Nahwärme in Birkenfeld gestartet

In Birkenfeld an der Nahe ist eine Nahwärmeversorgung auf Biomassebasis und mit Kraft-Wärme-Kopplung ihrer Bestimmung übergeben worden. Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Mitte) durchschnitt das Rote Band. (Foto: Martin Frey)
In Birkenfeld an der Nahe ist eine Nahwärmeversorgung auf Biomassebasis und mit Kraft-Wärme-Kopplung ihrer Bestimmung übergeben worden. Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Mitte) durchschnitt das Rote Band. (Foto: Martin Frey)
19.02.2016

In Birkenfeld an der Nahe ist am 17. Februar eine Nahwärmeversorgung auf Biomassebasis und mit Kraft-Wärme-Kopplung in Betrieb gegangen. Vor Ort erklärte die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke im Gespräch mit SONNE WIND & WÄRME, wieso die bisherigen Maßnahmen zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung ihrer Meinung nach nicht ausreichen.

Betrieben wird die Nahwärmeversorgung im Innenstadtbereich von der Nahwärmeversorgung Birkenfeld GmbH, deren Träger die Verbandsgemeinde, der Landkreis und die „EDG - Energiedienstleistungsgesellschaft Rheinhessen-Nahe mbH aus Nieder-Olm bei Mainz sind.

Die Anlage mit einer Leistung von 1,8 MW thermisch wird primär mit Holzhackschnitzeln und Grünschnitt aus der Region befeuert. Sie wird wärmegeführt betrieben und versorgt über ein rund 2.500 m langes Nahwärmenetz 30 meist öffentliche Gebäude wie das Rathaus, die Kreisverwaltung und ein Museum, aber auch mehrere private Liegenschaften, die sich dem Projekt angeschlossen haben.

Mehr Förderprogramme benötigt

Für die EGD war dies eines der größten Projekte, wie Geschäftsführer Christoph Zeis berichtete (SONNE WIND & WÄRME 3/2016). Sein Unternehmen gehört den Landkreisen Mainz-Bingen, Bad Kreuznach und Alzey-Worms sowie einer Reihe von Verbandsgemeinden nahe Mainz und hat mittels Contracting bereits über 100 BHKW-Anlagen unter eigener Regie realisiert. Das 3-Millionen-Euro-Projekt in Birkenfeld wurde durch das Land Rheinland-Pfalz mit rund 1,3 Millionen Euro aus dem gewonnenen Wettbewerb „Regionalentwicklung von Hahn Hunsrück“ gefördert.

SONNE WIND & WÄRME sprach auf der Veranstaltung mit der rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Bündnis 90/Die Grünen) darüber, welchen Rahmen es bedarf, um die Nahwärmenutzung und die Kraft-Wärme-Kopplung rascher auszubauen. Eveline Lemke: „Dazu braucht man extra Förderprogramme, hier im Hunsrück konnten wir das vorhandene Programm nutzen. In der nächsten Legislaturperiode wollen wir die Wärme extra fördern, dazu kann man beispielsweise den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) nutzen.“

"Nahwärmenetzen keine zusätzlichen Lasten aufbürden“

Die zu Jahresbeginn in Kraft getretene Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG) reiche für eine Wirtschaftlichkeit nicht aus, meint Lemke: „Die Novelle des KWKG macht es schon mal leichter. Was es aber - gerade was den Eigenstrom betrifft – erschwert, ist, dass dafür EEG-Umlage gezahlt werden soll. Da man solche Nahwärmenetze fördern sollte, darf man ihnen nicht zusätzliche Lasten aufbürden. Deshalb kämpfe ich im Bundesrat dafür, dass der Eigenstrom wieder einen Anschub bekommt und die jetzt angedachten Regelungen gekippt werden.“

Dies sei gerade im Interesse der Industrie, die die KWK für sich selbst nutzen wolle. Die Wirtschaftsministerin: „Es gibt hier nur eine sehr kurze Übergangszeit und ich finde es aberwitzig, dass gerade bei Hochindustrieanlagen, die zwei- bis dreistellige Millionensummen als Invest brauchen, ein so kurzer Übergang von nur drei Jahren gewährleistet ist. Das geht nicht, wenn man auf eine andere Technologie umsteigen will.“

In Richtung Brüssel fordert Eveline Lemke, die sich bei der Landtagswahl im kommenden Monat dem Wählervotum stellen muss: „Die EU-Kommission hat hier ihre Hausaufgaben zu machen und muss auch lernen, dass die Nutzung von Eigenstrom von der Industrie keine Stromproduktion im Sinne eines Energieerzeugers ist. Dafür kann man sie nicht belasten.“

Martin Frey

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