Schottland schaltet letztes Kohlekraftwerk ab

29.03.2016

Nach 115 Jahren der Kohlestromnutzung wurde in Schottland das letzte Kraftwerk abgeschaltet, das Kohle als Brennstoff verwendet hat. Das könnte die Umstellung Schottlands auf 100 % erneuerbare Energien in der Stromerzeugung kennzeichnen.

Das Kraftwerk Longannet, das nördlich von Edinburgh liegt, war mit einer Leistung von 2,4 GW einst das größte Kohlekraftwerk in ganz Europa. Nach 46 Jahren im Betrieb wurde es nun abgeschaltet aufgrund zu hoher Kosten für die Instandhaltung und die Übertragung und den hohen CO2-Ausstoß. Nach Berichten der britischen Zeitung The Guardian war Longannet mit einem Ausstoß von 9,5 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2013 für fast ein Fünftel der schottischen Emissionen verantwortlich. Im Jahr 2014 landete das Longannet Kraftwerk in der Liste der 30 am meisten die Umwelt verschmutzenden Kraftwerke in der EU.

Noch wurde nicht entschieden, was nun mit dem Gelände des Kraftwerks passieren wird – ein Vorschlag ist sogar, es in ein Zentrum für erneuerbare Energien umzuwandeln. Eine gar nicht so abwegige Idee, da der Betreiber von Longannet, Scottish Power, bereits 30 Windparks besitzt, die insgesamt eine Leistung von 1.6 GW aufweisen und zusätzlich noch weitere sechs Onshore-Windparks in der Entwicklungspipeline hat. Ohne Kohlekraftwerke setzt Scottish Power, das dem spanischen Unternehmen Iberdrola gehört, nun auf Strom aus Gas- und Windenergiekraftwerken.

Bis 2020 möchte die schottische Regierung 100 % des Stroms mithilfe erneuerbaren Quellen herstellen. Dabei ist die schottische Energiestrategie klar gegen Kernkraft positioniert, was der Energiestrategie des Vereinigten Königreichs widerspricht. Darin hat das Department of Energy and Climate Change (DECC) nämlich erklärt, dass es die Kernkraft ausweiten und Fracking zur Gasförderung unterstützen will.

Tanja Peschel

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