Erste Bio-Power-To-Gas-Anlage für den Mobilitätssektor

14.09.2015

Überschüssiger Strom aus Wind- oder PV-Anlagen wird erstmals mithilfe eines biologischen Verfahrens in Methan umgewandelt und als Kraftstoff vermarktet. Die Power-to-Gas-Anlage steht am Unternehmenssitz von Viessmann in Allendorf an der Eder und, nach einem erfolgreichen Leistungstest, wird dort seit Juli 2015 der Biokraftstoff vermarktet.

Zunächst wird mit dem überschüssigen Strom ein Elektrolyseur betrieben, der Wasser in Wasserstoff umwandelt. Eine Biogasanlage liefert zusätzlich Kohlenstoffdioxid, das in einem zweiten Schritt zusammen mit dem Wasserstoff in Methan umgewandelt wird. Die Methanisierung geschieht dabei mithilfe von Mikroorganismen in einem Verfahren, das von den Viessmann-Unternehmen MicrobEnergy entwickelt bzw. von Schmack Biogas geplant und gebaut wurde. Den in Flüssigkeit gelösten Wasserstoff wandeln die Mikroorganismen also zusammen mit dem CO2 in Methan und Wasser um.

Nach bestandenem Leistungstest: Vermarktung als Biokraftstoff

Im Juni 2015 wurde ein einmonatiger Leistungstest der Anlage durchgeführt, um festzustellen, ob die produzierte Energiemenge ausreicht und die Qualität des hergestellten Gases hoch genug ist. Grenzwerte waren dabei eine Energiemenge von 35.000 kWh und ein Methangehalt des produzierten Gases von mehr als 98 % bei einem Wasserstoffgehalt von unter 1,5 %. Der Leistungstest wurde erfolgreich abgeschlossen und das synthetische Erdgas durch den TÜV Süd als nachhaltiger Kraftstoff für Erdgasfahrzeuge zertifiziert.

Das biologisch erzeugte Erdgas aus erneuerbarem Strom wird seit dem ersten Juli 2015 in den Mobilitätssektor vermarktet. Laut Viessmann sei der vertragliche Abnehmer ein führender Automobilhersteller mit einer CNG-Fahrzeugflotte (compressed natural gas).

Mittlerweile betreibt auch die Viessmann Gruppe mehrere CNG-Fahrzeuge ihrer Flotte mit dem selbst produzierten synthetischen Erdgas. Mit der in der Anlage erzeugten Gasmenge sollen sich ungefähr 750.000 km Strecke jährlich zurücklegen lassen.

Die Errichtung der Demonstrationsanlage wurde im Rahmen des Projekts „BioPower2Gas“ durch das BMWi gefördert. Die wesentlichen Projektziele sind die Erprobung des Elektrolyseurs und der biologischen Methanisierung, die vollständige Anlagenintegration in die Biomethananlage, das Erreichen einer stabilen und einspeisefähigen Gasqualität und der Nachweis der prozesssicheren dynamischen Fahrweise. Weiterhin soll der Regelenergiebetrieb und der Betrieb mit schwankenden Eingangsgasqualitäten erprobt werden. Bei letzterem werden zum Beispiel Gase mit unterschiedlichen CO2-Gehalten, Feuchtegraden und Temperaturen untersucht.

Als nächstes soll die automatisierte Anlagenführung umgesetzt und das Geschäftsmodell weiterentwickelt werden. Die Beteiligten planen noch im September 2015 mit dem Projekt am Regelenergiemarkt teilzunehmen.

Tanja Peschel/MicrobEnergy

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