Ökostrom: „Perspektiven außerhalb des EEG eröffnen“

Im Online-Portal www.remix-energie.de können Kunden ihren Strommix wählen (Bild: BayWa r.e.)
Im Online-Portal www.remix-energie.de können Kunden ihren Strommix wählen (Bild: BayWa r.e.)
16.10.2015

In der vergangenen Woche hat die Münchener BayWa r.e. einen neuen Ökostromtarif vorgestellt, bei dem Energiekunden die Zusammensetzung aus Wasserkraft, Wind- und Solarenergie selbst wählen können. Der Strom im Tarif r.e.mix ist immer zu 100 % regenerativ und stammt ausschließlich aus deutschen Erzeugungsanlagen. Als Bezugsquellen nennt das Unternehmen auf der Webseite das Wasserkraftwerk Meitingen der Lechwerke, den Windpark Stötten und eine von BayWa r.e. gebaute PV-Dachanlage in Nördlingen. Der Strom wird im Rahmen der sonstigen Direktvermarktung an die Kunden geliefert. Zur Konzeption des flexiblen Ökostromtarifs hat SW&W Jens Eberlein befragt, den Geschäftsführer der BayWa r.e. Green Energy Products GmbH.

SW&W: Herr Eberlein, sind die auf der Webseite verzeichneten Kapazitäten die einzigen im r.e.mix-Tarif? Wie viele Kunden kann man grob geschätzt damit bedienen?

Jens Eberlein: Mit dem Start von r.e.mix als innovatives und unseres Wissens deutschlandweit erstes Produkt mit einem vom Kunden aktiv gestaltbaren erneuerbaren Energie-Mix haben wir uns für die auf unserer Webseite dargestellten erneuerbaren Stromproduktionsanlagen entschieden. Die dargestellten Erzeugungskapazitäten liefern ausreichend Strom zur Versorgung unserer r.e.mix-Kunden. Mit den auf der Website verzeichneten Kapazitäten können deutschlandweit ca. 23.415 Haushalte (unterstellter Jahresverbrauch von 3.500 kWh) zuverlässig mir erneuerbarer Energie versorgt werden.

SW&W: Haben Sie bereits Anlagen im Auge, um das Angebot auszuweiten, wenn der Zuspruch positiv ist?

Eberlein: Sowohl durch das bereits errichtete Portfolio an Erneuerbaren-Energie-Anlagen als auch durch den weiterhin stattfindenden Zubau von weiteren Anlagen steht uns ein weites Spektrum an entsprechenden Erzeugungsanlagen zur Verfügung, auf die wir im Rahmen unserer Wachstumsstrategie für r.e.mix zurückgreifen können. Die Lieferung der erzeugten erneuerbaren Energie erfolgt im Rahmen der sonstigen Direktvermarktung. Dabei erhält der Anlagenbetreiber für die produzierte erneuerbare Energie eine Vergütung von BayWa r.e. in Höhe der EEG-Vergütung. Diese Preisreferenz insbesondere für Wind- und Solarstrom spiegelt sich auch im Preismodell der r.e.mix-Produkte wider.

SW&W: Ist ein Mix nur aus Sonne und Wind künftig denkbar?

Eberlein: Bei der Produktentwicklung des r.e.mix-Produktportfolios haben die Ergebnisse unserer Kundenumfragen gezeigt, dass die Kunden eine aktive Mitbestimmung bei der Gestaltung ihres individuellen Strom-Mixes wünschen, jedoch auch ein überschaubares und mit sinnvollen Mix-Kombinationen ausgestattetes Portfolio wünschen. Aus dieser Erkenntnis heraus haben wir verbraucherfreundliche Kombinationen ausgewählt und in einer übersichtlichen und verständlichen Produktstruktur gebündelt. So bietet sich dem Kunden ein maximaler Gestaltungsspielraum, er läuft jedoch nicht Gefahr, sich im Dschungel der Prozente zu verirren. Einen Mix aus 50 % Sonne und 50 % Wind entwickeln wir gerade, da wir bereits nach wenigen Tagen Nachfragen nach dieser Produktkombination erhalten haben. Dieses spezielle r.e.mix-Produkt werden wir in Kürze unseren Kunden anbieten können.

SW&W: Wie werden die Lieferung von 100 % Wind bzw. 100 % Sonne gewährleistet?

Eberlein: Unser gesamtes r.e.mix Produktportfolio gewährleistet dem Kunden einen auf Jahresbasis ausgeglichenen Strommix aus erneuerbaren Energien. Auch bei den von Ihnen aufgeführten beiden Produkte r.e.mix breeze (100 % Wind) und r.e.mix shine (100 % Sonne) erhalten die Kunden auf Jahresbasis entsprechend produzierten Wind- und Solarstrom. In Zeiten, in denen beispielsweise kein Wind- oder kein Solarstrom produziert werden, haben wir in unserem r.e.mix-Stromportfolio andere erneuerbare Energie, also Wasser, Wind oder auch Solar, um unseren Kunden auch zuverlässig mit erneuerbarem Strom zu beliefern. In anderen Zeiten wird dann physikalisch mehr Wind- oder Solarstrom erzeugt und eingespeist, den dann unsere anderen r.e.mix Kunden physikalisch erhalten. Über das Jahr gesehen stellen wir sicher, dass für den r.e.mix unsere Kunden jeweils genügend erneuerbarer Strom zur Verfügung steht.

SW&W: Bietet der Tarif eine Perspektive für den PV-Zubau außerhalb des EEG – insbesondere außerhalb des Ausschreibungsverfahrens?

Eberlein: Das Geschäftsmodell und die Zielsetzung der BayWa r.e. ist den Zubau von erneuerbaren Energien aktiv zu gestalten, dafür wurden wir auch als eines der ersten Unternehmen mit dem TÜV Süd Label ‚Energiewendeunternehmen‘ ausgezeichnet. Dieses Label zeichnet unser Engagement und unsere Innovationen im Markt für Erneuerbare Energien aus. Mit dem r.e.mix Produktportfolio soll auch mittelfristig ein Zubau an erneuerbaren Energien Anlagen außerhalb des EEG ermöglicht werden. Wir sind zuversichtlich, für potenzielle Anlagenbetreiber hiermit Perspektiven außerhalb des EEG zu eröffnen.

Das Interview führte Ralf Ossenbrink.

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