Die regionale Verteilung der Stromnachfrage wird sich bis 2030 grundlegend ändern

08.02.2017

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI hat im Auftrag der deutschen Übertragungsnetzbetreiber die Stromnachfrage- und Lastentwicklung für den Zeitraum von 2013 bis 2030 und darüber hinaus analysiert. Das Forschungsteam entwickelte drei Szenarien, je nach Szenario sinkt der Strombedarf bis 2030 oder bleibt auf einem konstanten Niveau. Zudem könnte es auf regionaler Ebene in den kommenden Jahren grundlegende Änderungen geben: Während sich die Stromnachfrage in urbanen Regionen und angrenzenden Gebieten voraussichtlich eher konstant entwickelt oder ansteigt, kann es in einigen ländlichen Regionen zu einem teilweise stärkeren Rückgang kommen. Die Studie „Netzentwicklungsplan Strom – Entwicklung der regionalen Stromnachfrage und Lastprofile“ ist ein wichtiger Baustein, um den künftigen Netzausbau zu planen.

Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber erarbeiten in regelmäßigen Abständen einen Netzentwicklungsplan (NEP), in dem künftige Netzbelastungen sowie der Ausbaubedarf im Übertragungsnetz analysiert werden. Ausgangspunkt des Netzentwicklungsplans ist der von der Bundesnetzagentur (BNetzA) genehmigte Szenariorahmen, der mögliche zukünftige Erzeugungs- und Nachfragesituationen beschreibt. Im Auftrag der deutschen Übertragungsnetzbetreiber erstellte das Fraunhofer ISI ein Begleitgutachten, das sich zwar an diesem Szenariorahmen orientiert, jedoch nicht vollständig deckungsgleich ist: In die Ausgestaltung der Szenarien des „Netzentwicklungsplan Strom 2030“ hat das Forschungsteam die vielfältigen Hinweise integriert, die in der Vergangenheit von der interessierten Öffentlichkeit (zum Beispiel Workshops im Rahmen eines Bürgerdialogs) in die Weiterentwicklung der Stromverbrauchsmodellierung eingebracht wurden.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ermittelten auf der Basis aktueller Prognosen zur Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung, wie sich die regionale Stromnachfrage von 2013 bis 2030 und auch darüber hinaus bis 2050 entwickeln könnte. Für den Zeitraum bis 2030 entwickelten sie anhand der Vorgaben zum Szenariorahmen der Übertragungsnetzbetreiber drei Szenarien, die sich hinsichtlich der Ausgestaltung von Energie- und Klimapolitiken, der Durchdringungsrate von Technologien und dem Anteil von flexiblen Stromverbrauchern unterscheiden:

  • In Szenario A spielen Effizienzsteigerungen, die Einführung neuer Anwendungen sowie Flexibilität eher eine geringe Rolle.
  • Szenario B geht davon aus, dass die genannten Maßnahmen verstärkt gefördert werden.
  • Szenario C geht von sehr ambitionierten Anstrengungen mit dem Ziel einer beschleunigten Energiewende aus.

Ausgehend von der Stromnachfrage im Jahr 2013 in Höhe von 523 Terawattstunden (TWh) zeigt sich in allen Szenarien ein Rückgang oder ein nahezu konstantes Niveau der Stromnachfrage: In Szenario A führt die weniger ambitioniert ausgestaltete Energiepolitik zu einem gedämpften Rückgang der Stromnachfrage bis 2030 auf etwa 504 TWh. Das Szenario B zeigt einen nahezu kontinuierlich sinkenden Trend auf etwa 490 TWh, der im Wesentlichen durch den Effizienzfortschritt bei bestehenden Technologien bedingt ist. Den geringsten Rückgang der Stromnachfrage gibt es im Szenario C, weil sich die Effizienzsteigerungen und die Verbreitung neuer Technologien im Wesentlichen gegenseitig kompensieren und somit die Stromnachfrage 2030 auf demselben Niveau liegt wie im Jahr 2013.

Während also der Zeitraum bis 2030 im Wesentlichen durch einen effizienzbedingten Rückgang der Stromnachfrage determiniert ist, zeigt ein Ausblick der Stromnachfrageentwicklung bis 2050, dass es mittel- und langfristig zu einem signifikanten Anstieg der Stromnachfrage kommen kann. Der Grund dafür sind weitere Sektorkopplungsoptionen wie die zunehmende Verbreitung von Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen. Zudem zeigt die Analyse, dass die Ergebnisse wesentlich durch die regional unterschiedliche Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklungen beeinflusst werden: Urbane Regionen und angrenzende Gebiete verzeichnen prinzipiell eine wachsende Stromnachfrage, während ländliche Regionen eher schrumpfende Tendenzen aufweisen.

Dr. Rainer Elsland, Leiter der Studie am Fraunhofer ISI, unterstreicht: „Diese tiefgehende Analyse ist eine bessere Grundlage gegenüber vergangenen Netzentwicklungsplänen, um den Verbrauch und die Last in künftigen Netznutzungssituationen unter den erwarteten Veränderungen zu prognostizieren. Die Übertragungsnetzbetreiber haben so eine verbesserte Methodik in den NEP-Prozess eingebracht, um für den zukünftigen Netzausbau mehr Akzeptanz zu erreichen.“

Die ausführlichen Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Studie „Netzentwicklungsplan Strom – Entwicklung der regionalen Stromnachfrage und Lastprofile“ veröffentlicht.

Quelle: Fraunhofer ISI

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