Elektromobilität: Chancen für den Wirtschaftsstandort

Fraunhofer ISI-Studie sieht Elektromobilität als Chance für den Wirtschaftsstandort (Foto: iStock)
Fraunhofer ISI-Studie sieht Elektromobilität als Chance für den Wirtschaftsstandort. (Foto: iStock)
15.08.2017

Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI sieht im Umstieg von konventionellen Pkw auf Elektrofahrzeuge für den Wirtschaftsstandort Deutschland Potenziale für positive Effekte bei Arbeitsplätzen und Wertschöpfung. Allerdings muss der Wandel aktiv gestaltet werden.

Vor dem Hintergrund der Debatte um die Zukunft des Verbrennungsmotors in Deutschland sowie des angekündigten Verbots konventioneller Personenkraftwagen (Pkw) in Frankreich und England erstellte das ISI eine Analyse möglicher volkswirtschaftlicher Auswirkungen des Wandels hin zur Elektromobilität – und kommt dabei zu ganz anderen Ergebnissen als die jüngst veröffentlichte Studie des Münchner ifo Instituts, in der die potenziellen negativen volkswirtschaftlichen Folgen eines Verbots von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor herausarbeitet wurden.

Basis der ISI-Untersuchung sind Analysen über die aktuelle und künftige Wettbewerbsposition der deutschen Automobilindustrie bei Elektrofahrzeugen. Das interdisziplinäre Forschungsteam kommt zu folgenden Ergebnissen:

Deutsche Hersteller halten aktuell beim Verkauf von Elektrofahrzeugen vergleichbare Marktanteile wie bei konventionellen Fahrzeugen. „Unter gleichbleibender Marktposition verspricht der Wandel zur Elektromobilität ähnlich positive Effekte auf Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Deutschland wie die Herstellung von konventionellen Fahrzeugen“, so Prof. Martin Wietschel, Leiter des Geschäftsfelds Energiewirtschaft und stellvertretender Leiter des Competence Centers Energietechnologien und Energiesysteme am Fraunhofer ISI.

Neue Arbeitsplätze in der Energiewirtschaft und durch neue Dienstleistungen

Eine Auswertung von Studien, die den Gewinn neuer Arbeitsplätze durch die Elektromobilität abzüglich des Verlusts von Arbeitsplätzen bei konventionellen Fahrzeugen ausweisen, zeigen für Deutschland bis 2030 viele mögliche Szenarien mit annähernd gleichbleibender Anzahl oder positiven Effekten auf Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Neben neuen Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie wird unter anderem eine Reihe an neuen Arbeitsplätzen in der Energiewirtschaft und durch neue Dienstleistungen gesehen.

Der Wandel zur Elektromobilität geht allerdings einher mit einem Strukturwandel, einer Verschiebung innerhalb der automobilen Wertschöpfungsketten und einem Wandel der Arbeitsplätze. Hierbei wird es wichtig werden, Ein- und Umschulungsangebote sowie generell neue Ausbildungsangebote zu schaffen, um künftige Fachkräfte auf diesen Wandel vorzubereiten. Auch in anderen Bereichen ist der Wandel zur Elektromobilität aktiv zu gestalten. Dazu gehört, die bestehenden Schwachpunkte, beispielsweise bei der Batteriezellproduktion, zu beseitigen, den Wandel der Industriestrukturen aktiv anzugehen und die Erschließung neuer Geschäftsmodelle voranzutreiben. Dann kann es gelingen, die drohenden Verluste in den Produktion- und Zulieferbereichen des konventionellen Antriebsstrangs und Effekte außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes zu kompensieren, beispielsweise im Handel und in der Instandhaltung.

Wenn es gelingt, die derzeitige gute Wettbewerbssituation der deutschen Industrie bei Elektrofahrzeugen zu erhalten oder sogar noch auszubauen, sind die Chancen gut, dass der Wandel hin zur Elektromobilität in der Summe positive Auswirkungen auf Beschäftigung und Wertschöpfung in Deutschland hat und Verluste bei Verbrennungsmotoren kompensiert werden können. Bei der Diskussion um die Folgen eines Verbots von konventionellen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ist weiterhin zu beachten, dass Deutschland einen hohen Exportanteil von 60 % der in Deutschland hergestellten konventionellen Fahrzeuge hat. Weiterhin sind die Marktanteile der hybriden Elektrofahrzeuge (batterieelektrische Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, sogenannte plug-in hybrid electric vehicle PHEV) auf heute bereits knapp 40 % aller Elektrofahrzeuge gestiegen. Werden diese Positionen gehalten, wird ein schneller Ausstieg aus dem Verkauf von konventionellen Fahrzeugen in Deutschland nur bedingt negative Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Wertschöpfung in den Branchen haben, die vom Verbrennungsmotor in Deutschland abhängen. Je nach Gesetzgebung könnten allerdings auch die PHEV von einem Verbot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor betroffen sein.

Da bisher erst wenige umfassende Studien zu den volkswirtschaftlichen Effekten vorliegen, sieht das Team des Fraunhofer ISI allerdings weiteren Forschungsbedarf zu diesem Themenkomplex.

Fraunhofer ISI / Volker Buddensiek

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