Multi-Energie-Kraftwerk nahe Berlin geplant

Kommunale Arbeitsgemeinschaft für Leitprojekt gegründet: Bürgermeister unterzeichnen KAG-Vertrag, v.l.n.r.: Elisabeth Herzog von der Heide (Stadt Luckenwalde), Monika Nestler (Gemeinde Nuthe-Urstromtal), Frank Broshog (Gemeinde Am Mellensee), Thomas Berger (Stadt Trebbin). (Foto: D. Vrielmann)
Kommunale Arbeitsgemeinschaft für Leitprojekt gegründet: Bürgermeister unterzeichnen KAG-Vertrag, v.l.n.r.: Elisabeth Herzog von der Heide (Stadt Luckenwalde), Monika Nestler (Gemeinde Nuthe-Urstromtal), Frank Broshog (Gemeinde Am Mellensee), Thomas Berger (Stadt Trebbin).(Foto: D. Vrielmann)
08.07.2016

Unter dem Namen MEKS soll auf dem Gelände der ehemaligen Heeresversuchsanstalt Kummersdorf südlich von Berlin ein Multi-Energie-Kraftwerk entstehen. Die vier Bürgermeister und Bürgermeisterinnen der umliegenden Gemeinden unterzeichneten jetzt einen Vertrag zur Gründung einer kommunalen Arbeitsgemeinschaft.

Immer wieder gerät der Ausbau der erneuerbaren Energien ins Stocken. Schuld daran ist auch der mangelnde Ausbau der Stromnetze. Der führt dazu, dass bei starkem Wind die Netzbetreiber Anlagen abschalten. Die eigentliche Herausforderung besteht aber darin, den Wind- und Solarstrom speicherbar zu machen, so dass überschüssiger Strom dann verbraucht wird, wenn Windräder und Solarmodule wenig Strom liefern.

Das Multi-Energien-Kraftwerk-Sperenberg (MEKS) ist ein Kraftwerk, das Wind- und Sonnenstrom in ein projektinternes Netz einspeist. 50.000 Haushalte können auf Strom aus dem Windpark hoffen, aus 45 Windmühlen mit jeweils 3 bis 4 MW Nennleistung. Eine Stromgewinnung aus Photovoltaikmodulen unterstützt die Stromernte. Das MEKS ist jedoch weitaus mehr als ein Kombi-Kraftwerk, in dem Wind- und Solarmodule ihren Dienst tun. Der Clou: Den überschüssigen Wind- und Solarstrom, der das Netz überlasten würde, nutzt ein so genannter Elektrolyseur zur Erzeugung von Wasserstoff.

Dazu benötigt der Elektrolyseur elektrischen Strom, eben jenen aus der Überproduktion der Windräder oder Solarmodule. „Das Konzept ist beispiellos und bringt Vorteile für die regionale Entwicklung", betont Peter Mann, Sprecher der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft. So können sich die Gemeinden  nahezu vollständig mit Ökostrom versorgen, ohne Stromausfälle befürchten zu müssen, weil der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint.

Schub für die Energiewende

Alle Beteiligten waren sich einig, dass MEKS der Energiewende einen ordentlichen Schub verleihen wird: „MEKS ist ein Leitprojekt der Energiewende." Neu daran ist, dass der Elektrolyseur im Netz integriert ist, also selbstständig und flexibel reagieren kann. Wenn sich zum Beispiel eine Windprognose als falsch erweist und in der Realität überschritten wird, arbeitet der Elektrolyseur den Überschuss automatisch weg und verwandelt  den Windstrom in speicherfähigen Wasserstoff. In dieser Komplexität ist das weltweit einzigartig.

Das Konzept sieht Speichermöglichkeiten in sogenannten Röhrenspeichern vor. Sie haben einen Durchmesser von 1,6 Meter und  können den mit 100 bar Überdruck gespeicherten Wasserstoff kurzfristig bereitstellen. Den Wasserstoff können die MEKS-Techniker entweder wieder zurück in Strom verwandeln oder aber sie speisen regional ins kommunale Gasnetz ein. Das geht allerdings nur bis zu einem gewissen Anteil, ohne bestimmte Armaturen zu schädigen. Über die Höhe dieses Anteils ist sich die Fachwelt nicht einig. Je nach Interessenlage schwanken die Angaben zwischen 2 und 20 %.

Gegen die Nutzung als Kraftwerksstandort hat kaum jemand etwas. „Energietechnisch alles okay", sagt die grüne Landtagsabgeordnete Marie Luise von Halem. "Für eine wirtschaftliche Nutzung des Geländes gibt es hier eine breite Unterstützung." 

Jörn Iken