Frankreich beschließt Energiewende

Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal will die Vorreiterrolle beim Klimaschutz in Europa übernehmen (Foto: dpa picture alliance)
Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal will die Vorreiterrolle beim Klimaschutz in Europa übernehmen (Foto: dpa picture alliance)
23.07.2015

Wenige Monate vor dem Weltklimagipfel in Paris will Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal die Vorreiterrolle beim Klimaschutz in Europa übernehmen. Ein von ihr vorgelegtes, im Vorfeld heftig diskutiertes Energiewende-Gesetz wurde gestern vom französischen Parlament verabschiedet. Das Gesetz, sagt die Ministerin, sei das "ehrgeizigste in Europa."

Wichtigster Punkt des neuen Gesetzes: Frankreich rückt – bisher als undenkbar angesehen – vom Atomstrom ab und orientiert sich in Richtung erneuerbare Energien. Bis zum Jahr 2025 soll nur noch die Hälfte des Stroms in französischen Leitungen aus Atomkraftwerken stammen. Aktuell sind es rund 75 %. Allerdings trifft die französische Regelung keine Aussage dazu, ob bestehende Atomkraftwerke vom Netz gehen sollen.

Die Kohlendioxid-Emissionen sollen bis 2050 um 75 % gegenüber dem Bezugsjahr 1990 heruntergefahren werden. Auch mit dieser Zahl will die französische Regierung offenbar ein Zeichen setzen innerhalb der erlahmenden Diskussion um Klimaschutz in Europa.

400 Mio. Euro für erneuerbare Energien

Auch der Anteil von Strom aus fossilen Energieträgern soll reduziert werden, bis zum Jahr 2030 um 30 % im Vergleich zu 2012. Der Anteil der Energie aus regenerativen Quellen soll dagegen deutlich wachsen: bezogen auf den Endenergieverbrauch bis zum Jahr 2030 auf 40 %. Strom aus Erneuerbaren soll seinen Anteil bis dahin auf 32 % erhöhen. Dafür will die Ministerin 400 Mio. Euro zur Verfügung stellen. Zugleich sollen Hausbesitzer mit steuerlichen Erleichterungen für eine energetische Sanierung ihrer Gebäude gewonnen werden.

Weitere Maßnahmen sind beispielsweise die Förderung der Elektromobilität und die Schaffung neuer Finanzierungsmöglichkeiten für Erneuerbare-Energien-Projekte. Insgesamt führt das Gesetz 20 Einzelmaßnahmen zur Erreichung der Ziele auf.

Aus dem Lager der konventionellen Stromindustrie kommt Kritik. Ihre Vertreter bezeichnen das Gesetz als nicht realisierbar und bemängeln ebenfalls, dass das Gesetz keine Aussage dazu trifft, wie eine Reduzierung des Atomstroms im Netz erreicht werden soll. Auch sei eine Verringerung der CO2-Emissionen um 40 % im Vergleich zum Jahr 1990 ohne Kernkraft nicht zu machen.

Volker Buddensiek