BVES-Stellungnahme zur eichrechtskonformen Verrechnung mehrerer Messwerte

27.08.2018

Der BVES positioniert sich im Rahmen der aktuellen Anpassung der Mess- und Eichrechtverordnung für die eichrechtliche Anerkennung der in der Praxis verbreiteten Verrechnung von zwei oder mehreren mit geeichten Zählern gemessenen Messwerten: Ergibt eine geeichte 1 plus eine geeichte 1 in der Summe ausreichend sicher eine 2? Der BVES bezieht in dieser Frage Stellung zur aktuellen Konsultation der EEG/KWKG-Clearingstelle, welche die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB) in der Ausgestaltung einer Regel nach § 46 des Mess- und Eichgesetzes unterstützt.

Der Bundesverband Energiespeicher (BVES) begrüßt, dass die Einbindung der EEG/KWKG-Clearingstelle die ursprüngliche Absicht der zweiten Änderungsverordnung zur Mess- und Eichverordnung (§ 25 Nr. 7 MessEV) stärker voranbringt: nämlich die Verrechnung von zwei oder mehreren mit geeichten Zählern gemessenen Messwerten eichrechtskonform zu ermöglichen. Geeicht erfasste Werte müssen addiert werden können, ohne die Summe erneut geeicht zu erfassen.

Der BVES hat mit dem BVES-Messkonzept hierfür bereits die Grundlagen gelegt. Das BVES-Messkonzept wurde anknüpfend an § 61k EEG für den multivalenten Betrieb von Speichern veröffentlicht, um eine rechtssichere Anwendungshilfe zur Messung und Zuordnung der Energieflüsse in und aus dem Speicher zu bieten.

Nun ist es von fundamentaler Bedeutung, dass der politische Wille aus § 61k EEG (zur Anwendung von modernen gemischten Speichermodellen) gefördert und nicht durch zusätzliche regulatorische Vorgaben in der Gesetzesauslegung konterkariert wird. Der Handlungsauftrag im Koalitionsvertrag, Speichern die Möglichkeit zu eröffnen, mehrere Dienstleistungen gleichzeitig zu erbringen, muss realisiert werden.

Die Einführung multivalenter Speicher ist technisch bereits gelungen. Doch massive Rechtsunsicherheiten durch eichrechtliche und administrative Anforderungen, die sich teilweise gar nicht oder nur unter erheblichem Kostenaufwand umsetzen lassen, sowie die geringfügige Berücksichtigung von digitaler Mess- und Zähltechnik, blockieren die Einführung dieser vielversprechenden Zukunftstechnologie. Der BVES mahnt in seiner Stellungnahme an, dass eine rechtliche Klarstellung zwingend notwendig ist und die eichrechtliche Anerkennung von Verrechnungen mit Messwerten mehrerer geeichter Zähler regulatorisch verankert werden muss. Dabei ist zu beachten, dass Messkonzepte, die die Optimierung von Eigenverbrauch und die Bereitstellung von Regelleistung kombinieren, in die Regelfindung mit einbezogen werden. Insbesondere im Kontext der lokalen Versorgung von Verbrauchern ist die differenzierte Betrachtung zwischen rein mathematisch und wirtschaftlich relevanten Messdaten außerdem bedeutsam.

Für das Gelingen der Energiewende brauchen wir einen regulatorischen Rahmen, der die systemdienliche Potentialentfaltung von Speichern unterstützt. Der BVES fordert konsequent die rechtliche Aufstellung von Speichern als vierte Säule des Energiesystems neben Erzeugung, Transport und Verbrauch.