TenneT und sonnen vernetzen Stromspeicher mit Blockchain-Technologie

Privates Umfeld, öffentliche Aufgabe: Heimspeicher von sonnen sollen sich an der Netzintegration von Wind- und Solarstrom beteiligen. (Foto: sonnen)
Privates Umfeld, öffentliche Aufgabe: Heimspeicher von sonnen sollen sich an der Netzintegration von Wind- und Solarstrom beteiligen. (Foto: sonnen)
02.05.2017

Wie Stromspeicher über die private Eigenversorgung hinaus zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen können, erproben die Sonnen GmbH und der Übertragungsnetzbetreiber TenneT in einem Pilotprojekt: Dezentrale Speicher werden über eine Blockchain-Lösung in das Energieversorgungssystem eingebunden.

TenneT greift in dem Projekt auf den von sonnen bereitgestellten Heimspeicherpool zu und vernetzt die Geräte mit einer von IBM entwickelten Blockchain-Lösung. Im Test wollen die Partner ermitteln, wie sich mit den gepoolten Speicherkapazitäten auf Engpässe im Stromnetz reagieren lässt, um Notmaßnahmen wie die Abregelung von Windenergieanlagen zu vermeiden. Die Heimspeicher werden von sonnen e-Services miteinander vernetzt, dabei passt das Lademanagement sich individuell der jeweiligen Situation im TenneT-Netz an. Die Unternehmen sehen die Zusammenarbeit im Bereich der Integration erneuerbarer Energien als wegweisend an.

Urban Keussen, Vorsitzender der Geschäftsführung der TenneT TSO GmbH sieht mehr erneuerbare Energien auf allen Netzebenen als große Herausforderung: „Wir müssen es schaffen, die stark vom Wetter abhängige erneuerbare Stromproduktion flexibel zu steuern. Die Blockchain bietet uns hier neue Möglichkeiten, auch dezentrale verteilte Anlagen sicher und intelligent überregional aus einer Hand zu vernetzen. Das hilft uns, den Einsatz von netzstabilisierenden Maßnahmen wie die teure Abregelung von Windanlagen zu begrenzen. Zukünftig müssen wir also weniger Windstrom wegwerfen, weil wir ihn nicht transportieren können.“ Als Netzbetreiber gehe TenneT hier einen neuen Weg, so Keussen weiter: „Mit diesem innovativen Projekt bieten wir den Bürgern die Möglichkeit, aktiv die Energiewende mitzugestalten.“

Mit der sonnenCommunity sei bereits ein Modell zur Vernetzung von Speichersystemen etabliert, betont Philipp Schröder, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei sonnen. „Die Zukunft der Energieversorgung wird jedoch aus Millionen von kleinen, dezentralen Stromquellen, Prosumern und Verbrauchern bestehen. Die Blockchain-Technologie ist der Schlüssel dazu, den massenhaften und gleichzeitigen Austausch all dieser Akteure untereinander überhaupt erst möglich zu machen.“ Schröder sieht Blockchain als noch fehlendes Bindeglied zu einer dezentralen Energiezukunft.

Im Pilotprojekt stellt sonnen TenneT zusätzliche Flexibilitäten aus miteinander vernetzten Heimspeichern zur Verfügung, um Engpässe im Netz zu managen. Die vernetzten Batteriespeicher können überschüssigen Strom sekundenschnell aufnehmen oder abgeben. Damit können sie zur Reduktion von Transportengpässen im Netz beitragen. Mit verstärkter Datennutzung und mehr Flexibilität will TenneT das Stromnetz für die Energiewende fit machen. Erster Partner des von TenneT initiierten Pilotprojekts ist die sonnen e-Services GmbH als Betreiber der sonnenCommunity. Die von IBM entwickelte Blockchain-Lösung soll für Transparenz und Überprüfbarkeit von Transaktionen zwischen den Marktteilnehmern sorgen.

Ralf Ossenbrink