Nachwachsende Rohstoffe gefragt

Im Strommarkt hat sich die installierte Anlagenleistung sowohl für Festbrennstoffe als auch für Biogas in den vergangenen Jahren verfünffacht. Eine enorme Steigerung liegt auch bei den flüssigen Bioenergieträgern vor. Martin Kaltschmitt (Institut für Energetik und Umwelt, Leipzig) zufolge ist der Auslöser für diese Entwicklung die Verfügbarkeit von kostengünstigem Palmöl. Für die weitere Steigerung der Stromerzeugung müssen vor allem Nutzungskonkurrenzen beim Waldholz gelöst werden, das auch von der Werkstoff- und Papierindustrie in Anspruch genommen wird. Die Entwicklung der Stromerzeugung aus Pflanzenölen wird wesentlich von der derzeit diskutierten Nachhaltigkeitsstrategie für Importe abhängen. Mit fast 5 % Anteil am Gesamtwärmemarkt nimmt die Wärme aus Biomasse heute schon eine etablierte Position ein. Daher ist, im Gegensatz zum Strommarkt, bei der Wärme aus Biomasse nur eine verhaltene Steigerung zu erwarten.
Lebhafte Diskussionen löste vor allem die Marktanalyse der Biokraftstoffe aus. Nach Einschätzung der Autoren werden Biodiesel und Bioethanol bis 2020 die tragende Rolle einnehmen, reines Pflanzenöl hingegen mit zunehmender Besteuerung an Bedeutung verlieren. Bei den beiden wichtigsten Biokraftstoffen würde der Importanteil steigen. 2005 wurde noch über die Hälfte des Biodiesels weltweit in Deutschland erzeugt. Bedenken gegenüber den gesetzlichen Beimischungsquoten kamen von Seiten der Mineralöl- und der Autoindustrie. Bei der Gesamtquote von 6,25 % ab 2009 könnten Deckungslücken entstehen. Um diese zu erfüllen, müsste der biogene Anteil im Diesel von derzeit 5 auf 10 % gesteigert werden. Hierfür seien die Motoren jedoch nicht ausgerüstet. Die Fahrzeughersteller könnten unmöglich alle Treibstoffvarianten bedienen, so Stefan Keppeler (Daimler Chrysler AG).
Die Automobilhersteller setzen auf eine zügige Entwicklung von Kraftstoffen der zweiten Generation, den sogenannten Biomass-to-Liquid (BtL)-Kraftstoffen. Während deren Entwicklung zur Marktreife noch einige Jahre dauert, rechnen die Hersteller ab 2009 mit einem Überschuss der Bioethanolproduktion. 2007 gab es vier Produktionsstätten in ganz Deutschland, etwa 25 neue Anlagen befinden sich derzeit in Bau oder Planung. Bemessen an den Beimischungsquoten gäbe es damit ab 2009 einen Überschuss von 0,6 Mio. Kubikmetern, so der Ethanolhersteller Ludz Wilkening. Auch auf europäischer Ebene wird in den nächsten Jahren eine erhebliche Konkurrenz unter den Bioethanolproduzenten entstehen. Beim Biodiesel könnten die Produktionskapazitäten in Deutschland ebenfalls bald den Bedarf übertreffen. Die Rohstoffbasis ist nach Einschätzung von Martin Kaltschmitt zunächst ausreichend: »Europaweit sind noch genügend Flächen verfügbar, und Effizienzsteigerungen sind möglich.« Allerdings müsse auch die weltweite Entwicklung der Biokraftstoffe, zum Bespiel Förderprogramme in den USA, in Betracht gezogen werden.

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