Verwässerte EnEV beschlossen

(Foto: dpa)
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Schon vor der Sommerpause war die Energieeinsparverordnung (EnEV) eigentlich fertig ausgearbeitet. Kern der Reform waren strengere Anforderungen an den Primärenergieverbrauch von Neubauten. Diese sollten 2014 und 2016 um jeweils 12,5 % verschärft werden. Der Bundesrat konnte sich damals allerdings nicht auf diese Regelung einigen. Die heute verabschiede EnEV zieht die Kürzungen nun zusammen und gibt vor, dass die Anforderungen im Jahr 2016 auf einen Schlag um 25 % steigen.

Damit gilt nun in Punkto Klimaschutz die nächsten zwei Jahre  das Moto „einfach weitermachen wie immer“. Der Bundesverband erneuerbare Energien (BEE) betitelt die Neufassung sogar als völlig wirkungslos. 

Schrottheizungen dürfen weiterlaufen

Neben den enttäuschenden Änderungen beim Primärenergiebedarf bleibt die Energiensparverordnung auch bei den Vorschriften zur Erneuerung von Altheizungen hinter den Erwartungen zurück. Zwar verlangt die neue EnEV, dass Heizungen die vor 1985 installiert wurden ersetzt werden, , allerdings gelten selbst deutlich jüngere Heizungen als veraltet. Zudem, so bemängelt der BEE, gebe es zu viele Ausnahmen. So sind zum Beispiel Brennwertkessel, egal wie alt, nicht betroffen.

Etwas verbessert hat sich die Situation dagegen für Wärmepumpen. Der der Primärenergiefaktor für Strom reduziert sich mit Inkrafttreten der neuen EnEV von 2,6 auf 2,4 und soll damit dem gestiegenen Anteil erneuerbarer Energien im deutschen Strommix Rechnung tragen. Zwischenzeitlich war sogar ein Wert von 2,0 im Gespräch, scheiterte aber am Widerstand des Bundesrates. Ab dem 1. Januar 2016 soll dann aber der Primärenergiefaktor von Wärmepumpen auf 1,8 sinken.

Wärmepumpen beim Energieausweise vorn?

Neu gefasst werden auch die Energieausweise. Die neuen Energieausweise stellen Energiebedarf mit den von Haushaltsgeräten bekannten Energieklassen A+ bis H dar. Nach überschlägigen Berechnungen des Bundesverbandes Wärmepumpe (BWP) erreicht ein KfW-Effizienzhaus 70 mit Luft/Wasser-Wärmepumpe die Bestnote A +, das gleiche Haus mit Gasbrennwertkessel und solarer Trinkwarmwassererwärmung erreicht A, mit einer Pelletsheizung hingegen nur C.

Eine verwirrende Regelung, den die neue EU-Kennzeichnung für Heizsysteme, die ebenfalls die bekannten Energieklassen verwenden, sehen die Solarthermiesysteme an der Spitze. Anderseits muss man bedenken, dass der Bundesverband Wärmepumpe als Vergleich ein Solarsystem hätte wählen müssen, bei dem die Solarthermieanlage auch die Heizung unterstützt.   

Vorausgesetzt die Diskrepanz zwischen deutscher und europäischer Regel wird aufgelöst, bringt die Neuordnung  für Mieter und Immobilienkäufer durchaus Vorteile. So müssen bereits in kommerziellen Immobilienanzeigen, egal ob zur Miete oder zum Verkauf, wichtige Kenndaten zum  Energieverbrauch, bzw. Bedarf genannt werden. Ebenso müssen der wichtigste Energieträger der Gebäudeheizung erwähnt werden.

Solarstrom aus Batterie wird angerechnet

Neu anrechenbar auf den Primärenergiebedarf ist nun auch selbst genutzter Photovoltaik- oder Windstrom, der zwischenzeitlich in einer Batterie gespeichert wurde.  Der Verweis auf Batterien war in der alten Version noch nicht enthalten. Weiterhin gilt aber, der Strom muss in unmittelbaren räumlichen Zusammenhang zum Gebäude erzeugt werden.  Einfach Ökostrom aus dem normalen Stromnetz zu beziehen reicht also nicht aus.

Verschärfungen bei Bestandsgebäuden sieht die neue EnEV nicht vor, genauso wenig wie den Einsatz von erneuerbaren Energien. Deren Einsatz wird durch das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) geregelt, ist aber auch dort durch einige Ersatzmaßnahmen umgehen.

 Jan Gesthuizen

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