Verkehrswende durch Erdgasmobilität: Potentiale und Herausforderungen

Erdgas (CGN) als alternativer Kraftstoff kann dabei helfen die Abgasemissionen zu reduzieren.  (Bild: Fotolia, © somnewfocus)
Erdgas (CGN) als alternativer Kraftstoff kann dabei helfen die Abgasemissionen zu reduzieren. (Bild: Fotolia, © somnewfocus)
17.07.2018

Der motorisierte Verkehr trägt einen erheblichen Teil zur Umweltbelastung bei. Der Individualverkehr sorgt dabei in vielen Städten für hohe Konzentrationen an Feinstaub. Vor allem Dieselfahrzeuge stehen im Fokus und sind durch die falschen Abgaswerte in die Kritik geraten. Die Regierung, beziehungsweise betroffene Städte und Gemeinden reagierten darauf mit der Einrichtung der sogenannten Umweltzonen für die besondere Regeln gelten. Sie sind ständig oder zu bestimmten Zeiten nur noch für Fahrzeuge zugelassen, die mit einer entsprechenden Feinstaubplakette ausgestattet sind. 

Zudem sind die vielgepriesenen Elektrofahrzeuge nur bedingt eine Lösung. Neben den hohen Anschaffungskosten, einer wenig zufriedenstellenden Reichweite und der noch unzulänglich ausgebauten Infrastruktur wird die Belastung mit schädlichen Emissionen unter Umständen nur verlagert: Positiv zahlt sich aus, dass beim Fahren keine schädlichen Abgase entstehen. Stammt die notwendige Energie jedoch aus Kohlekraftwerken, kann von einer Reduktion der schädlichen Emissionen keine Rede sein.
 

Klare Ziele – fehlende Strategie

Im Rahmen des Klimaschutzgesetzes ist klar geregelt, dass die Treibhausgas- und Feinstaubemissionen gesenkt werden müssen. Doch auch der Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung lässt offen, auf welche Weise dies geschehen soll. Im Bereich Verkehr gibt es dazu verschiedene Ansätze, die derzeit verfolgt werden:

  • Förderung der Elektromobilität: Neben der finanziellen Förderung sollen verpflichtende Zulassungsquoten für Fahrzeuge mit Elektroantrieb eingeführt werden.
  • Förderung des Alternativverkehrs: Ausbau des ÖPNV und der Verkehrsinfrastruktur für Fahrräder
  • Abschaffung von Steuervorteilen für Dieselfahrzeuge
  • Einführung flottenspezifischer Grenzwerte: Verbindliche Obergrenzen für Abgaswerte für neu zugelassene PKW.

Manche der hier aufgezählten Maßnahmen sind nicht neu. Inzwischen ist auch klar, dass die bisherige Förderung der Elektromobilität die ehrgeizigen Ziele einer Erhöhung des Anteils solcher Fahrzeuge nicht annähernd erreichen konnte. Auch der Ausbau der Infrastruktur für Alternativen zum motorisierten Individualverkehr werden sich im besten Fall längerfristig auswirken.

Vor allem Verbraucher fühlen sich angesichts drohender Fahrverbote und des bisherigen Umgangs mit den Verantwortlichen des Dieselskandals von der Politik im Stich gelassen. Hier sind Konzepte gefragt, die bereits kurzfristig Wirkung zeigen und Lösungen für den mobilen Alltag bieten.


Dringender Handlungsbedarf

Die Aktuellen Entwicklungen zeigen, dass die bisherigen Maßnahmen im Verkehrsbereich zu wenig Wirkung zeigen. Seit 2012 sind die Mengen der CO2-Emissionen wieder kontinuierlich gestiegen. Zwar ist die Anzahl der Dieselfahrzeuge etwas gesunken, doch insgesamt wurden mehr neue Fahrzeuge zugelassen, der Verkehr hat insgesamt zugenommen. Klar, dass durch einen überwiegenden Anteil an Verbrennungsmotoren so der Abgasausstoß zunimmt.

Da nicht nur Deutschland mit der Einhaltung der Klimaschutzziele Probleme hatte, wurde zuletzt von der EU ein neue Erklärung mit Bestimmungen für das Jahr 2030 verabschiedet (vorher 2020). Eine Möglichkeit ist dabei etwa auch die Nutzung von Wald- und Landwirtschaftsflächen, um CO2-Emissionen auszugleichen oder quasi zu „neutralisieren“. 

Spätestens bei diesem Punkt kommen auch die Potentiale von Biogasanlagen ins Spiel. Biomethangas kann unter anderem als effizienter Brennstoff für Fahrzeuge eingesetzt werden und dabei helfen, den Abgas- und Feinstaubausstoß zu reduzieren. In einigen Städten wurde bereits vor Jahren die Busflotte des ÖPNVs auf Erdgasfahrzeuge umgestellt. Anreize für den Individualverkehr fehlten bislang jedoch.
 

Politik fördert Erdgastreibstoff weiterhin

Autogas (LPG) ist an Tankstellen bereits seit Jahren als sehr preiswerter Kraftstoff erhältlich. Erdgas (CNG/LNG) ist zwar etwas teurer, allerdings immer noch günstiger als Diesel. Die Bundesregierung hat letztes Jahr (2017) beschlossen, die steuerliche Förderung zunächst bis zum Jahr 2026 fortzuführen. Ein klares Signal für das große Potential des Energieträgers als alternativer Kraftstoff im Straßenverkehr. 

