„Markt in Deutschland wird zu stark abgewürgt“

Von links: Johannes Kempmann, Thomas Bareiß, Christopher Burghardt, Hendrik Böschen, Oliver Krischer (Foto: Neidlein)
Von links: Johannes Kempmann, Thomas Bareiß, Christopher Burghardt, Hendrik Böschen, Oliver Krischer (Foto: Neidlein)
23.02.2016

Für ein Festhalten an den im Entwurf des EEG vorgesehenen Zubaubeschränkungen für erneuerbare Energien, insbesondere der Onshore-Windkraft, plädiert Staatssekretär Rainer Baake vom Bundeswirtschaftsministerium. Senvion-Geschäftsführer Hendrik Böschen befürchtet jedoch, dass die deutsche Windkraftindustrie durch eine derart restriktive Politik ihren Heimatmarkt verliert.

Das Festhalten an einem maximalen Anteil von 45 Prozent erneuerbarem Strom an der Bruttostromversorgung bis 2025 sei ökologisch und ökonomisch sinnvoll, unterstrich Baake heute Vormittag in Berlin zur Eröffnung des Smart Renewables Kongresses des BDEW. Durch die vorgesehenen Ausbaukorridore solle nun der verbleibende Zubaubedarf von rund 12,5 Prozent gegenüber dem jetzigen Anteil von 32,5 Prozent erneuerbaren Strom auf die verschiedenen Energieträger verteilt werden. Hierzu sei es vernünftig, den Ausbau der Onshore-Windraft auf jährlich 2 bis 2,9 GW begrenzt werde.

„Der Markt in Deutschland wird hierdurch zu stark abgewürgt“, sagte jedoch Hendrik Böschen, Geschäftsführer des Herstellers Senvion Deutschland. Ein Teil der deutschen Windkraftindustrie verliere hierdurch ihren Heimatmarkt, obwohl ja die Hersteller erreicht hätten, dass mittlerweile jede Anlage zur Systemstabilisierung beitragen könne. Der Preiskonkurrenz über Wettbewerb und Ausschreibungen stelle sich die Branche, doch sollte sich die Politik nicht zu regulierend in den Marktzubau einmischen.

Verlust der Technologieführerschaft befürchtet

„Die dirigistische Begrenzung des Marktzubaus macht auch uns große Sorgen“, unterstrich Christopher Burghardt, Vice President Business Development  Europe von First Solar. BDEW-Präsident Johannes Kempmann äußerte zwar Sorgen, dass die Politik die Technologieführerschaft Deutschlands bei den erneuerbaren Energien, vor allem der Photovoltaik und der Windkraft abwürge. Auch sollten die Rahmenbedingungen ermöglichen, dass das technische Potenzial der Photovoltaik für Systemdienstleistungen und Netzstabilisierung stärker genutzt werde. Dieser Forderung schloss sich grundsätzlich auch Thomas Bareiß, Beauftragter für Energiepolitik der CDU/CSU Bundestagsfraktion an. Wie Oliver Krischer, stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, so plädierte auch er für eine Umgestaltung der Netztarifstruktur, die zum einen Flexibilisierung belohne und zum anderen einer Entsolidarisierung entgegenwirke. Allerdings sei es ein schwieriger Balanceakt hier eine faire und akzeptable Neugestaltung der Kostenverteilung zu finden.

„Wir brauchen auch dringend bessere Rahmenbedingungen für Energiespeicher“, betonte BDEW-Präsident Johannes Kempmann. Es sei hemmend für die weitere Marktentwicklung vor allem der Batteriespeicher, wenn Betreiber durch doppelte Umlagen belastet würden. Staatssekretär Baake äußerte sich allerdings zu diesem Punkt nicht. „Wir müssen aufpassen dass wir nach der Photovoltaik nun auch bei den Speichern und der Windkraft nicht die weltweite Technologieführerschaft verlieren“, unterstrich Kempmann.

Es sei widersinnig, die Windkraft an Land als kosteneffizienteste Energieerzeugung auszubremsen, sagte Kempmann. Gleichzeitig kritisierte er die „zu weit gefassten Ausnahmeregelungen“ bei den anlaufenden Ausschreibungen, vor allem für PV-Dachanlagen unter einem Megawatt sowie vorgesehene Ausnahmeregelungen zu Bürgerwindparks. Baake wiederum verteidigte dies. Die Regelungen seien sinnvoll, um die Eigenstromerzeugung nicht zu konterkarieren und die Akteursvielfalt zu erhalten.

Hans-Christoph Neidlein

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