Engelsberg zufrieden mit Holzvergasung

22.05.2018

Vor mehr als sechs Jahren errichtete der Orteil Engelsberg im Markt Lauterhofen, in einen Holzvergaser der Firma Spanner Re². Nun steht das Urteil: mit 1.500 MWh produziertem Strom und einer Wärmeerzeugung von 3.600 MWh ist man hoch zufrieden. Hinzu kommt, dass man ausschließlich mit Holzhackschnitzeln aus der Region gearbeitet hat.

In Engelsberg gibt es bereits seit 2006 ein Hackschnitzelheizwerk. Dies ging den Bürgern allerdings nicht weit genug: „Unser Wunsch war es, nicht nur Wärme, sondern auch Strom aus Holz zu erzeugen“, erklärten Bürgermeister Ludwig Lang und Willi Locker Baumamtsleiter der Marktgemeinde Lauterhofen. So ging Engelsberg 2011 einen Schritt weiter und installierte einen Holzvergaser des niederbayerischen Anlagenherstellers Spanner Re2 GmbH. Der Holzvergaser passt von der Leistung mit rund 30 kWel und 70 kWth genau. Die Anlage wurde so ausgelegt, dass sie den Wärmegrundbedarf der Haushalte abdeckt und zusammen mit der 320 kW-Hackschnitzelheizung das Nahwärmenetz kontinuierlich mit regenerativ erzeugter Wärme versorgt. Die alte Reserve-Ölheizung wird seit der Kombination aus Holzvergaser und Hackschnitzelkessel nicht mehr eingesetzt.

An jedem ersten Freitag im Monat, ab 17:00 Uhr, bieten die Engelsberger die Möglichkeit sich über den Weg zur eigenständigen Energieversorgung zu informieren. Auch der Holzvergaser kann hierbei besichtigt werden. Weiterführende Informationen erhalten Sie im Bauhof Lauterhofen bei Willi Locker bzw. unter www.holz-kraft.com.

Der Jahresverbrauch an Strom liegt in Engelsberg bei rund 100.000 kWh. Mit der effizienten Holz-Kraft-Anlage von Re², die gleichzeitig Strom und Wärme liefert, wird jährlich mehr als das doppelte an elektrischer Energie erzeugt und gegen Vergütung ins öffentliche Stromnetz eingespeist.

Nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung wird bei der Holz-Kraft-Anlage aus Hackschnitzel Energie erzeugt. Hierbei werden die Hackschnitzel mit einem Wassergehalt von rund zehn Prozent über eine Förderschnecke aus dem Hackschnitzelbunker zur Holz-Kraft-Anlage transportiert. Ein integrierter Metallabscheider separiert zum Schutz des Holzvergasers mögliche metallische Verunreinigungen, bevor der Brennstoff über eine weitere Fördereinheit zum Herzstück der Anlage, dem sogenannten Reformer, gelangt. Im Reformer findet die eigentliche Holzvergasung statt. Bei Temperaturen von rund 1.200 Grad Celsius entsteht durch einen thermochemischen Prozess sauberes Holzgas. Dieses wird über Wärmetauscher abgekühlt, wodurch rund 10 kW thermisch gewonnen werden. Das abgekühlte Holzgas passiert dann zwei Filtersysteme, bevor es im nachgeschaltenem Blockheizkraftwerk (BHKW) einem leistungsstarken Verbrennungsmotor zugeführt wird. Über einen Generator wird aus dem Holzgas-Luft-Gemisch Strom erzeugt. Zudem wird bei dem Prozess Wärme generiert.

Auch die Abwärme im Heizraum wird in Engelsberg genutzt. Damit werden die Hackschnitzel auf den entsprechenden Wassergehalt im Bunker von unten über Lochbleche getrocknet. Bei Laufzeiten von 8.200 Betriebsstunden im Jahr werden rund 1.200 m³ Hackschnitzel benötigt, die ausschließlich aus dem Einzugsgebiet Engelsberg stammen.

Der Wärmepreis für die Abnehmer liegt in Engelsberg bei 6,3 €-cent/kWh – ein Preis der mehr als wettbewerbsfähig zu fossil-erzeugter Energie ist. Zudem erzielt das Bioenergiedorf durch die Einspeisung des Stromes in das öffentliche Stromnetz mittels der Vergütung nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz jährlich einen 5-stelligen Eurobetrag.

Engelsberg zeigt beispielhaft, dass eine nachhaltige Energieerzeugung sowohl ökologisch als auch ökonomisch attraktiv ist. Darüber hinaus bleibt die Wertschöpfung im Vergleich zu fossil-erzeugter Energie bei dem Konzept der Engelsberger in der Region.

Spanner Re / Philipp Kronsbein