Eine finanzielle oder steuerliche Unterstützung bei der Anschaffung von Erdgasfahrzeugen könnte ebenfalls sinnvolle Anreize schaffen.


Potentiale der Erdgasmobilität im Überblick

Die Einsparpotentiale bei den schädlichen Emissionen sind durchweg überzeugend. Bei allen Punkten werden hier niedrigere Werte erzielt, so die Angaben des DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.):

  • CO2-Ausstoß: Rund 20 Prozent niedrigere Werte (im Vergleich zu Diesel, inklusive der EURO 6 Norm)
  • NO2-Ausstoß: Rund 85 Prozent niedrigere Werte (im Vergleich zur EURO 6 Norm)
  • Feinstaubemission: Etwa 97 Prozent weniger (im Vergleich zu Diesel, inklusive der EURO 6 Norm)

Darüber hinaus gibt es noch weitere Kriterien, die Erdgas zu einer attraktiven Alternative machen. Viele Fahrzeuge mit Gasantrieb sind deutlich leiser auf unseren Straßen unterwegs. Der Geräuschpegel ist dabei um rund die Hälfte niedriger als bei Dieselfahrzeugen. Vor allem LKWs mit entsprechendem Antrieb könnten so zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

Im Vergleich mit Elektrofahrzeugen dauert der Tankvorgang nur einen Bruchteil und ist vergleichbar mit dem Aufwand beim Tanken von üblichen Flüssigkraftstoffen. Die hohe Leistungseffizienz von Erdgas sorgt zudem für eine große Reichweite. Je nach Fahrzeugtyp und jährlicher Laufleistung ergeben sich trotz der etwas höheren Anschaffungskosten finanzielle Einsparungen bei einem Erdgasfahrzeug, vor allem dank des günstigeren Kraftstoffpreises. Allerdings muss auch hier die Tank-Infrastruktur noch erheblich ausgebaut werden. Die meisten Gastankstellen bieten derzeit überwiegend LPG-Kraftstoff.


Gas als erneuerbarer Biokraftstoff

Darüber hinaus kann Erdgas als Kraftstoff für Fahrzeuge auch theoretisch gänzlich aus erneuerbaren Quellen hergestellt werden. Die Nutzung von Biogas könnte so zu einer beinahe klimaneutralen Mobilität beitragen.

Nicht nur mit frischen Agrarprodukten wie Mais, Raps oder Zuckerrüben ist es heute möglich, effizient Biogas zu produzieren. Anlagen, die gezielt landwirtschaftliche Abfallprodukte verwerten, sind ebenfalls geeignet.

Auf diese Weise können Abfallprodukte aus Biomasse (Gülle, Schnittgut, Lebensmittelreste) durch die Vergärung zu hochwertigem Treibstoff verarbeitet werden. Experten sehen zudem noch großes Steigerungspotential beim Ausbau solcher Anlagen.

Um eine solche Entwicklung voranzutreiben, bedarf es ebenfalls noch sinnvoller Anreize durch die Politik. Ähnlich wie bei der Förderung der Elektromobilität bedarf es einer Strategie zum Ausbau der notwendigen Infrastruktur. Mindestquoten für entsprechende Fahrzeugzahlen oder die Anrechnung der CO2-Einsparungen bei den Flottenzielen sind dazu derzeit im Gespräch.

Wird das Biogas regional in kleineren Anlagen erzeugt, ergeben sich auch daraus noch verschiedene Vorteile. Eine Machbarkeitsstudie des Instituts für Biogas, Kreislaufwirtschaft und Energie hat die Potentiale im Detail für eine kleinere Gemeinde untersucht. Für Landwirte entsteht ein wichtiger Absatzmarkt mit hoher Abnahmegarantie. Der Kraftstoff muss zudem nicht aufwändig über längere Strecken transportiert werden. Eine verstärkte Nutzung von Erdgas als Kraftstoff könnte vielen Betreibern von Erdgasanlagen Erleichterung verschaffen. Durch den Wegfall der EEG-Zulagen sind sie in Bedrängnis gekommen. Durch eine Förderung der notwendigen Einrichtungen zur Hochdruckverdichtung und von Zwischenlagern könnte die Politik ebenfalls entsprechende Rahmenbedingungen schaffen.


Fahrzeuge mit Hybridantrieb

Neben reinen Erdgasfahrzeugen sind auch solche mit zwei Kraftstoffarten erhältlich. Dann kann zudem auch herkömmlicher Sprit getankt werden. Zudem ist eine Nachrüstung möglich. Hier ist allerdings Vorsicht geboten. Bei der Verbrennung unterscheiden sich Benzin und Erdgas erheblich. Letzteres verbrennt bei höheren Temperaturen. Dies sorgt für eine besondere Belastung des Motors und weiterer Teile. Die Folge kann hier eine reduzierte Lebensdauer der Maschine sein.

Zudem ist eine sehr genaue Abstimmung bei der Einspritzmenge notwendig, die genauestens auf das Fahrzeugmodell angepasst sein muss. Nur so kann die Belastung des Motors größtmöglich eingeschränkt werden. Oftmals ist der Kauf eines Fahrzeugs, das serienmäßig mit einer Gasanlage ausgestattet ist sinnvoller.