Auschreibungen Wind und Solar: Schlag auf Schlag

Die erste Windausschreibung 2018 zeigte einen leichten Anstieg der Zuschlagswerte. (Foto: iStock)
Die erste Windausschreibung 2018 zeigte einen leichten Anstieg der Zuschlagswerte. (Foto: iStock)
22.03.2018

Der Ergebnisse der ersten Ausschreibungsrunde 2018 für Solar- und Onshore-Windenergieanlagen lagen gerade auf dem Tisch, da hat die Bundesnetzagentur bereits die nächsten Runden eröffnet. Mit Spannung erwartet werden vor allem die Ergebnisse der ersten gemeinsamen Ausschreibung beider Technologien.

Kaum ein Thema hat die Windenergiebranche im zurückliegenden Jahr so sehr beschäftigt wie die Ergebnisse der ersten Ausschreibungsrunden. Projekte von Bürgerenergiegesellschaften ohne vorliegende Genehmigung waren durch eine ursprünglich gut gemeinte Ausnahmeregelung so klar bessergestellt, dass bereits genehmigte Projekte kaum Chancen auf einen Zuschlag hatten. Für die Ausschreibungen 2018 hat der Gesetzgeber das Verfahren dahingehend korrigiert, dass auch die Bürgerenergiegesellschaften nur mit einer Genehmigung teilnehmen können.

Mit entsprechender Spannung wurden die Ergebnisse der ersten Ausschreibungsrunde des Jahres 2018 zum Gebotstermin 1. Februar erwartet. Und die Korrekturen haben offenbar Wirkung gezeigt: Die Zuschläge durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) verteilen sich nun deutlich breiter über die Branche, als dies noch 2017 der Fall war. Erfolgreiche Gebote abgegeben haben diesmal unter anderem Abo Wind, BayWa r.e., Denker & Wulf, Enercon, Energiequelle, Green City Energy, Juwi, PNE, Prokon, Solarcomplex, UKA, VSB, Windstrom oder WPD.

Überzeichnung nur gering

Doch die Korrekturen hatten noch weitere Folgen: Zum einen war die ausgeschriebene Menge von 700 MW mit 989 MW nur knapp überzeichnet. Und zum anderen sind die Zuschlagswerte im Vergleich zur vorangegangenen Ausschreibung erstmals nicht gesunken. Vielmehr liegen sowohl der durchschnittliche als auch der höchste und der niedrigste bezuschlagte Gebotswert höher als bei der vorausgegangenen Ausschreibung (siehe Tabelle).

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, kommentiert diese Entwicklung wie folgt: „Die zurückgehende Zahl der Gebote zeigt, dass die Ausschreibungen von Windenergieanlagen kein Selbstläufer sind. Die Steigerung des Zuschlagswertes verdeutlicht, dass in den früheren Geboten ohne Genehmigung und Realisierungszeiträumen von 4,5 Jahren andere Technologie- und Preisentwicklungen unterstellt wurden, als dies bei Geboten mit Genehmigungen und Realisierungsfristen von 2,5 Jahren der Fall ist.“

Laut Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE), schaffen die Ergebnisse der Windbranche nötige Sicherheit: „Die Entwicklung des durchschnittlichen Zuschlagswertes deutet an, dass sich im Markt ein belastbarer echter Marktwert entwickelt, der Projektfinanzierungen möglich erscheinen lässt. Dies ist ein wichtiges Signal an mittelständische Akteure, Bürgerprojekte und Energiegenossenschaften, die dringend gebraucht werden, um die Ausbauziele der künftigen Bundesregierung zu realisieren“, sagt er. Der BWE bewertet außerdem positiv, dass die nun erforderliche Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BimSchG-Genehmigung) sich nicht nachteilig auf die erfolgreiche Teilnahme von Bürgerenergieprojekten ausgewirkt hat. 19 solcher Projekte haben diesmal einen positiven Bescheid bekommen.

Solarstrom unterbietet Windstrom

Auch die Solarbranche hat ihre erste Ausschreibungsrunde 2018 hinter sich. Zum Gebotstermin 1. Februar gingen 79 Gebote mit einem Umfang von 546 MW bei der Bundesnetzagentur ein. Damit war die ausgeschriebene Menge von 200 MW wie in der Vergangenheit wieder deutlich überzeichnet. 24 Zuschläge hat die BNetzA erteilt, 16 Gebote musste sie vom Verfahren ausschließen – zehn davon wegen des verspäteten Eingangs der Gebote oder von Zahlungen. „Die erfolgten Ausschlüsse von Geboten wegen Form- und Fristmängeln sind vermeidbar“, kommentiert Jochen Homann.

Deutlich positiver bewertet er die Preisentwicklung der Solarausschreibung. „Mit dem Absinken der Zuschläge auf 4,33 Ct/kWh haben sich die Solarausschreibungen als Preisfindungselement erneut bewährt“, sagt er. Sogar als einen „Meilenstein der Energiewende“ und als eine „Sternstunde für den Klimaschutz“ bezeichnet Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft e. V. (BSW-Solar), die Entwicklung. Denn erstmals erreicht die Solarenergie nicht nur Kostenparität mit der Windenergie, sondern unterbietet gar die Preise der Onshore-Windausschreibung. „Das ist das Ergebnis einer beispiellosen Kostensenkung infolge herausragender Innovationen und eines sehr harten Wettbewerbs“, bilanziert Körnig.

Erste gemeinsame Ausschreibung

Aus Sicht der Solarbranche ist das Ergebnis eine sehr gute Voraussetzung für das, was jetzt ansteht: die erste Ausschreibung, in der Wind- und Solarprojekte in einem gemeinsamen Verfahren miteinander konkurrieren.  Am 19. Februar hat die BNetzA das erste Ausschreibungsverfahren dieser Art eröffnet. BWE wie BSW-Solar können dem Verfahren zwar nichts Positives abgewinnen, Spannung verspricht es dennoch. Das Ausschreibungsvolumen beträgt 200 MW. Durch die Osterfeiertage hat sich der Abgabetermin vom 1. auf den 3. April verschoben. Der erlaubte Höchstwert für die Gebote betrug für beide Technologien 8,84 Ct/kWh. Unwahrscheinlich jedoch, dass man zu diesem Kurs einen Zuschlag erhalten wird. Schließlich lag der durchschnittliche bezuschlagte Gebotswert in beiden Technologien in den letzten Ausschreibungen bereits deutlich unter 5 Ct/kWh.

Ebenfalls am 3. April endet die Bewerbungsfrist für 1.550 MW an Offshore-Windenergieleistung. Das Ergebnis der ersten Ausschreibung im vergangenen Jahr lag mit einem mittleren Zuschlagwert von 0,44 Ct/kWh und einem Gebotswert von 0,00 ct/kWh für drei der insgesamt vier bezuschlagten Gebote weit unterhalb der prognostizierten Werte.

Und auch die zweite reine Wind-an-Land-Ausschreibung hat die BNetzA bereits eröffnet. Am 6. März legte das Amt die Modalitäten für weitere zu vergebende 670 MW fest. Das ursprüngliche Ausschreibungsvolumen von 700 MW wurde wegen des Zubaus von Pilotwindenergieanlagen des letzten Jahres anteilig reduziert. Gebotstermin dieser Ausschreibung ist der 1. Mai, beziehungsweise wegen des gesetzlichen Feiertags der 2. Mai.  Die nächste reine Solarausschreibung folgt dann zum Gebotstermin 1. Juni.

Katharina Garus