Versorgungsbetriebe Bordesholm bauen 10-MW-Batteriespeicher

Frank Günther (li.), Geschäftsführer der VBB, und Dr. Matthias Leuthold, Leiter Energiespeicher bei RES in Deutschland, vor der Visualisierung des geplanten Batteriespeichers. (Foto: RES Group)
Frank Günther (li.), Geschäftsführer der VBB, und Dr. Matthias Leuthold, Leiter Energiespeicher bei RES in Deutschland, vor der Visualisierung des geplanten Batteriespeichers. (Foto: RES Group)
10.01.2018

Der Projektentwickler RES Deutschland hat eine Ausschreibung der Versorgungsbetriebe Bordesholm (VBB) für den Bau eines 10-MW-Batteriespeichers zur Erbringung von Regelleistung gewonnen. Zusätzlich zum Regelbetrieb soll der Batteriespeicher beim Ausfall des übergeordneten Netzes die kommunale Stromversorgung im Inselnetzbetrieb aus überwiegend erneuerbaren Energien sichern.

Der Rückbau von konventionellen Kraftwerken und die verstärkte Einspeisung von erneuerbaren Energien erfordern neue, flexiblere Lösungen für die Frequenzstabilisierung. Die Versorgungsbetriebe Bordesholm (VBB) wollen mit dem neuen Batteriespeicher, den der koreanische Samsung-Konzern liefert, auf ihrem Firmengelände zur Netzstabilisierung beitragen. Die Kommune deckt – nachdem sie 1991 das Stromnetz vom damaligen Netzbetreiber Schleswag zurückgekauft hatte - inzwischen 75 % ihres jährlichen Strombedarfs aus regenerativer Erzeugung. Der Speicher soll bei Störungen in der Stromversorgung über das Hauptnetz oder bei einem kompletten Ausfall des vorgelagerten Netzes ein regional begrenztes Gebiet weiter mit Energie versorgen – ohne Unterbrechung der Versorgung. Darüber hinaus soll der Speicher durch die Bereitstellung von Regelenergie für den Primärenergiemarkt Jahreserlöse von rund 1 Mio. Euro einbringen. Die vermarktbare Leistung des Bordesholmer Batteriespeichers wird 10 MW betragen, bei einer Speicherkapazität von 15 MWh.  

Die technischen Voraussetzungen für den Betrieb sind anspruchsvoll: Neben einer geschlossenen Netzinfrastruktur ist unter anderem der Speicher mit zusätzlichen Erweiterungen wie Synchron-Kuppelschaltern erforderlich. Zur Echtzeit-Kommunikation zwischen den technischen Komponenten und den Kunden soll ein vorhandenes leistungsfähiges Glasfasernetz mit einer Geschwindigkeit von 111 Megabit pro Sekunde dienen.

Ziel sind 100 % Erneuerbare

Baubeginn für den Speicher in Bordesholm, einer schleswig-holsteinischen Gemeinde mit 4.800 Haushalten, ist im Sommer 2018, mit der Inbetriebnahme rechnen die VBB im Frühjahr 2019. Die Erprobung des Inselbetriebs wird als Pilotprojekt vom Land Schleswig-Holstein mit 1,68 Mio. Euro gefördert. Das Projekt in Bordesholm soll eine Antwort auf die Frage geben, ob ein öffentliches Stromversorgungsnetz, gespeist aus 100 % Erneuerbarer Energie, frequenzstabil als Inselnetz gefahren werden kann. Dies wäre dann die Keimzelle zur Erschließung von weitgehend autarken Stromversorgungsnetzen. Dazu steht ein Inselnetzfähiges Stromversorgungsnetz (20 kV) mit Sektorenkopplung, ein FTTH-Glasfasernetz sowie ein entsprechendes Gleichgewicht zwischen Verbrauchern und dezentralen Erzeugern an diesen Netzen zur Verfügung. Als Netzbildner dient neben dem geplanten schnellen Batteriespeicher eine Biomasseanlage. Die Erkenntnisse des Forschungsvorhabens sollen nach Abschluss des Förderprojektes Forschungseinrichtungen als Datenquelle für weitere Untersuchungen zur Verfügung stehen.

„Wir freuen uns, mit RES einen Partner für unser Pilotprojekt gefunden zu haben, der mit langjähriger Erfahrung am internationalen Speichermarkt punkten kann. In der Ausschreibung hat uns das Angebot von RES aufgrund der technischen Kompetenz, der Qualität der detailliert ausgearbeiteten Konzepte und letztlich auch der sehr wettbewerbsfähige Preis überzeugt“, erläutert Frank Günther, Geschäftsführer der VBB.

Dr. Matthias Leuthold, Leiter Energiespeicher bei der RES Deutschland GmbH: „Die RES Gruppe konnte bereits eine Vielzahl an Speicherprojekten für Netzdienstleistungen in Großbritannien, den USA und Kanada umsetzen. Die gewonnene Ausschreibung der VB Bordesholm freut uns sehr. Sie ist ein weiterer wichtiger Schritt, um unsere Expertise auch in Deutschland einzubringen. Denn die Bereitstellung von Regelleistung wird in den kommenden Jahren aufgrund ihrer hohen Wirtschaftlichkeit und der fortschreitenden Ablösung von konventionellen fossilen Energieträgern auch in Deutschland weiter an Bedeutung gewinnen."

Volker Buddensiek / RES Deutschland / VBB

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