Kernkraft: RWE hat vermutlich nichts zurückgestellt

RWE-Chef Terium zu den AKW-Rückstellungen: "Wir brauchen das Geld, das wir in der Braunkohle noch verdienen."
RWE-Chef Terium zu den AKW-Rückstellungen: "Wir brauchen das Geld, das wir in der Braunkohle noch verdienen."
12.05.2015

In einem Interview mit dem Nachrichtensender n-tv hat der RWE Vorstandsvorsitzende Peter Terium erklärt, das Geld für den Rückbau von Kernkraftwerken müsse erst noch verdient werden. Wenn das stimmt, hat der Energiekonzern keinerlei Rückstellungen gebildet.

Ob die Energiekonzerne genug Rückstellungen für den Rückbau ihrer Atomkraftwerke gebildet haben und ob diese auch bei einer Insolvenz sicher sind, wird seit Jahren kritisch diskutiert. In einem ansonsten äußert unkritischen Interview mit dem Fernsehsender n-tv sagte Terium wörtlich: „Wir brauchen das Geld, das wir in der Braunkohle noch verdienen, um zukünftig die Versprechungen einzuhalten, etwa in Altersteilzeit, vorgezogener Ruhestand, all das, was wir unseren Mitarbeitern gegeben haben, um den Wandel sozialverträglich zu gestalten. Das Geld muss irgendwo herkommen. Das gleiche gilt für den Rückbau der Kernkraftwerke und auch für die Endlagerung. Das braucht alles Geld, und das Geld muss irgendwo verdient werden - und wenn nicht in der Braunkohle, dann wird es schon sehr schwierig, um all das zu stemmen.“

Perfide Logik

Was Terium damit relativ klar sagt, ist, dass RWE die perfide Logik verfolgt, dass man weiter mit Braunkohle Klima und Umwelt verschmutzen muss, um die Umweltschäden der Kernkraft bezahlen zu können.

Gegenüber der Tagesschau räumte Tobias Münchmeyer von Greenpeace ein, dass es auch vorstellbar sei, dass Terium hier lediglich Druck auf die Bundesregierung ausüben wolle, um die CO2-Abgabe auf alte Braunkohlekraftwerke zu verhindern.

Gabriel will die Bilanzen sehen

Allerdings hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel erst vor Kurzem angekündigt, dass die Bilanzen der Energiekonzerne einem Stresstest unterzogen werden sollen. Somit ist es zumindest wahrscheinlich, dass Terium in dem Interview die Wahrheit gesagt hat und dem Stresstest nur zuvor kommt. Demnach steht derzeit bei RWE kein Geld für den Rückbau der Kernkraftwerke bereit, obwohl der Konzern gesetzlich dazu verpflichtet ist.

Ist RWE insolvenzgefährdet?

Mit Hinblick auf die Braunkohleabgabe ließ Terium zudem durchblicken, dass sie den Konzern in die Insolvenz treiben könne. Wörtlich erklärte er: „Wenn sie so kommt, auch in der Höhe, wie sie ursprünglich vorgesehen war, dann trifft das zu 80/90 % unsere Braunkohle in einem Ausmaß, wo RWE es nicht mehr stemmen können würde.“

Die Nachricht an die Bundesregierung ist also klar: Ohne Braunkohle darf der Steuerzahler den AKW-Rückbau bezahlen. Die Frage bleibt nun, lässt die Regierung sich erpressen?

Jan Gesthuizen

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