Die Mär vom schmutzigen Elektroauto

Jana Höffner (Foto: privat)
Jana Höffner (Foto: privat)
08.03.2018

Ständig stolpert man über Rechtfertigungsversuche, die dem deutschen Autofahrer das Gewissen reinwaschen und das Elektroauto als „Umweltsau“ identifizieren. Doch immer wieder sind diese Argumentationen viel zu kurz gedacht, meint Jana Höffner.

Nicht erst seit Dieselgate wissen wir, dass Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren unsere Städte nicht zu Luftkurorten machen. Trotz vermeintlich sauberen Dieseln leiden viele Städte in Deutschland und hoher Feinstaub- und Stickoxidbelastung. Auf der anderen Seite haben einige das Elektroauto als wahre „Umweltsau“ identifiziert. Der Strom sei ja nicht sauber, der CO2-Rucksack der Batterie sei so groß, dass er sich nie kompensieren lasse. Dabei wird gern vergessen, dass Benzin und Dieselkraftstoff nicht einfach aus der Zapfsäule kommen. Stattdessen begeben wir uns in ein Scheingefecht und führen einen argumentativen Stellvertreterkrieg für die „Old Boys“ der deutschen Automobilindustrie, die die Elektromobilität scheuen wie der Teufel das Weihwasser und die Mineralölkonzerne, die ihr Geschäftsmodell massiv bedroht sehen.

In China erleben die erneuerbaren Energien einen unvergleichlichen Boom. In den USA entwickelt man nicht nur die Autos von morgen, sondern auch die dazugehörigen Plattformen. Währenddessen beschäftigen wir uns mit Debatten und Glaubenskriegen darüber, ob eine auf endliche Rohstoffe aufbauende Mobilität besser ist, als eine, die auf nachhaltige Quellen setzt – deren stärkerer Ausbau zum Konzept der Elektromobilität ohnehin dazugehört. So lange wir einfach zu bequem sind Energie zu sparen, braucht niemand damit kommen, dass Elektroautos anderen den Ökostrom wegnehmen.

Der Elektroantrieb ist die Zukunft. Denn Strom ist erneuerbar! Diesen Vorteil spielt das Elektroauto nicht nur auf der Straße aus, sondern auch in der Produktion. Eine vielfach und falsch zitierte Studie aus Schweden hat genau das gezeigt. Der größte Energieaufwand bei der Zell- und Batterieproduktion ist elektrische Energie. Der Einsatz erneuerbarer Energien beim Bau des Elektroautos verkleinert den CO2-Rucksack signifikant. Und im Betrieb sind die CO2-Emissionen selbst mit dem aktuellen deutschen Strommix um den Faktor 2 bis 2,5 geringer. Die Lärmbelastung in unseren Städten würde mit Stromern dramatisch sinken. Wer schon einmal an einer Hauptverkehrsstraße gewohnt hat, weiß, wie belastend und letztlich krankmachend Verkehrslärm ist.

Der Elektromotor geht viel effizienter mit der Energie um. Ein Verbrennungsmotor hat einen Wirkungsgrad von 15 bis 30 Prozent. Beim Elektromotor sind es 90 bis 95 Prozent. Von der Quelle bis zum Rad liegt der Gesamtwirkungsgrad beim Verbrenner bei unter zehn Prozent. Beim Elektroauto mit Ökostrom sind es 73 Prozent. Jeder, der sich mit erneuerbaren Energien beschäftigt, weiß um die Bedeutung von Dezentralisierung, Smart Grids und Mikrogrids. Und auch hier kommt das Elektroauto ins Spiel: Denn es wird zum Stromspeicher – ideal, um die Spitzen und Senken der volatilen erneuerbaren Energien auszubügeln.

Daneben treibt das Elektroauto die Batterietechnik massiv voran. Ausgediente Elektroauto-Batterien finden ein zweites Leben in Netzspeichern und Pufferbatterien für Schnellladestationen. Alte Elektroauto-Batterien sind also beileibe kein Sondermüll. Schlussendlich sind sie wertvolle Rohstofflager: Da die Batterie ihre Bestandteile nicht „verbraucht“, können sie recycelt werden. Auch wenn es hier noch Forschung und Innovation braucht, um die Recyclingprozesse weiter zu verbessern. Die Hersteller stehen jedenfalls in den Startlöchern.

Jana Höffner

 

Der Gastkommentar ist in SONNE WIND & WÄRME 3/2018 erschienen.

 

Jana Höffner bloggt unter www.ZoePionierin.de seit 2012 über Elektromobilität. Sie hat den Verein Electrify-BW e.V. mitgegründet und ist dessen zweite Vorsitzende. Auf www.Electrify-BW.de produziert sie einen regelmäßigen Podcast, der sich mit allen Themen rund um die Elektromobilität und die Verkehrswende beschäftigt.