Gasimporte: Immer mehr und immer teurer

Obwohl der Gasverbrauch in Deutschland rückläufig ist, wird immer mehr Gas aus dem Ausland für immer mehr Geld eingekauft.
Obwohl der Gasverbrauch in Deutschland rückläufig ist, wird immer mehr Gas aus dem Ausland für immer mehr Geld eingekauft.
11.06.2014

Erdgas galt in der öffentlichen Wahrnehmung bisher vor allem als gute Ergänzung für Wind- & Solarstrom. Gaskraftwerke als vermeintlich klimafreundlich. Inzwischen sieht das ganz anders aus. Inzwischen bedeutet Gas in der öffentlichen Wahrnehmung nämlich vor allem eines: Abhängigkeit. Genau genommen, Abhängigkeit von Russland. In Ansätzen war bei der öffentlichen Debatte in Politik und Medien sogar zu spüren, dass es hier vor allem um das Thema Heizung und Wärme geht, weniger um Strom.

Dass die Abhängigkeit von Gasimporten groß ist, weiß inzwischen jeder. Dass dies aber nicht immer so war und auch nicht so bleiben muss, leider viel zu wenige. So zeigen Daten des Bundesamtes für Wirtschaft- und Ausfuhrkontrolle, dass der Import von ausländischem Gas seit dem Jahr 1991 um fast 80 % gestiegen ist. Und dabei wird das importierte Gas auch noch von Jahr zu Jahr teurer. Lag der sogenannte Grenzübergangspreis für ein TJ Gas im Jahr 1991 noch bei knapp über 2.400 € waren im vergangenen Jahr bereits um die 7.650 €/TJ fällig.

Der Kauf von immer mehr und immer teurerem Gas lässt inzwischen fast 28,7 Mrd. € ins Ausland abfließen. Direkt nach der Wende waren es noch 5 Mrd. €. Wie Sie an den Grafiken unten ablesen können, hat der Gaspreis vor allem seit der Jahrtausendwende an Fahrt aufgenommen, während die importierte Menge seit über 20 Jahren eher konstant ansteigt. Und dabei kann man fast von Glück reden, dass derzeit „nur“  29 Mrd. € ins Ausland abfließen. Denn der Gasverbrauch in Deutschland ist rückläufig. Seit der Jahrtausendwende ist er nach Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat um gut 40 % gesunken. Würden wir noch immer so viel Gas verbrauchen wie vor 10 Jahren würden bereits weit über 40 Mrd. € für Gasimporte ausgegeben.

Während das ganze Land von Peak-Oil und dem Ende des Ölzeitalters redet, hat der Brennstoff Gas ebenfalls eine rasante Preisfahrt aufgenommen, deren Ende nicht abzusehen ist. Niemand der sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt hat, kann guten Gewissens behaupten, dass die Förderung von Fracking-Gas in Europa den Preis senken könnte. Auch Gas aus Übersee wird nicht helfen. Es muss erst verflüssigt werden, um mit großen Tankern transportiert zu werden. Und das ist teuer.

Der Blick auf die Entwicklung der vergangenen 23 Jahre zeigt, es reicht nicht, weitere Quellen im Ausland zu erschließen. Gas wird langfristig nicht billiger, sondern immer teurer. Auch die Effizienzbemühungen haben bisher nicht gefruchtet. Zwar hat der Rückgang des Gasverbrauchs bisher viel Geld gespart, aber den Trend, dass wir immer mehr Geld in die Hand nehmen müssen um unsere Versorgung aufrechtzuerhalten, nicht stoppen können. Will Deutschland wirkliche Energiesicherheit muss der Gasverbrauch deutlich schneller sinken als bisher. Das aber ist derzeit nicht abzusehen.

So legt beispielsweise am Heizungsmarkt vor allem der Absatz von Gas-Brennwergeräten zu, erneuerbare Heizungstechnologien dagegen stagnieren oder haben sogar mit Marktrückgängen zu kämpfen. Ähnlich beim Strom. Noch stärker als Solar- und Windenergie wird momentan die Produktion von Biogas eingeschränkt. Alles läuft derzeit darauf hinaus, dass Deutschland noch abhängiger von russischen Importen wird, als es jetzt schon ist.

Jan Gesthuizen (Der Autor auf Twitter: @jgesthuizen)

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