Das Heizungslabel für Bestandsheizung kommt

Optisch wird das Altheizungslabel sich kaum vom Label für neue Wärmeerzeuger unterscheiden. (Grafik: BMWi)
Optisch wird das Altheizungslabel sich kaum vom Label für neue Wärmeerzeuger unterscheiden. (Grafik: BMWi)
17.08.2015

Das Bundeskabinett hat beschlossen, dass schon ab dem ersten Januar 2016 auch alte Heizungen mit einem Effizienzlabel ausgestattet werden sollen. Damit sollen Heizungsbesitzer animiert werden ineffiziente Heizungen früher auszutauschen. Die Idee ist gut, hat aber noch einige Tücken.

In der Heizungsbranche trifft die Ankündigung erst einmal auf großen auf Zuspruch. Sowohl der BDH als auch der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) begrüßten den Beschluss. Das Label für Heizungsaltanlagen soll sich am neuen Label für neue Wärmeerzeuger orientieren, das in ganz Europa ab 26. September 2015 Pflicht wird. So soll unnötige Verwirrung durch zu viele unterschiedliche Label vermieden werden. Allerdings wird das wohl kaum gelingen.

Verwirrende Vielfallt

So soll nach dem aktuellen Gesetzesentwurf zum Beispiel die Effizienz der alten Heizungen auf einer Skala von G bis A++ gelabelt werden. Allerdings wird die Skala des europäischen Labels für neue Wärmeerzeuger schon 2019 erweitert und wird dann von D bis A+++ reichen. Bei Verbundanlagen wird ebenfalls das A+++ eingeführt werden, aber am unteren Ende der Skala ist weiterhin ein G möglich. Schon das europäische Label sieht also zwei Skalen vor, das deutsche Altanlagenlabel würde eine weitere hinzufügen. Alle sähen sich sehr ähnlich, wären aber doch nur bedingt vergleichbar.

Selbst Fachleuten werden da kaum durchfinden. Gemacht ist das Label aber eigentlich für den Endkunden, um ihm ein besseres Verständnis für die Effizienz seiner Heizung zu ermöglichen.

Effizienzlabel bald nur noch A bis G?

Der Bundesverband Erneuerbare Energien schlägt daher vor, sich an der europäischen Skala bis A+++ zu orientieren. Allerdings dürfte auch das keine Abhilfe schaffen. Denn die Europäische Kommission hat angekündigt, dass man zur ursprünglichen Skala von A bis G zurückkehren möchte. Das haben unter anderem Verbraucherschützer schon lange gefordert. Die Erweiterung der Skala in der Vergangenheit mit immer weiteren Plus-Zeichen hat schon heute dazu geführt, dass die unteren Bereiche der Skala kaum genutzt werden. Das dürfte auch für das Altanlagenlabel gelten, das die Bundesregierung nun plant.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) zeigte sich außerdem überrascht, dass nur Kessel vom Altanlagenlabel betroffen sein werden. Ist der Kessel mit einer Solaranlage verbunden, wird dies nicht berücksichtigt. Beim Europäischen Neuanlagenlabel hingegen wird hierfür ein Verbundlabel erstellt, das die Einsparung von Gas oder Öl durch die Solaranlage berücksichtigt.

Zum Etikettieren werden ab 1. Januar 2016 Heizungsinstallateure, Schornsteinfeger und Energieberater berechtigt sein. Bezirksschornsteinfeger werden ab 2017 dann sogar verpflichtet, das Label im Rahmen der Feuerstättenschau durchzuführen. Diese finden allerdings nur ungefähr alle 3,5 Jahre statt. Wie schnell sich das Label verbreitet hängt also im Wesentlichen davon ab, ob schon vor der Pflicht auf freiwilliger Basis viele Label vergeben werden.

Utopische Annahmen

Laut Referentenentwurf geht man davon aus, dass jedes Jahr 30 % des ungelabelten Heizungsbestands freiwillig gelabelt werden. Allerdings wird gerade die freiwillige Etikettierung nicht vergütet, während es für die deutlich später greifende Pflichtetikettierung durch den Schornsteinfeger vom Staat eine Aufwandsentschädigung geben soll.

Zwar sind lange Übergangszeiten in der Politik nichts ungewöhnliches, angesichts der Tatsache dass Deutschland aber auf bestem Weg ist seine Klimaschutzziele zu verfehlen, wundert das eher beschauliche Tempo.

Bei aller Kritik: Alte und ineffiziente Heizungen auch als solche erkennbar zu machen ist sicherlich eine gute Idee. Bleibt zu hoffen, dass an den Details des Gesetzes noch ein wenig gefeilt wird.

Jan Gesthuizen

 

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