiewende und den Klimaschutz sind diese Investitionen sehr erfreulich. Auch die Netzintegration der PV gelingt offensichtlich, wie die weiterhin hohen Investitionen in Bayern belegen“, sagte Fell. Zudem werde die EEG-Umlage nicht mehr in dem starken Maße wie früher belastet, da die Vergütungen in diesem Jahr ja bereits stark gesunken seien.

Die von der Politik verursachten starken Vorzieheffekte wären vermeidbar gewesen, wenn die Politik schon früher eine kleinteiligere, weniger starke und weniger abrupte Anpassung der Fördersätze für große PV-Anlagen vorgenommen hätte, hieß es beim BSW Solar.

Volker Uphoff

Anlagen-Meldungen bei der Bundesnetzagentur (Tabellenformate):

- Mai, Juni 2012

- Januar bis April 2012

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