Landshut baut erneuerbare Fernwärme auf

Die Arbeiten in der bodendenkmalgeschützten Innenstadt mussten mit großer Vorsicht durchgeführt werden. Lediglich in kleinen Bereichen durfte man die Pflastersteine durch ein Asphaltprovisorium ersetzen. (Foto: Gammel Engineering)
Die Arbeiten in der bodendenkmalgeschützten Innenstadt mussten mit großer Vorsicht durchgeführt werden. Lediglich in kleinen Bereichen durfte man die Pflastersteine durch ein Asphaltprovisorium ersetzen. (Foto: Gammel Engineering)
11.11.2016

Seit Ende 2012 nutzt die Stadt Landshut eine ehemalige Müllverbrennungsanlage für die Wärme- und Stromgewinnung mit Material aus der städtischen Landschaftspflege. Der Aufbau des 23 km umfassenden Wärmenetzes wurde seit 2013 von Gammel Engineering organisiert.

Im Oktober 2011 fasste die Stadt Landshut den Beschluss, die ehemalige Müllverbrennungsanlage in ein Biomasseheizkraftwerk (BMHKW) umzurüsten und ein Fernwärmenetz aufzubauen. Damit sollten Anschlussnehmer zentral und ständig kontolliert mit Energie versorgt und von der Verfeuerung von Öl und Gas abgebracht werden. Neben der zuvor bestehenden Entnahme-Kondensationsturbine mit einer Leistung von 3 MWel wurden eine Gegendruckturbine mit 2 MWel und bis zu 13 MWth zur Wärmeauskoppelung installiert. Ein 26 km umfassendes Fernwärmenetz versorgt nun rechnerisch 4.000 Haushalte mit Wärme, die ausschließlich mittels Landschaftspflegematerial erzeugt wurde.

Das Ingenieurbüro Gammel Engineering ist seit 2013 mit dem Aufbau des Wärmenetzes beauftragt. Die Aufgaben waren dabei umfassend und reichten von der Auslegung und Simulation der einzelnen Abschnitte, über die Ausschreibung der Arbeiten und Bauaufsicht bis hin zum Verwendungsnachweis für die Förderung des Netzes nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz.

Herausfordernd für das Abensberger Büros war vor allem, dass man die Bevölkerung der Stadt nicht stärker als unbedingt notwendig beeinträchtigen wollte. Auch Baumaßnahmen an anderen Stellen mussten beachtet und eingeplant werden. Aus diesem Grund bezog man Verkehrs- und Tiefbauamt intensiv ein. Auf diese Weise konnten zeitgleich mit dem Bau des Fernwärmenetzes auch weitere Projekte zur Modernisierung der Stadt durchgeführt werden. So wurden zum Beispiel ein Lehrrohrsystem, das für eine spätere Belegung mit Glasfaserkabeln vorgesehen ist, sowie Wasser- und Gasleitungen im Mittel- und Niederdruckbereich verlegt.

Im Anschluss an die Arbeiten wurden dem Unternehmen die Planungsleistungen für die neue Reserve- und Spitzenlastzentrale übertragen. So wollen die Stadtwerke Landshut mit dem Heizwerk die Wärmeversorgung auch bei Ausfall eines Wärmeerzeugers im BMHKW sichern und eine störungsfreie Energieversorgung des Netzes garantieren.

Philipp Kronsbein / Gammel Engineering