Europa-Zentrallager von Medline läuft mit Solarenergie

12.03.2018

Kleve – Auf 37.000 Quadratmetern lagern Medizinprodukte für ganz Europa. Seit Anfang 2017 wird die komplette Lager- und Logistikanlage des Händlers mit Medizinprodukten, Medline International Germany GmbH, mit grünem Strom betrieben. Eine PV-Anlage mit einem Megawatt Leistung erwirtschaftet rund 900.000 Kilowattstunden im Jahr. Errichter des Solarkraftwerks ist Goldbeck Solar.

Auf dem Dach des 2015 fertiggestellten europäischen Zentrallagers in Kleve produzieren seit Anfang 2017 rund 12.000 Quadratmeter Solarmodule sauberen Strom. „Dass nun die gesamte Logistik, IT, Beleuchtung und auch alle Gabelstapler und Hubwagen mit Sonnenenergie betrieben werden, passt in unser Nachhaltigkeitskonzept“, sagt Finanzchef international Gerard Derksen. Das 1910 gegründete Familienunternehmen beschäftigt 140 Mitarbeiter in Kleve und ist nach dem Nachhaltigkeits-Standard ISO 14001 zertifiziert. Das Gebäude wurde von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen ausgezeichnet. Der Logistikstandort ist einer von 50 weltweit.

„Innerhalb von acht Jahren werden wir die Investition in die PV-Dachanlage zurückverdient haben“, sagt Geschäftsführer des Errichters Goldbeck Solar, Björn Lamprecht. Das sei eine übliche Spanne. Seine Auftraggeber bezahlen im Schnitt nach sechs bis zehn Jahren überhaupt nichts mehr für ihren Strom. Wie lange die Amortisationszeit dauert, hängt von den verschiedensten Faktoren ab. „Berechnet wird diese nach Ertrag und Eigenverbrauchsanteil. Außerdem kommt es auf die Höhe der Vergütung für den nicht selbst genutzten Strom an“, erläutert Lamprecht.

Medline nutzt etwa 40 Prozent des Dachstroms selbst und spart damit rund 18 Cent pro Kilowattstunde. Was das Handelsunternehmen nicht selbst benötigt, gibt es an einen Direktvermarkter weiter, der diesen an der Börse handelt. Die hier erzielten Preise schwanken, liegen aber in der Regel deutlich über der Einspeisevergütung von zehn Cent pro Kilowattstunde, die Stromversorger derzeit entrichten. „Bei Anlagen unter einem Megawatt wählen die Betreiber meist die Variante Einspeisevergütung. Die ist zwar niedriger, aber dafür planbar und für 20 Jahre festgeschrieben“, sagt der Solar-Experte.

Vor allem medizinische Verbrauchsgüter wie Handschuhe, Kittel und Abdecklaken liegen in Kleve in 37.000 Palettenstellplätzen. Sie warten darauf, in einem Krankenhaus in Europa eingesetzt zu werden. Von Kleve aus liefert Medline nach Deutschland, in die Niederlande, Belgien, Frankreich, England, die Schweiz, Italien und einige weitere Länder. Die meisten Produkte holen die Lkw eines Logistikpartners an den 34 Laderampen ab. Mit wenigen eigenen Medtrans-Trucks werden eilige Bestellungen im näheren Umkreis abgedeckt. „Das könnte in den nächsten Jahren mit Elektrotrucks geschehen“, orakelt Derksen. Er möchte warten, bis die Technik für solche Fahrzeuge ausgereift ist, und dann seine Optionen prüfen.

Initiiert wurde das Projekt vom Energie-Beratungsunternehmen E.Quadrat aus Mannheim. Ziel war es, die Stromkosten des Handelsunternehmens zu reduzieren. Nach einer Machbarkeitsstudie führte E.Quadrat eine Ausschreibung durch, um einen PV-Experten zu finden. Diese konnte Goldbeck Solar aus Hirschberg für sich gewinnen. Rund 80 Gewerbedächer deckt der PV-Experte jedes Jahr. Häufig auf Handels- und Logistikzentren. „Wir führten eine wirtschaftliche Abschätzung durch, die sich als vielversprechend erwies. Anschließend begleiteten wir unseren Kunden durch das Genehmigungsverfahren und kümmerten uns um die Koordination mit dem Verteilnetzbetreiber. Außerdem halfen wir bei der Vertragsgestaltung und werden am Ende die Abnahmetests überwachen“, sagt Berater und ehemaliger Professor an der Hochschule Mannheim Wolfgang Kottnik, der das Projekt als Mitinhaber von E.Quadrat begleitete.

Quelle: Goldbeck Solar

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